Eine Sp(r)itzen-Firma

Die Turbulenzen um den Impfstoff AstraZeneca halten Meiser Vogtland nicht auf: Die Metallbaufirma aus Oelsnitz impft ihre Leute gegen Corona. Damit gehört Meiser zu den Vorreitern der Region.

Oelsnitz -  "Wir warten nicht, bis das Glück zu uns kommt - wie gehen ihm entgegen", sagt Leitungsmitglied Tim Nagel, der die Impfung organisiert - in Kooperation mit dem Plauener Facharzt für Immunologie und Allgemeinmedizin Dr. Udo Junker.
Am Gründonnerstag rückte Junker mit Schwester Kathrin Thomas am Sitz von Meiser an, im Oelsnitzer Industriegebiet "Johannisberg", um die ersten 14 Leute des Unternehmens zu impfen - alle Ü60. "Eigentlich wollten wir mit vier Ärzten, zwei Schwestern und einer Hilfskraft insgesamt 200 Meiser-Mitarbeiter impfen", sagt Junker.
Die Warnung der Bundesregierung, AstraZeneca nur für Über-60-Jährige zu verwenden, habe die Pläne über den Haufen geworfen. Deshalb wurden nur die älteren Semester geimpft. "Die anderen folgen, wenn die Frage des Impfstoffs geklärt ist", erklärt Junker.
Meiser Vogtland gehört mit reichlich 800 Beschäftigten zu den größten Arbeitgebern der Region; 180 Beschäftigte sind Pendler aus Tschechien. "Wir stellen Industriebeläge aller Art her - wie Gitter- und Blechprofilroste oder Treppen", erklärt Leitungsmitglied Nagel. Nach Angaben des 33-jährigen Maschinenbauingenieurs arbeitet der vogtländische Betrieb im Drei-Schicht-Betrieb und verarbeitet rund 5000 Tonnen Stahl pro Monat.
Stillstand der Produktion durch einen großflächigen Corona-Ausbruch in der Firma wäre nach Nagels Worten katastrophal. "Deshalb verhalten wir uns proaktiv."
Und deshalb war Meiser in Oelsnitz auch das erste Unternehmen im Vogtland, das in der Firma ein eigenes Corona-Testzentrum auf die Beine gestellt hatte. Nagel: "Schon im alten Jahr hatten wir Überlegungen angestellt und über die Oelsnitzer Apothekerin Constanze Süßdorf-Schönstein Kontakt zu Dr. Junker hergestellt, der die Corona-Ambulanz am Plauener Helios-Klinikum mit aufgebaut hat."
Innerhalb einer Woche wurde laut Nagel das erste anerkannte Testzentrum in einem Betrieb des Vogtlandkreises auf die Beine gestellt. "Seit Mitte Januar führen wir bis zu 1000 Tests pro Woche durch. Jeder Mitarbeiter kann sich jederzeit und kostenfrei testen lassen."
Nagel lobt Dr. Junker für seine pragmatische Art. "Er sieht nicht die Schwierigkeiten - sondern die Chancen und Möglichkeiten, etwas zu realisieren."
Nagel und die anderen Meiser-Verantwortlichen verfolg(t)en aufmerksam die Hiobsbotschaften rund um die astronomisch hohen Inzidenzzahlen im Vogtland. "Die sich überschlagenden, sich widersprechenden Bestimmungen von Bund, Freistaat und Landkreis machen es nicht einfacher. Aber als es hieß, dass die Priorisierung aufgehoben wird und Impfstoff für alle da ist, haben wir uns entschieden, unsere Leute selbst zu impfen", sagt Nagel. "Damit nehmen wir Druck von den Ärzten, denn wir haben direkten Kontakt zu den Leuten - und die erforderlichen Räumlichkeiten. Was kann es Besseres geben, als während der Arbeitszeit geimpft zu werden?"
Und was sagt Nagel zur (teilweisen) Warnung vor AstraZeneca? Natürlich führe das Hin-und-Her zu Akzeptanzproblemen. "Aber wir machen das Beste draus." ufa