Eine Runde in Deutschland

Mika Grünler radelt durch die Bundesrepublik und will 75 Städte besuchen. Ein Drittel hat der junge Mann geschafft. Jetzt muss er Winterpause in Plauen einlegen - wegen Corona.

Plauen - Manche gehen auf die Walz, andere fahren ins Ausland für "Work and Travel" ("Arbeiten und Reisen") - aber Mika Grünler tritt in die Pedale: Gleich nach dem Abitur ist er gestartet, seit Anfang Juli radelt er durch Deutschland - 5800 Kilometer in 400 Tagen hatte er sich vorgenommen. "Auf meinem Plan stehen 75 Städte, die meisten größer als Plauen - von Freiburg im Breisgau bis Flensburg, von Aachen bis Frankfurt an der Oder", sagte er beim Start.
Jetzt, nach bisher 2400 Kilometern, ist er zurück - Zwangspause wegen Corona. "Die Infektionszahlen gehen nach oben, mit den Übernachtungen ist es problematisch, zudem haben Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen", sagt der 20-Jährige, der Deutschland kennenlernen will: die Menschen, ihre Sitten und Gebräuche, das Essen, Städte und Sehenswürdigkeiten. "Vor allem die Großstädte faszinieren mich - auch weil meine zwei großen Geschwister in München und Frankfurt am Main wohnen."
Mit 16 oder 17 hatte Mika die Lust am Fahrradfahren entdeckt. "Bei einigen Touren um Mecklenburger Seen und mit meinen Eltern auf dem Elberadweg zwischen Dresden und Hamburg."
Den südlichen Teil seiner Deutschland-Runde hat Mika Grünler bewältigt - bis Kaiserslautern. Nach eigenen Worten bewältigt er täglich 50 bis 80 Kilometer. "Meine längste Etappe führte von Passau nach München: Für die 190 Kilometer habe ich mehr als 15 Stunden gebraucht. Das war eine körperliche und eine mentale Herausforderung, weil es früh 3.15 Uhr losging, weil es ein heißer Tag war, weil die Strecke meist bergan führte. Jetzt kann ich sagen: Diesen Tag werde ich nicht vergessen." Eine Handy-App zeigt die Fahrtroute an. An manchen Etappenzielen bleibt er länger - "wenn es mir besonders gut gefällt oder um für Kost und Logis zu arbeiten: als Erntehelfer, als Handlanger, als Kellner."
Nach Grünlers Angaben kosten die Übernachtungen häufig keinen Cent - Stichwort: Couchsurfing. "Ansonsten gehe ich in Jugendherbergen und Pensionen. Bis zu 900 Euro brauche ich monatlich auf der Tour."
Während des Strampelns wurde Grünler nach eigenen Angaben einiges klar, zum Beispiel, wie es beruflich wird: "Ab Oktober 2021 will ich Verkehrsingenieurwesen an der TU Dresden studieren."
Zuvor - "hoffentlich im Frühjahr" - will er seine Deutschlandtour fortsetzen. Bis dahin arbeite er in einem Supermarkt.
Aus Zeitgründen wird sich die Strecke allerdings verkürzen müssen, die Vorfreude jedoch bleibt - auf Begegnungen mit tollen Menschen: So wie in Stuttgart, wo er mit handgemachten Maultaschen und regionalem Wein verwöhnt worden sei.
Der Tourismusverband Vogtland hat Grünler mit einer Jacke ausgestattet und mit Stickern - er ist Botschafter des Vogtlandes. "Ich habe mich gefreut, als ich in Nürnberg eine Straßenbahn mit Vogtland-Werbung gesehen habe und in Saarbrücken eine Vogtlandbahn."
Den Eltern gefällt die Radreise ihres Sohnes. So könne er viele Erfahrungen sammeln. Die Eltern hätten ihn zudem besucht. "Wir haben uns in München getroffen, wo meine Schwester wohnt." ufa