Eine Perle der Natur

Gesucht wird eine Familie, die zwei Ponys unterbringen will - an Käppels Floßteichen ist das möglich: "Geld will ich nicht. Die Leute müssen beim Mähen helfen, beim Disteln stechen und Ordnung halten", sagt Dieter Käppel.

Reichenbach/Schneidenbach - "Die Ponys würden gut zu den drei Galloway-Rindern auf der Weide passen und den Ziegen - jeder frisst Gräser, die die anderen verschmähen", erklärt der 65-Jährige.
Der Touristik-Unternehmer bezeichnet das Areal um den etwa ein Hektar großen See in Schneidenbach bei Reichenbach als sein Lebenswerk, für das er einen Nachfolger sucht. Einen, der sich um alles kümmert: Um die Vermietung von Flößen, Grill- und Biwakplatz, von Zelten und Imbissgelände, von Schutz-, Grill- und Flößerhütten. Einen, der einen grünen Daumen hat, der Hand anlegt und zuverlässig ist und der ein Herz für die Natur hat. 
Käppel hatte nach seiner Zeit als Oberbürgermeister von Reichenbach (1994 bis 2001) das Gelände erworben: Erste Berichte über den Teich datieren aus dem 14. Jahrhundert. Später teilte ein Bahndamm das Gewässer, in dem bis nach der Wende (und lange nach Einstellung des Bahnbetriebes) Fische gezüchtet wurden. "Dann trocknete der Bach wegen des Klimawandels aus, den der Besitzer angezapft hatte", erklärt Käppel, der vor 18 Jahren die Wasserrechte am fernen Holzbach erworben und mit viel Aufwand die Leitung in Ordnung gebracht habe: "20 Minuten fließt das Wasser - in vier Metern Tiefe. Wegen des warmen Wassers friert der Teich schlecht zu."
Allerdings stoppt Käppel den Zufluss zu bestimmten Zeiten, sonst kann er auf eine Algenplage warten: "Normalerweise hat der Zufluss einen Phosphat-Wert von 0,1. Der steigt auf 4, wenn zwischen Treuen, Pfaffengrün und Hartmannsgrün Gülle ausgebracht wird. Dann pumpen wir Göltzschwasser mit Genehmigung. Aber das ist teuer; allein eine Pumpe kostet 1300 Euro - und hält nicht ewig."
Wie Käppel berichtet, setzt er allen Ehrgeiz daran, sein Areal ökologisch zu bewirtschaften. Er habe rings um den Teich Flachwasserzonen eingerichtet und mit Teich-Lilien, Wasserschwaden und Rohrkolben bepflanzt, die wie eine Kläranlage wirken. "In diesem Grüngürtel haben wir Eichen durch Erlen und Weiden ersetzt."
Käppel spricht von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft: Die gefällten Bäume werden im Sägewerk zu Brettern, die beim Bau gute Dienste leisten. Und mit Eichenspänen lässt sich prima räuchern: Fleisch, Fisch, Käse. 
Bei einer Runde um das Gewässer und vorbei am Naturlehrpfad berichtet er stolz über das in zwölf Jahren Erreichte: Nistkästen in großer Zahl, verschiedene Enten brüten, es gibt mehrere Molcharten - und Lob von den Naturschützern. "Ich habe auch gelernt, dass ein Ornithologe andere Interessen hat als ein Freund der Molche."
Warum sind an Käppels Floßteichen keine Papierkörbe zu finden? "In den Alpen stehen auch keine: Das ist eine Erziehungsfrage: Wer Müll mitbringt, soll ihn wieder mit nach Hause nehmen. Jetzt haben wir angefangen, die Raucher zu bewegen, ihre Kippen in Gläser zu stecken, die wir ausgelegt haben."
Käppel lobt die Angler, die nach seinen Worten Verbündeten sind im Kampf gegen (nächtliche) Vandalen. "Die Angler sind meine Nachtwächter", sagt er - und hält sie bei Laune mit einem reichen Fischbesatz: "Hechte und Schleie, Karpfen und Aale, Barsche und Rotfedern. Einen Teil der Fische setze ich auf eigene Kosten ein."
Sorgen hat Käppel auch: Die Zahl der Insekten ist nach seinem Bekunden extrem gesunken - und damit die Nahrungsgrundlage für viele Tiere, junge Vögel zum Beispiel. 
Und es gibt unbelehrbare Hundebesitzer. "Wenn brütende Enten mehrmals durch Hunde aufgescheucht werden, wird das nichts mehr mit dem Brüten: Die Eier werden taub - und die Enten brüten sich sprichwörtlich zu Tode."
Auch der Hundekot ist ein Problem, das Käppel auf die Formel bringt: Hundekot ist Kälbertod. Will heißen, dass Hunde die Nahrung der Galloways auf der Weide verderben. Die im Herbst bis zu 800 Kilo schweren Rinder werden übrigens von einem Jäger auf der Weide geschossen - unter Aufsicht eines Tierarztes und mit Genehmigung von Unterer Jagdbehörde und Veterinäramt. "Ein Verwaltungsakt." Uwe Faerber
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