Eine kleine Nachtmusik in Bad Elster

Bad Elster - Wir waren nicht das Volk, wir sind das Volk. Solche Sätze bleiben hoffentlich länger im Gedächtnis als triviale Ostalgieprogramme. Herta Müller bekommt den Nobelpreis für Literatur - der Herbst scheint gerecht zu bleiben, doch die Zeiten sind andere. Hier daher die Kulturreisen aus Bad Elster für die nächsten Tage.

Am Samstag, 24. Oktober, um 19.30 Uhr gastiert das Kleine Theater Berlin-Mitte mit der 20er Jahre Revue "Hoppla, Wir leben!" im König Albert Theater Bad Elster. Wer denkt bei den Zwanziger Jahren nicht an die unbeschwerten "Goldenen" mit Charleston, Bubikopf, Gigolo und überschäumender Lebensfreude?

Doch die Jahre zwischen 1918 und 1933 waren weit mehr als das. Sie begannen mit Revolution und Inflation und endeten mit der Weltwirtschaftskrise und dem Weg in das deutsche Verhängnis. In der Revue "Hoppla, wir leben!" wirft das Kleine Theater Berlin-Mitte musikalisch-literarische Streiflichter auf die Zwanziger. Bertolt Brecht und Friedrich Hollaender kommen zu Wort, Erich Kästner und Klabund, Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky und viele andere Autoren aus dieser Epoche zwischen Lichterglanz, Überschwang und Abgrund.

Am Sonntag, 25. Oktober, jährt sich zum 20. Mal der Beginn des offenen Protestes zur politischen Wende in Bad Elster. Aus diesem Grund findet um 15 Uhr in der KunstWandelhalle Bad Elster ein Festakt mit einer Ausstellungseröffnung unter dem dem Titel "Wendegeschichte(n) Bad Elster" statt. Am 25. Oktober 1989 begann mit einem Forum in der St. Trinitatiskirche und anschließendem Marsch zu dem SED-Sanatorium "Haus am See" der offene Protest im Sächsischen Staatsbad. Aus diesem Anlass möchte die Stadt Bad Elster zukünftig diesen Termin mit einer jährlichen Veranstaltung gedenken. Im Jubiläumsjahr 2009 wird in Kooperation mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung eine Festveranstaltung durchgeführt, in der Texte der Wendezeit rezitiert und die bewegenden Vorgänge in Bad Elster unter anderen durch Theaterspielzenen reflektiert werden sowie die Fotoausstellung "Die Angst setzt Grenzen - Die Mauer als Symbol der deutschen Teilung" eröffnet wird.

Am Sonntagabend, 25. Oktober, lädt das Weimarer Tanzorchester Franz?L. um 19 Uhr das Publikum zu einem bunten Schlagerabend mit den größten Hits aus den 50er und 60er Jahren in das König Albert Theater Bad Elster. Die 50er und frühen 60er Jahre: In Deutschland war das die Zeit von Petticoats, Milchshakes und herzbewegender Heimatfilme. Und die Musik erst: Ganze Generationen ließen sich durch Hits wie "Tschau, Tschau, Bambina", "Souvenirs" oder dem Konjunktur Cha-Cha verzücken. Das Orchester Franz'L. holt nun die guten alten Zeiten zurück. "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett", lautet der Titel der ersten eigenen Revue von Franz?L., die den alten Gassenhauern wieder neues Leben einhaucht.

Das Weimarer Tanzorchester Franz?L. spielt sich bereits seit über zehn Jahren in die Herzen des Publikums. Nur mit originalen Instrumenten aus den 50er und 60er Jahren ausgestattet, macht es seit 1994 Tanz- und Unterhaltungsmusik wieder salonfähig. Mittlerweile zählt es zu den beliebtesten Tanzorchestern Thüringens. Mit viel Gefühl für eine längst vergangene Epoche versteht es, einen vergessenen Zeitgeist wieder zum Leben zu erwecken. Für ihre erste eigene Revue haben sich die zwölf jungen Berufsmusiker von Franz?L. Verstärkung an Bord geholt. Mit dabei ist nämlich auch der bekannte Lied-, und Konzertsänger Patrick Rohbeck. Er verfasste das Drehbuch zu der außergewöhnlichen Revue, recherchierte dafür zur Mode, zu Requisiten, zum Lebensgefühl der Zeit.

Gesangliche und tänzerische Unterstützung bietet außerdem die Sängerin Christel Lötzsch und drei Tänzer des früheren Erfurter Balletts. Mit dabei sind stets stilechte Accessoires wie Kofferradio, Nierentischchen und Tütenlampe. "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" lädt das Publikum ein zu einer einmaligen Zeitreise in die 50er und 60er Jahre von Berlin über Österreich bis nach Italien.