Eine Frau auf dem Weg zu sich

Plauen - Sie zog schon mit jeder Menge Eigeninitiative Publikum ins Olympiastadion. Sie ist ihr eigener Produzent, Manager, Veranstalter und Beschallungsunternehmer. Nur mit einer Gitarre steht sie auf der Bühne und begeistert Menschen. Barbara Clear hat bewiesen, dass mit musikalischem und unternehmerischen Talent Ziele greifbar werden.

"Es ist völlig unsinnig zu glauben, mit einem Plattenvertrag sei irgendetwas gewonnen - eher das Gegenteil ist der Fall, der, der auf der Bühne steht, ist im Musikbusiness bis auf ein paar Ausnahmen am wenigstens wert.

Ein Musiker, der seine eigene Musik kreiert, sein Instrument beherrscht, seine Performance aufbaut, kann seine Bühnen selbst suchen, finden und spielen, seine CD?s selbst produzieren und verkaufen, für seinen Bekanntheitsgrad sorgen und versuchen, sein Publikum zu aktivieren - er braucht bei den Möglichkeiten heutzutage keine Plattenfirma. Viele hochtalentierte Musiker sehen in einem Plattenvertrag ihr Heil, denken aber nicht daran, dass immer nur in etwas investiert wird, was nach Meinung der Investoren profitabel ist und was dafür auch zu kontrollieren und zu manipulieren sein muss.

Ein Plattenvertrag bedeutet die massive Einschränkung des eigenen kreativen Schaffens, dazu die Abhängigkeit, in erster Linie all das zu tun, was den Verkauf der Produkte fördert - eine Tour durch alle Verbraucher-Märkte in Deutschland, um den Plattenverkauf anzukurbeln, steht da eher auf dem Plan als eine Tour in die schönsten Konzerthäuser, um seine Musik live zu spielen."

All das erfährt man, wenn man sich auf Barbara Clears Website umschaut - oder besser noch, ihr Konzert in der Plauener Festhalle besuchte. Etwa zwei Stunden unterhielt die Folk-und Rocksängerin am Samstag ihr Publikum. Sehr still, fast andächtig, lauschten die Gäste ihren Liedern.

Sie mischt ihre eigenen Songs mit denen bekannter Künstler, wie Janis Joplin, Eagles und Queen. Mit guter Stimme und eigenwillig arrangierten Kompostionen begeistert sie die Zuschauer. Wenn auch nicht gerade bis auf den letzten Platz besetzt, so genossen die Anwesenden in aller Ruhe Clears Musik über das Leben, die Liebe oder indianische Freunde. S. Rössel