Ein Zuschlag ist nur die halbe Miete

Den Auftrag für die Breitbanderschließung zu bekommen, ist eine schöne Sachen. Drastisch steigende Preise bei Tiefbauarbeiten auszuhalten, eine andere. Das erlebt aktuell die Stadtwerke-Strom Plauen GmbH & Co. KG.

Von Marjon Thümmel

Plauen - Dass sich Deutschland (endlich) das ehrgeizige Ziel gesetzt hat, im ganzen Land schnelles Internet bis 2020 zu realisieren, ist eigentlich lobenswert. Dafür hat die Bundesregierung auch große Fördertöpfe geöffnet. Allerdings mit einem Haken: Da in allen Regionen mit immensen Zeitdruck von einem Jahr der Breitbandausbau erfolgen muss - will man die Förderung in Anspruch nehmen - werden Kapazitäten knapp und schnellen die Preise in die Höhe. Das spüren derzeit auch die Stadtwerke Plauen, die 2018 den Zuschlag für die Breitbanderschließung in fünf Plauener Gebieten, die bislang mit weniger als 30 Megabit versorgt sind, erhielten: Neundorf, Kauschwitz, Alt-Chrieschwitz, Reißig, Meßbach sowie das Industriegebiet Oberlosa. Bis 2020 sollen weitere 1700 Anschlüsse für Privat und Gewerbebetriebe und damit für rund 3000 Nutzer verwirklicht werden. Sieben Millionen Euro Fördermittel liegen bereit. "Die Stadtwerke waren die einzigen Bieter, die Telekom hatte kein Angebot abgegeben", sagte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer und unterstrich zugleich die Verantwortung, die das Unternehmen für die unrentablen Ausbaugebiete mit langen Kabelstrecken übernommen hat. Stadtwerke Strom unterhält bereits ein Glasfasernetz in der Innenstadt, an das 22 000 Kunden angeschlossen sind. 
 Als die Stadtwerke zu Jahresbeginn die Angebote von Unternehmen im Leitungstiefbau und Glasfasertechnik für die weiteren Anschlüsse erhielten, kam das böse Erwachen. Die kalkulierten Kosten von 10 Millionen Euro wurden mit überproportional gestiegenen Preisen deutlich überschritten. "Wir liegen derzeit zwischen 15 und 16 Millionen Euro", sagte Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Kober. Die massiven Kostenerhöhungen hatten im April die Stadtwerke bewogen, den Vogtlandkreis um Vertragsauflösung zu bitten. Zugleich ging ein Schreiben an die Haushalte der fünf Gebiete, dass sich der Breitbandausbau verzögern wird.
 "Doch wir haben jetzt eine Lösung gefunden, die uns weitermachen lässt. Die Kündigung der Verträge mit dem Vogtlandkreis hätte zu weiteren Verzögerungen und Kosten geführt. Deshalb werden wir als Verwaltung nächste Woche dem Stadtrat vorschlagen, eine Einzahlung der Stadt Plauen in die Kapitalrücklage der Stadtwerke in Höhe von 1,02 Millionen Euro zu genehmigen. Der Finanzausschuss hat bereits Zustimmung signalisiert", sagte Oberdorfer gestern bei einem Pressegespräch. Die explodierten Baukosten hätten zu einer wirtschaftlichen Lücke von 3,5 Millionen Euro bei den Stadtwerken geführt. Um weiter liquid zu sein, muss das Unternehmen diese Summe zurückstellen, was wiederum zu einem Verlust von 2,65 Millionen Euro in 2018 führt und auch die Eigenkapitaldecke mindert. Doch diese ist wichtig für die Vergabe von Darlehen durch Kreditinstitute. Deshalb die geplante Aufstockung durch die Stadt und den Miteigentümer an den Stadtwerken, die envia M. Diese wird 980 000 Euro einzahlen. 
 "Unser Ziel ist es, den Glasfaserausbau mit den Stadtwerken Strom fortzuführen und uns dazu auch Partner mit ins Boot zu nehmen", sagte der OB. Wenn nach dem 4. Juli, dem Tag der Aufsichtsratsitzung der Stadtwerke auch die letzte Hürde genommen ist, würden alle Kunden, die im April angeschrieben wurden, darüber informiert, wie der Fortgang der Arbeiten sein wird. "Wir gehen davon aus, dass die nächsten Anschlüsse schon in diesem Jahr gelegt werden", eklärt Oberdorfer.
 Wenn nach den vorliegenden Planungen die Verluste ab dem Jahresabschluss 2021 ausgeglichen sind, könnte ab 2021 die schrittweise Rückführung der vorgesehenen Eigenkapitalseinzahlung geschehen. 
 Die Stadtwerke Plauen, die seit ihrem Bestehen in den vergangenen neun Jahren Gewinne in Höhe von rund fünf Millionen Euro an die Stadt ausgeschüttet haben, können das auf Grund der aktuellen Situation bis 2022 nicht tun. So gehen den Gesellschaftern rund zwei Millionen Euro "verloren". Aber der Breitbandausbau kann weitergehen.