Ein (Vogt)Land - viele Möglichkeiten

Er soll dem Tourismus Beine machen - von Bad Köstritz bis Bad Brambach, von Schönheide bis Pausa: Dr. Andreas Kraus führt den Tourismusverband Vogtland.

Plauen/Auerbach - Im Verbandsgebiet leben 430.000 Einwohner, davon 230.000 im Vogtlandkreis. Hier, im sächsischen Vogtland, werden 1,3 Millionen Übernachtungen gezählt, im "Rest" 0,4 Millionen. Allerdings gehen nur Beherbungsbetriebe in die Statistik ein mit mehr als neun Betten. "Ansonsten käme man wohl auf eine Übernachtungszahl von 5 Millionen pro Jahr", sagt Kraus.

Der Kurort Bad Elster hat eine herausragende Bedeutung - und eine ebensolche Entwicklung genommen. Und die ist nicht zu Ende, man denke nur an die bevorstehende Einweihung von Soletherme (in ein paar Wochen) und König Albert Hotel (im Frühjahr 2016).

Der 35-jährige Kraus ist seit knapp zehn Monaten Geschäftsführer des Tourismusverbandes, dessen Thüringer und Sächsischer Teil sich zum 1. Januar vereinigt haben; Verbandssitz ist Auerbach. Laut Kraus hat die Region nicht den einen "Leuchtturm", der die Touristen in besonderer Weise anzieht.

"Wir müssen mit verschiedenen Sachen werben: Es geht nur gemeinsam - gewissermaßen als Sinfonie vieler Einzelinstrumente." Welche Gäste will Kraus ins Vogtland locken? Er spricht von Kernzielgruppen wie Natur-Genießern und Wanderern, sportlich Aktiven und Familien sowie Kinder- und Jugendgruppen. Hinzu kämen Musikvereine und "Kurlauber" und auch anspruchsvolle Kulturreisende. "Gäste aus den neuen Bundesländern kennen das Vogtland schon recht gut. Wir wollen verstärkt in Oberfranken bis Nürnberg werben, in Osthessen und auch in Tschechien."

Mit den Angeboten versucht Kraus, aus Tagestouristen Urlauber zu machen. Für eben diese Gäste wurden Kraus zufolge drei "Produktlinien" entwickelt:

* "Natur spüren": Wandern (auf zertifizierten Wegen), Gesundheit aus/in der Natur (in Kureinrichtungen von Bad Elster), MTB (in Schönecker Bikewelt) und Radfahren (auf Göltzsch- und Elstertalradweg), Wintersport (auf Loipen von Klingenthal bis Grünbach) und Urlaub am Wasser (an den Talsperren Pöhl, Pirk und Zeulenroda).

* "Musik fühlen": Musik (bei Konzerten) und Instrumentenbau (in der Musikwelt Markneukirchen), in reußische Residenzen (Greiz und Weida) und Städten (Plauen und Gera).

* "Familie leben": Freizeiteinrichtungen für Familien und Kinder (wie im Märchenpark Plohn und die Badewelt Waikiki in Zeulenroda). Bei einem Redaktionsgespräch steht Kraus Rede und Antwort: Der Diplom-Betriebswirt hat Metallbauer bei Goldbeck in Treuen gelernt und auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur abgelegt, nach dem Studium in Frankfurt hat er ein Zeit lang in Spanien, Portugal und Brasilien gearbeitet und promoviert:

Herr Kraus, welche Konsequenzen zieht der Tourismusverband aus dem demografischen Wandel, aus der Tatsache, dass die Gesellschaft immer älter wird?

Kraus: Wir wissen, dass die meisten unserer Gäste Ü 50 sind. Wir wissen auch, dass diese Gäste im Regelfall sehr zufrieden sind, mit dem, was ihnen im Vogtland geboten wird. Aber wir fördern trotzdem Angebote für junge Gäste.

Welche?

Mountainbiking in Schöneck zum Beispiel oder das Wassersportzentrum Zeulenroda. Uns ist klar, dass Investitionen nötig sind - und das manches sehr lange dauert. Müsste das Vogtland-Logo nicht größere Verbreitung finden? In mehr als 200 Fällen wird die Dachmarke bereits genutzt: Der ÖPNV zum Beispiel, das Management von Stefanie Hertel ist interessiert und auf Flaschen des Kindersaft-Herstellers Ackermanns Haus macht sich das Logo sehr gut. Andere Hersteller sollen folgen.

Wie werben Sie um Gäste?

Wir nutzen alle Möglichkeiten. Einerseits haben wir im ersten Quartal 2015 sieben Tourismus-Messen besucht - mit einer Million Besuchern. Andererseits haben wir eine ausgesprochen leistungsfähige App angeschafft, die jeder kostenlos runterladen darf und die man auch im Internet- Auftritt anschauen kann. Klar, dass sie noch bekannter werden muss. Bei alledem muss man natürlich auch sagen, dass unser Budget nicht endlos ist; und wir sind sieben Mitarbeiter im Verband.

Herr Kraus, Sie sind ein geborener Vogtländer. Was sind Ihre Lieblingsplätze im Vogtland?

Ich fahre gern Ski - Abfahrt in Schöneck, Langlauf von Grünbach bis Klingenthal. Ich surfe auf der Pöhl und einen Teil des Panoramawegs habe ich auch schon erwandert. Ich radle gern - und freue mich, wenn Elstertal- und Göltzschtalradweg auf ganzer Länge befahrbar werden.

Service

Dachmarke "Vogtland"

Eine Dachmarke schafft einen Wiedererkennungswert der Reiseregion; sie hilft, sich von Mitbewerbern zu unterscheiden: Das Logo soll sympathisch und unverwechselbar sein: So entstand die Dachmarke "Vogtland", eine Wort-Bild-Marke, die kostenlos genutzt werden kann - nach Antrag: Der Farbverlauf von Dunkel- zu Hellgrün stellt das natürliche Vogtland dar - mit Wiesen, Wäldern und vielen Möglichkeiten, Natur und Landschaft zu erleben.

Die Raute im "O" steht für die Lage im Vierländereck von Sachsen, Thüringen, Bayern und Böhmen. Der Schriftzug ist leicht kantig und wellig - ein Hinweis auf die hügelige Mittelgebirgslandschaft und die "eigensinnigen" Vogtländer. (Aus dem Marketingkonzept des Tourismusverbandes)