Ein Stern für Oberlosa

In Oberlosa wird in nicht ferner Zukunft ein Stern leuchten - der eines Autoherstellers, dessen Fahrzeuge als zuverlässiges Transportmittel ebenso bekannt sind wie auch als Status-Symbol. Was dahinter steckt, erläuterte am Montag Alexander Müller, Geschäftsführer eines Familienunternehmens, den Mitgliedern des Stadtbau- und Umweltausschusses.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Man schreibt das Jahr 1878. Ein Vorfahre Alexander Müllers beschließt in Kronach, ein Unternehmen zu gründen, das sich mit einem Transportmittel befasst, dass damals noch recht selten auf den Straßen anzutreffen war - dem Automobil. Rund 140 Jahre später erläutert Müller den Stadträten einen Plan, der nach seinem Vortrag auf fraktionsübergreifende Zustimmung stößt, fast auf Vorfreude.
Worum geht es? Nachdem sich das Unternehmen mit inzwischen einem Jahresumsatz von 220 Millionen Euro nach der Wende in Richtung Saalfeld/Rudolstadt erweiterte und seinen Verwaltungssitz 2001 nach Hof verlegte, will man nun in Oberlosa "andocken". Dem zugrunde liegt ganz offenbar unternehmerisches Geschick, das Erkennen von Zeichen der Zeit.
Denn, so Müller, im Nutzfahrzeugbereich gehe der Trend zunehmend zu gemieteten Fahrzeugen. Das habe man als einer der ersten Vertragshändler erkannt. Inzwischen sei der Nutzfahrzeugmietbereich einer der stärksten seines Unternehmens, und daraus wiederum erwuchs die Erkenntnis, weiter zu expandieren - ins Vogtland, nach Oberlosa. Der Standort nahe der Autobahn sei perfekt, ungefähr die Mitte zwischen München und Berlin, so Müller.
Oberzentrum stärken
Und natürlich weiß er als erfahrener Manager, wie man sich außer mit Argumenten das Wohlwollen der Entscheidungsträger sichert. Man wolle die Oberzentrumsfunktion von Plauen stärken, die Region wirtschaftlich bereichern und sich gut einfügen.
Inzwischen hat er gemeinsam mit der Plauener Stadtverwaltung Nägel mit Köpfen gemacht. Bereits am 1. Oktober soll neben dem Autohaus Oppel ein erster Standort öffnen, bevor man dann in Oberlosa quasi das große Rad drehen will. Und auch Baubürgermeisterin Kerstin Wolf macht deutlich, dass man dem Investor keine Steine in den Weg legen wird, wohl nicht mal Kieselsteinchen.
Der Standort sei aus dem Bebauungsplan 1 eigens herausgenommen worden, denn eigentlich handelt es sich im Falle Oberlosas um ein Gewerbegebiet. Im Fachdeutsch spricht man wohl von einem "Zielabweichungsverfahren". "Wir graben uns ein", beschreibt Stadtplaner Frank Schönfelder, der Alexander Müller in baulichen Fragen zur Seite steht, das geplante Projekt. Der Höhenunterschied des Standortes beträgt 16 Meter, die Gebäudehöhen betragen sechs bis acht Meter. Die entstehende Reifenhalle beispielsweise wird "in den Hang reingebaut". Entlang der Autobahn entstehen große Böschungen, damit ein bebaubares Plateau möglich wird, so Schönfelder.
"Glaube fest an Konsens"
Geplant sind ein Ausstellungsbereich für Pkw-Neuwagen, eine zentrale Werkstattzone, eine Reparatur- und Montagehalle, eine Mietnutzfahrzeughalle und als höchstes Gebäude das zentrale Ersatzteillager.
Doch da wäre da noch der Zankapfel schlechthin, die Kreisstraße 7807, deren Verlauf die Oberlosaer und den Plauener OB zu nahezu unversöhnlichen Widersachern werden ließ. Bürgermeisterin Wolf glaubt nach einer Vorort-Besichtigung, dass eine Zufahrt mit einer Ausweichstelle den Verkehr von und zum "Automobil- und Dienstleistungszentrum Müller" aufnehmen könne.
Ob er die Meinung der Oberlosaer hinsichtlich einer Zufahrt ausschließlich über die Kreisstraße kenne, möchte CDU-Stadtrat Dieter Blechschmidt wissen. "Er glaube fest an einen Konsens mit den Oberlosaern, vor denen er das Projekt mehrfach erläuterte, sagt Müller. "Wenn alle mit offenen Karten spielen", fügt er an und fast klingt es, als wäre auch ihm der Hickhack um den Straßenverlauf zu Ohren gekommen.
In der Tat seien auch die topografischen Probleme des gewählten Standortes immens, zumal er für sein Autozentrum vom Freistaat keine Fördermittel erhalte, erklärt Müller, weshalb er in Sachen Erdaushub, den er aus eigener Tasche zahlt, "spitz" rechnen müsse. Die zu bewegenden Kubikmeter ließen sich nur schlecht abschätzen, zumal man auch auf Fels stoßen werde.
Ambitionierter Zeitplan
Fachgebietsleiter Markus Löffler erläutert schließlich noch den zeitlichen Rahmen. Bis Jahresende werde es eine erste Beteiligungsrunde der Träger öffentlicher Belange geben, Anfang kommenden Jahres sollen die Ergebnisse ausgewertet werden, ein Satzungsbeschluss im Sommer vorliegen. Eine Zeitschiene, die auch Bürgermeisterin Wolf als "sehr ambitioniert" sieht.
Und auch die unvermeidliche Frage nach erwartetem Umsatz und der Zahl der Mitarbeiter am künftigen Standort kann Müller zufriedenstellend beantworten.
Circa 20 Millionen Euro, sagt er, werden nach Oberlosa "umgelagert", die Mitarbeiterzahl werde sich bei 70 bewegen, "keinesfalls unter 60, wenns gut läuft auch 100."
Vielleicht hat er noch nicht jedes Abgeordneten Herz erreicht, deren Aufmerksamkeit allemal. Kein schlechtes Zeichen für einen Stern über Oberlosa.