Ein Plauener spielt die Musik

Ein Plauener spielt an der Staatskapelle Dresden zwar nicht die erste Geige, ist aber für das Wohl und Wehe des gesamten Orchesters verantwortlich. Matthias Gries ist Orchesterinspizient.

Von Marjon Thümmel

 

Plauen/Dresden - Mit 36 Jahren trägt der Plauener Matthias Gries, der mittlerweile in Dresden zu Hause ist, als Orchesterinspizient große Verantwortung rund um die Staatskapelle, damit diese wohlklingend das Publikum erfreuen kann. "Es ist ein Job, den man nicht wie jeden anderen Beruf erlernen kann. Ich bin durch mein Praktikum beim Gewandhausorchester Leipzig und als Mitarbeiter bei der Orchesterakademie Schleswig-Holstein Musikfestival, schon mit einigen Dingen vertraut gewesen, als ich die Aufgabe 2010 in Dresden übernahm", sagt er und zählt auf, was zu dieser dazu gehört: "Ich bin bei jedem Konzert der Staatskapelle in Dresden für die Sicherstellung eines reibungslosen Ablauf zuständig und gebe am Inspizientenpult das Klingelzeichen und rufe die Künstler zur Bühne. Dabei ist es spannend, mit herausragenden Dirigenten wie Christian Thielemann und Solisten wie Lang Lang oder Sängern wie Anna Netrebko oder Jonas Kaufmann zusammenzuarbeiten." Außerdem sei er für die Planung des Bühnenaufbaus bei Konzerten zuständig und für die Instrumententransporte. Neben den Instrumenten gehöre auch das gesamte Equipment (Stühle, Pulte, Ständer, Reisekisten) zu seinem Aufgabenbereich. So plane er beispielsweise, wie viel Transportkisten mit auf Tournee geht. 
 "Aber auch der Instrumentenbestand im Haus braucht die nötige Aufmerksamkeit. Wir haben in unserem Fundus noch einige, vor allem Streichinstrumente, aus der Zeit, als unser Orchester noch Hofkapelle des Königs war. Die ältesten, die noch bespielt werden, stammen aus dem 17. Jahrhundert. Auch eine Stradivari ist dabei", erzählt er.
 Ein Orchesterinspizient braucht also neben organisatorischen Fähigkeiten auch musikalische Kenntnisse. Bei der Frage, ob er selbst ein Instrument spiele und ob das Proben eher Lust oder Frust für ihn war, lacht Matthias Gries: "Flöte und Trompete lernen, hat mir wirklich richtig Spaß gemacht. Am Vogtlandkonservatorium habe ich auch in der Big-Band mitgespielt und war bei Jugend musiziert erfolgreich dabei."
 Um bei der Staatskapelle mitzuwirken, sei sein Spiel aber nicht ausreichend. "Dafür hätte ich ein Spezialstudium gebraucht, habe mich aber für Musikwissenschaft und Geschichte und damit für die Theorie entscheiden. Während der Studentenzeit in Leipzig habe ich aber noch im akademischen Orchester und in der Big-Band gespielt. Heute bleibt's beim Privatgebrauch", sagt Gries. 
 Warum er nicht am Theater Plauen-Zwickau blieb, an dem er in der Spielzeit 2009/10 Orchestermanager war, ist vom 36-Jährigen schnell beantwortet. "Ich war damals schon verheiratet, hatte mein Frau in Dresden kennen gelernt, als ich von 2007 bis 2009 in der Orchesterdirektion der Staatskapelle mitarbeitete. Und als ich am Theater Plauen-Zwickau auf die ausgeschriebene Stelle als Orchestermanager angenommen wurde, kam meine Frau aus Dresden nicht weg. Ich pendelte dann zwischen Plauen, Zwickau und Dresden. Das war keine Lösung. Und so nahm ich 2010 dann das Angebot bei der Staatskapelle an", schildert Matthias Gries. 
 In diesen Tagen ist Matthias Gries mit der Staatskapelle, in der übrigens mehrere Vogtländer mitspielen, wieder auf Auslandstournee. "Seit 2013 spielen wir als Residenzorchester bei den Salzburger Osterfestspielen. Dieses Jahr stehen Wagners Meistersinger auf dem Programm. Im Herbst waren wir in China und Japan, haben die Schumann-Sinfonien gespielt. In Asien ist die klassische Musik sehr beliebt. Die Staatskapelle reist viel, das bedeutet auch großen logistischen Aufwand. Diese Jahr geht es noch nach Frankreich, China, Breslau und Sotschi", erzählt der 36-Jährige. 
 Im Wechsel mit Kollegen sei er mit auf Tournee. "Das Orchester muss aber auch spielfähig für die Staatsoper sein, deshalb fahren etwa 90 Musiker auf Tournee und die übrigen 70 bespielen die Semperoper. Zwei Orchester müssen funktionieren. Das bedeutet schon eine Menge Aufwand, will man alles von A bis Z bedenken. Aber jede gemeisterte Herausforderung bringt auch eine Portion Zufriedenheit", sagt er und freut sich, dass größere Pannen ausgeblieben sind. "Es passiert schon mal, dass einer seinen Reisepass vergessen hat oder wie vor längerer Zeit, als durch Flugstreiks der Reiseplan auf den Kopf gestellt wurde. Aber egal was geschieht, der Vorhang muss aufgehen." 
 Bleibt bei all dem noch Zeit für Familie und Hobbys? "Ich versuche, alles unter einen Hut zu bekommen. Wir sind sehr gerne in der Natur unterwegs, gehen viel wandern. So genießen wir die Zeit miteinander", sagt er und fügt lachend hinzu: "Und dann höre ich in der Freizeit auch gerne Jazzmusik."

Zur Person

- 1982 geboren in Leipzig
- aufgewachsen in Plauen 
- Seit dem Alter von 6 Jahren Musikunterricht am Vogtlandkonservatorium 
- Abitur 2000 am Diesterweg-Gymnasium
- 2000-2006 Studium Musikwissenschaft und Geschichte an der Uni Leipzig (nebenbei in der Musikalienhandlung M. Oelsner gejobbt)
- 2006-07 Praktikant im Orchesterbüro des Gewandhausorchesters
- 2007 Mitarbeiter bei der Orchesterakademie Schleswig-Holstein Musikfestival,
- 2007-2009 Mitarbeiter der Orchesterdirektion der Staatskapelle Dresden
- In der Spielzeit 2009/10 Orchestermanager am Theater-Plauen-Zwickau
- Seit Juli 2010 bei der Staatskapelle Dresden