Ein Paradies für den Vogelfänger

Der Strohhut von Musiktheaterdirektor Jürgen Pöckel gaukelt sommerliche Entspanntheit vor. In Wahrheit befinden sich alle Beteiligten an der bevorstehenden Premiere der "Zauberflöte" im Plauener Parktheater in berufsspezifischem Stress.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Hört man dem Regisseur der "Zauberflöte", Jürgen Pöckel, nur wenige Augenblicke zu ist man sicher: Vogelfänger Papageno würde hier, im idyllischen Parktheater, für immer bleiben wollen. Denn zu später Stunde werden selbst die nicht zum Ensemble gehörenden Waldvögel auf die Musik antworten, ist sich der Musiktheaterdirektor sicher. Zwei Aufgaben des Generalintendanten Roland May habe man lösen müssen: Zum einen ein Stück zu finden, das gern gesehen und gehört wird - und da sei die "Zauberflöte" eben der Blockbuster - und zum anderen sollte das Orchester in die Bühne integriert werden. Die entsprechende Fläche ist bereits zu erkennen und auf den ersten Blick scheint es, dass die Damen und Herren wohl ein wenig Platzangst bekommen könnten. Dem war aber bei einer ersten Sitzprobe nicht so, versichert Pöckel. "Keiner hat gemault", fügt er lächelnd an. Warum auch. Denn die besonderen Chancen, die das Parktheater bietet, wurden beeindruckend genutzt. Das Orchester steht im Mittelpunkt der Aufführung, wird quasi in die Handlung einbezogen. Wie man das schafft? Das Geheimnis liegt im Tempel der Weisheit, der sich als Bühnenmittelpunkt bereits abzeichnet. Eine mehrseitige schräge Ebene, auf der sich die Protagonisten später bewegen werden und die Generalintendant Roland May als "tolle Ingenieursleistung" der Männer seines Hauses bezeichnet. Auf den Tempel konzentrieren sich auch die Prüfungen, die der unbedarfte Vogelfänger Papageno und Prinz Tamino zu bestehen haben, als sie sie sich aufmachen ins Reich des Bösen. Dort soll sich die Tochter der Königin der Nacht aufhalten, gefangen in Sarastros Sonnenreich. Das Orchester wiederum ist der Tempel der Musik. Im Überschwang der eigenen Erwartung spricht Pöckel von seinem Kollegen, dem Ersten Kappellmeister Vladimir Yaskorski, vom Hohepriester der Musik. Da die meisten Vorstellungen 20 Uhr beginnen, werde man aus dem Hellen in die Dunkelheit spielen, avisiert Pöckel. "Wenn es spannend wird, ist es bereits dunkel", fügt er an. Irgendwo im Orient sei die Handlung angelegt ortet Pöckel die "Zauberflöte" geografisch ein und freut sich, dieser Oper geben zu können, was ihr gebührt. Viel Platz, um dem Konglomerat aus Phantasie und Wüste gerecht zu werden und selbst die genaue Markierung der beiden Reiche optisch zur Geltung bringen zu können. Viel Platz auch für die 16 Solisten, den 60 Männer und Frauen umfassenden Chor, den Extrachor, die Mitglieder der Singakademie. Und mit einem kleinen Seitenhieb auf "eingekaufte" Produktionen anderer Häuser legt Pöckel wert auf die Feststellung, dass hier Kunst zu sehen sein werde. "Nicht nur groß und bunt soll es sein."
Auch die für Bühne und Kostüme zuständige Andrea Hölzl zeigt sich mit dem bisherigen Stand der Dinge und den vorgefundenen Möglichkeiten zufrieden. Von den Kostümen her habe man sich am Orient orientiert - farbenprächtig das Reich der Königin, das Reich der Männer in strengem schwarz/weiß.
Und selbstverständlich erfüllen auch die Künstler aus Pöckels Sicht höchste Anforderungen. In der Rolle der Papagena wird Nataliia Ulasevych zu erleben sein, in der des Papageno mit Sebastian Seitz ein anderer Publikumsliebling. Als Gast übernimmt Ani Taniguchi die Rolle der Königin der Nacht - die Arien kennen bereits Grundklässler, bemerkt Pöckel. Auch die Plauener Theatergängern in guter Erinnerung gebliebene Nathalie Senf wird als eine der drei Damen ein Comeback erleben.
Noch was vergessen? Natürlich, das hochkarätige Vorprogramm, für viele Besucher zum festen Bestandteil des Abends geworden. Presseverantwortliche Carolin Eschenbrenner verweist auf eine Feuershow mit Könnern ihres Fachs, einen Gaukler, Melanie Tilch mit ihrer Bauchtanzgruppe und eine Hana-Tattoo-Malerin. Drei Stunden werden die Gäste auf ihren bequemen Sitzschalen verbringen, die quasi das I-Tüpfelchen eines Besuches der "Zauberföte" sind.