Ein Moment im Rampenlicht

Tanzen ist ihr Beruf und ihre Berufung. Christina Schulz gehört zum Ensemble des Theaters Plauen- Zwickau. Ihr Können den Menschen zu zeigen ist gerade nicht möglich. Dennoch tanzt Christina, die mitten in der Pandemie ihre erste Spielzeit antrat, regelmäßig - und zwar zu Hause.

Von Frank Blenz

Plauen/ Zwickau Der leere Platz vor dem Theater liegt vor ihr wie das Parkett einer Bühne. Für einen Moment wähnt sich die junge Frau im Rampenlicht. Sie nimmt Anlauf wie bei einer Vorführung, hebt graziös ab, ihre langen blonden Haare wehen im Winterwind, dem Himmel entgegen streckt sie ihren Körper, lächelt, strahlt. Mitten in der Stille, im Stillstand erzeugt sie einen Moment der Kunst die weiter lebt. Weiter tanzen, trotz allem, ist ihr Credo -Christina Schulz vom Ballett des Theater Zwickau Plauen, baut optimistisch auf den Frühling, in knapp einem Vierteljahr steht der erste Auftritt im Kalender: 1. April.
Wohnzimmer
dient als Ballsaal

Das kleine Wohnzimmer ihrer Wohnung dient gerade als Ballsaal, mit dem Computer wird die Verbindung zu den Kollegen und zur Chefin Annett Göhre gehalten. Kleine Videobilder der elf Künstlerinnen und Künstler in täglicher Internetkonferenz zusammengeschaltet, vereinen sich für Christina zu einem lebendigen Ensemblemosaik, das all den jungen Akteuren Nähe, Freundlichkeit und das Gefühl der Zusammengehörigkeit in ihren mitunter einsamen Alltag zaubert.
Tanzen. Fit bleiben. Üben, trainieren, ausprobieren, diskutieren, lachen, sich trösten, stehen auf der Tagesordnung. "Es ist schon etwas komisch, wenn ich meine Kollegen so in ihren Küchen und Zimmern sehe, wie sie üben, wie sie improvisieren. Ja, da ist die Ballettstange dann schnell auch mal ein Küchenstuhl", sagt die Tänzerin mit einem Lachen. Sie lächelt überhaupt die ganze Zeit des Treffens auf dem leeren Theatervorplatz, mit der Energie und Überzeugung eines jungen Lebens für den Tanz, das nicht ohne Mühe und Entbehrung war.
Ersten Tanzunterricht
mit vier Jahren

24 Jahre jung ist Christina Schulz. Sie hat sich ihren Traum "Tänzerin" erfüllen können. Das Theater Zwickau Plauen ist ihre erste Berufsadresse. Seit dem Herbst gehört sie zum Ensemble der Tänzer. Viele Jahre Mühen standen davor an. "Mit vier Jahren hatte ich meine erste Stunde Tanzunterricht in meiner Heimatstadt Mönchengladbach. Mit sechs Jahren begann meine erste Ausbildung im Ballettzentrum Jontza in Gladbach."
Was folgte waren viele Auftritte, das Sammeln von Erfahrungen, Tschaikowskys Nussknacker fehlte ebenso wenig wie anspruchsvolle Herausforderungen im modernen Tanzen. "Der zeitgenössische Tanz hat mir schnell gut gefallen, besser als der klassische. Das liegt daran, dass das Tanzen in der Moderne freier, experimenteller ist", erzählt die 24-Jährige.
Schließlich bog die Tanzschülerin auf die Straße Richtung Berufsleben. Ab 2016 studierte Christina Schulz am Institut für Zeitgenössischen Tanz an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Ihr erster größerer Auftritt folgte in Annelies Brosts Musikforum Bochum 2018 im Einakter "Appalachian Spring" zu Aaron Coplands live gespielter Orchestersuite.
Dann, nach erfolgreichem Studienabschluss im Zeitgenössischen Tanz, folgte das erste Finale. "Voriges Jahr habe ich mich dann auf den Weg gemacht, Bewerbungen, Vortanzen. Tänzerin sein, das ist mein Berufsziel, das sollte nun endlich vollendet werden", so Christina Schulz. Dutzende Mal tanzte sie vor. "Auch in Plauen, hier wurde ich angenommen, Tanzdirektorin Annett Göhre bin ich sehr dankbar, dass sie mich ausgewählt hat. Und meine Mutter hat geweint vor Glück. Ich danke meinen Eltern sehr für ihre Mühen."
So schnell für sie das erste Engagement als Tänzerin begann, so abrupt ist nun die Pausentaste gedrückt. Am 3. Oktober noch stand sie mit ihren Kollegen auf der Bühne, "Auf Abstand" hieß das Stück, der Saal war als solcher ein anderer. "Wir sahen vor uns viele gesperrte freie Reihen und in den Reihen, in denen unser kleines Publikum saß, gab es auch viele gesperrte freie Plätze."
"Sie fehlen uns! Bis bald"
Hoffentlich."

Die kleine Küche ihrer Wohnung dient also nun gerade als Ballsaal, mit dem Computer wird die Verbindung zu den Kollegen, zur Chefin Annett Göhre gehalten. Kleine Videobilder der elf Künstlerinnen und Künstler in täglicher Internetkonferenz zusammengeschaltet, vereinen sich für Christina zu einem lebendigen Ensemblemosaik. "Wir halten zusammen und wir fühlen uns sehr gut aufgehoben im Theater. Wir bekommen unser Gehalt, die Leitung kümmert sich um uns, wir spüren die Unterstützung auch von außen. Es ist wunderbar."
Für ein Foto noch. Der leere Platz vor dem Theater liegt vor ihr wie das Parkett einer Bühne. Sie nimmt Anlauf so wie bei einer Vorführung, sie hebt graziös ab, ihre langen blonden Haare wehen im Winterwind, dem Himmel entgegen. Ein großes Plakat hängt neben dem Theater, auf dem steht: "Sie fehlen uns! Bis bald! Hoffentlich." Ja, auch weiter tanzen, trotz allem, ist ihr Credo -Tänzerin Christina Schulz. Am 1. April ist ihr erster Auftritt 2021. Hoffentlich. Frank Blenz