Ein Leben lang auf der Suche

Alle vier Jahre hat er "nur" diesen Geburtstag, den 29. Februar. Heute feiert der Plauener Künstler Thomas Beurich seinen 60. sogar am "richtigen" Tag. Sein Jubiläum begeht der Vogtländer in besonderer Form: Mit einer Vernissage samt Geburtstagsparty in der Plauener Malzhausgalerie.

Von Frank Blenz

Plauen Der Kaffee duftet, das Terpentin in seinem kleinen Malsaal auch, beides bildet eine spezielle Geruchsmelange zur leise summenden Musik von MDR-Figaro.
Thomas Beurich sortiert einige seiner neuen Werke und ordnet nebenbei auch die Werkzeuge, Pinsel, Farbe, Staffeleien. Für die Ausstellung zu seinem runden Geburtstag machte er sich viel Arbeit, jetzt kehrt ein wenig Ruhe ein. Zeit für einen frisch gebrühten Kaffee, um dabei über die letzten Jahrzehnte zu sprechen und das, was den Maler auch künftig an- und umtreibt.
Viele Schichten
und Geschichten

Beurich hat sich einen wichtigen Platz in der hiesigen Kunstszene erarbeitet. Seine Werke sind unverwechselbar, sein Stil spannend und vielseitig. Arbeitsergebnisse, die mit enormer Hingabe entstanden, mit Geduld und Genauigkeit.
Man schaue sich allein nur aktuelle Werke an: viele Details, viele Schichten, viele Geschichten. "Wie macht der das bloß?" Die Frage stellt sich, wenn der Betrachter auf fotografisch genaue Szenen schaut. Und woher bezieht er seine Ideen?
Situationen, die teils traum- öfters auch albtraumhaft erscheinen. Beurich bildet die Gesellschaft ab, die nicht Friede-Freude-Eierkuchen ist.
Die Anfänge waren anders. In den 1990er Jahren konnte der Betrachter Beurichs Malweise relativ leicht nachvollziehen: Pinselstriche, pralle Vitalität, viel Farbe, Energie und Schnelligkeit dominierten. Mehr und mehr wurden Beurichs Arbeiten feiner, geheimnisvoller, perfekter, satter, grandioser.
Thomas Beurich wird 1960 in Plauen geboren und absolviert zunächst einen ganz normalen Werdegang: Schule, Berufsausbildung, Abitur, dann Grundwehrdienst bei der Armee. Den ersten Beruf, den er erlernt, ist der des Baufacharbeiters. "Ich Chemnitz war ich da, es war eine schöne Zeit, obwohl ich schon merkte, dass das mit dem "auf dem Bau" später nichts für mich ist, das Zeichnen und die Vielseitigkeit haben mich aber doch interessiert." Beurich lässt sich Zeit zu entscheiden wie es weiter geht, zumal vorher eh die Einberufung ansteht.18 Monate Grundwehrdienst. Und danach? "Da habe ich auch nicht richtig gewusst, was nun." Es war die Heimatstadt, die kurzen Wege, die bekannten Leute und Tipps der Eltern, sich da und dort vorzustellen, um Türen zu öffnen.
Schritte in die
neue Gesellschaft

"Ich habe den Hinweis bekommen, dass sie im Konsument-Warenhaus Leute für die Werbeabteilung suchen. Tatsächlich stellt er sich vor, wird angenommen und entwirft fortan Plakate und Schaufensterdekorationen. Doch auch dieser - sein nun zweiter Beruf mit Abschluss - füllt ihn nicht aus, er bekommt einen weiteren Tipp: "Im Theater bin ich vorstellig geworden, die hatten freie Stellen in der Malwerkstatt. Ich wurde genommen. Mein dritter Beruf."
Die Wende kam und seine Suche dauerte noch immer an. Beurich wagte in neuen Zeiten, in der neuen Gesellschaft den Schritt in die Selbstständigkeit. "Ich habe die Werbegrafik entdeckt und mich dank eines Bekannten aus Westdeutschland mit der entsprechenden Technik ausgestattet. Ich habe eine eigene Agentur gegründet und die ersten Jahre liefen gut", erinnert sich der nun 60-Jährige. Plakate, Kampagnen, Faltblätter, Logos - Beurich beherrschte alles in Sachen Werbung, Information und PR.
"Habe einiges erreicht,
anderes nicht"

Nun blickt er zurück. "Es hätte alles auch anders laufen können, ich bin froh, ich habe einiges erreicht, anderes nicht. Mir ging es mitunter auch nicht gut. Es halfen mir stets meine Eltern und mein Bruder Michael, seine Familie, Freunde", berichtet Thomas.
Mit dem anders, schlechter Laufen meint der Künstler, tatsächlich keine Bilder verkaufen zu können, keine Beachtung zu finden, keinen Weg, keinen Stil zu haben. Beurich hat seinen Stil gefunden und diesen fast schon stoisch ruhig und konsequent entwickelt. Ja, es wäre großartig, sinniert er, würde seine Bekanntheit noch weiter über die Landesgrenzen hinaus reichen. Ausstellungen in mehreren deutschen Städten hatte er doch, jüngst in Leipzig.
"Schaue auf meine
Bilder und höre in mich"

Streitbare Werke schuf er, Interesse weckte er. Vor allem auch mit dem Gemälde, das den Rechtsextremismus entlarvt - ein viel besprochenes Bild. "Das war 2012, ich habe damals schon das Thema für überaus wichtig gehalten und gewarnt", sagt Beurich, der mit seiner Anklage gegen den NSU vor allem in Zwickau aneckte.
Wäre er nicht Maler geworden, was dann? "Ich schaue auf meine Bilder, ich höre in mich und stelle fest, dass mich Geschichten und Geschichte schon immer sehr interessiert haben - vielleicht wäre ich Geschichtslehrer, Forscher oder Historiker geworden. Maler ist aber auch nicht schlecht."