Ein Katzensprung durch Europa

Plauen - Ein kulinarischer Ausnahmezustand hat seit dem Wochenende das Vogtland ergriffen. Zum 15. Europäischen Bauernmarkt im Biller-Möbelhaus pilgern nicht nur die Plauener, sondern auch die Menschen aus den umliegenden Orten, Landkreisen und sogar Bundesländern in die Spitzenstadt.

 

Obst, Backwaren, Milchprodukte, Weine, Liköre, Wurst, alles was das Herz begehrt ist hier zu finden und natürlich auch zu erschmecken. Wer bei zweistelligen Minusgraden den Weg in die Halle findet, kommt an den langen Mützen der Esten nicht vorbei. Warme Kopfbedeckung und Schal in einem ist die Idee der Nordländer. Mit typischen Mustern, bei Kindern zum Beispiel mit Bären, werden sie maschinell aber auch teilweise noch ganz von Hand hergestellt. Am Stand von Estland, der von Sieglinde Wuttke und Tochter Aline Wuttke-Saß betreut wird, sind die Mützen seit Samstag gerne gekauft worden und sind jetzt bald nur noch über eine Bestellung erhältlich. Dafür ist noch eine große Auswahl an Wachholderprodukten vorrätig. Dank der Wachholderhaine, die oft auch auf den umliegenden Inseln sind, werden aus dem Holz beispielweise Untersetzer gefertigt. Dabei ist in diesem Jahr das Katzenmotiv ganz neu. Der Duft verstärkt sich und wird noch intensiver, sobald ein heißer Topf darauf steht. Im nächsten Jahr wollen die Esten gerne selbst für eine ganze Woche zum Bauermarkt kommen, denn bisher seien sie immer von den Wuttkes vertreten worden. Die machen das zwar gerne, denn immerhin verbindet sie eine über 40-jährige Freundschaft, freuen sich aber auch, wenn Estland ganz typisch und vielleicht sogar in Landestracht präsentiert wird.

Zum ersten Mal dabei ist Thomas Prabatsch-Aichinger vom gleichnamigen Weingut. Der 20-jährige gelernte Restaurantfachmann darf in dieser Woche das Familienunternehmen in dritter Generation präsentieren. Schon jetzt helfe er fleißig mit und wolle selbst mal in die Fußstapfen der Eltern treten. Zum Bauermarkt sei das Weingut, durch Landsleute gekommen. Mehrere Vertreter des Waldviertels, einer Region in Niederösterreich, kommen schon seit Jahren zum Markt. So habe er sich diesmal angeschlossen, und die Resonanz falle bisher sehr positiv auf. ,,Ab jetzt sind wir bestimmt immer mit dabei. Wir liegen nahe der Wachau und die ist den Deutschen schon sehr bekannt", so Prabatsch. Am Weingut selbst besteht die Möglichkeit für Urlaub auf dem Bauernhof. Natürlich werden dann dort auch die leckeren Rot-, Rosé- und Weißweine der Familie verkostet. Durch den langen Winter sei in den Weinbergen jetzt viel zu tun, deshalb kam der Nachwuchswinzer alleine nach Plauen und verkauft den Zweigelt 2008 besonders gut.

Mit einem Schuss Alkohol wartet auch Kathrin Schaarschmidt vom Eiscafe Orchidee in Altchrieschwitz in diesem Jahr auf. Whisky-Eis ist ein ihrer neuesten Kreation. Für Kinder und besonders ,,Süße" ist jedoch das Honig-Eis zu empfehlen. Längere Zeit habe sie am Geschmack und der Konsistenz gearbeitet, sagt die junge Frau, die erst im Dezember geheiratet hat und vielen noch unter dem Name Hegewein ein Begriff ist. Ohne Farb- und Konservierungsstoffe ist es ein zu 100 Prozent selbstgemachtes Eis. Außerdem verwende sie ausschließlich Honig aus der Region dafür. Und da dieser gerade knapp zu werden scheint, sei es ihre Hommage an die Imker. Ab dem Wochenende öffnet das Eiscafe auch wieder seine Türen. Sobald die Sonne warm genug strahlt, wird auch die Terrasse hinterm Haus in Betrieb genommen. Dort kann sich der Gast dann eine Auswahl ihrer über 80 verschiedenen Eissorten, dem hausgebackenen Kuchen, den verlockenden Desserts oder dem Rumtopf schmecken lassen.

 

Weiß und rund, jedoch keine Kugel, ist der kleine Franzose von Annette Meißgeier aus Langenbach bei Mühltroff. Der Camenbert bekommt sein Aroma durch französische Holzasche. Zum zweiten Mal ist sie auf dem Bauernmarkt mit ihrer Ziegenkäsevielfalt vertreten. Schnitt-, Hof- und Frischkäse, Joghurt, Speisequark und auch Milch können die Kunden ganz frisch mit nach Hause nehmen. Leberwurst und Salami vom Hof gab es schon im letzten Jahr. Ganz neu ist die Möglichkeit zum Erwerb von Zickenfleisch, was schon die ersten Interessenten neugierig gemacht habe. Schinken vom Schwein hingegen ist eine der Spezialitäten aus Frankreich. Lulu Terraillon ist zum vierten Mal dabei und begrüßt seine Kunden am Stand gerne persönlich. Beim Übersetzen und Verkaufen helfen Schülerinnen aus Plauen. Sie waren es auch, die den ,,Chambon" zur Verkostung bei der Jury vorschlugen. sr