Ein Gentleman steckt Krokusse

Lucas Schiefer ist ein wahrer Gentleman für alles, was kreucht und fleucht in der Natur. Am Sonntag wird der junge Imker auf einer Wiese am Auerbacher Feuerwehrplatz mit Gleichgesinnten 2000 Krokuszwiebeln stecken: Damit die Wildbienen im Frühjahr Nektar tanken können.

Von Cornelia Henze

Auerbach Sein Markenzeichen auf der Internetplattform Facebook ist der schwarze Zylinder und das Pseudonym "Bee Gentleman". Ein doppeldeutiger Name, der so viel sagt wie: Gentleman sein für Bienen. Der Name ist bei dem 29-jährigen Krankenpfleger Programm. Seit zwei Jahren hält er sich im Garten einer Auerbacher Gartensparte Bienenvölker und ist somit in die Welt der Bienen eingetaucht. Dran bleiben am Hobby müsse man, viel Zeit investieren und viel lernen, sagt der Auerbacher. Durch die Arbeit mit den Insekten erweiterte er seinen Blick zu den Wildbienen. 560 Arten von diesen gebe es in Deutschland, gut die Hälfte stehe auf der Roten Liste, ist vom Aussterben bedroht. Und das unter anderem, weil es zu wenig Nahrung für sie gibt. Da ist zum Beispiel die Hummelkönigin, die sich - im Unterschied zur Honigbiene - schon im Februar auf Nektarflug begibt. Und hier kommt des Gentlemans Blühwiesen-Idee ins Spiel. Über Facebook machte er mobil, suchte Sponsoren für die Ankauf von Blumenzwiebeln. "Viele waren sehr aufgeschlossen für das Projekt", freut sich Lucas Schiefer über zusammengekommene 140 Euro. Über Absprachen mit Sabine Schlosser vom städtischen Grünflächenamt kam auch der Kontakt zur Rebesgrüner Gärtnerei Eberhardt zustande. 2000 Krokuszwiebeln hat der Gentleman für das Sponsorengeld bei der Gärtnerei gekauft. Dabei hat die Firma Eberhardt einen guten Preis gemacht und einiges selbst mit obendrauf gelegt. Bedingung für eine Blühwiese sei, dass sie nicht zu oft gemäht werde. Deshalb, und auch wegen der Kürze der Zeit, fielen die Wunschorte Hofaupark oder Schraderpark zugunsten der Wiese am Feuerwehrplatz vorerst weg.
Dabei stellt der Gentleman klar: "Im Fokus steht bei der Krokuswiese nicht das schöne Aussehen, sondern die Nahrung für Insekten." Will heißen: Der schöne Anblick der gelb und lila leuchtenden Frühblüher fürs menschliche Auge ist nur ein Nebeneffekt.
Wichtig ist der Nektar, den der Krokos in der Blüte trägt. Gerade im zeitigen Frühjahr, schon ab Februar, fehle es an Nahrung für Wildbienen. Der Krokus ist einer der wenigen Frühblüher, der das Überleben der Bienen sichert - zudem ist er pflegeleicht, mehrjährig und vermehrt sich schnell.
Mit etwa 20 Helfern, die diesen Sonntag ab ab 15.30 Uhr, die Zwiebeln die Wiese am Feuerwehrplatz eingraben, rechnet der Bienengentleman. Er selbst ist mit seiner Familie natürlich vor Ort und bringt selbstgebackenen Kuchen zu Kaffee und Kakao mit.
Dass Menschen, darunter viele junge, wieder mehr über Natur- und Klimaschutz nachdenken, findet Lucas Schiefer super. Nur dürfe das Klima-Engagement nicht zu sehr ins Extreme verfallen, so des Gentlemans Kommentar zu den "Fridays for Future"-Demos, an denen er übrigens nicht teilnimmt. Seine Devise: Selbst was anpacken. Denn Engagement fängt ganz unten beim Bürger an.
"Unsere Gewässer sind sauber, die Monokulturen in den Wäldern nehmen ab. Wir sind auf einem guten Weg", sagt der Bienen-Gentleman, der schon Pläne schmiedet, einen Bienenlehrpfad eines Tages anzulegen.