"Egolaut" erobert Bühnen des Landes

Fünf Tage lang hat ein besonderes Festival die Kulturwelt Plauens fasziniert. Mit Unterstützung des Dachverbandes Stadtmarketing und des veranstaltenden Kulturzentrums Alte Kaffeerösterei hatten Sascha Stiehler und vor allem Antonio Lucaciu Plauen ein eigenes Musikfest gegeben. Am Sonntagabend standen beide mit Bandkollegen selbst auf der Bühne.

Plauen - Das ausverkaufte Vogtlandtheater war Schauplatz dieses Abschlusskonzertes des Egolaut-Festivals, dessen Name schon einmal einen Blick in die Zukunft des musikalischen Wirkens der beiden Protagonisten wirft, denn ab dem kommenden Jahr werden die beiden mit ihrer Band genau unter diesem Namen die Bühnen der Republik erobern.

Vor diesem Bekenntnis seitens Antonio Lucaciu erlebten die Besucher beinahe dreieinhalb Stunden tolle Musik und großartige Klangkunst. Den Auftakt bildete eine einstündige Session mit June Cocó und ihrer Band. Die junge Frau stellte ihr Album "The Road" vor, das komplett auf englisch gehalten ist und Aufbruchstimmung verkörpern soll. Das Ensemble bot überaus hörenswerte Weltmusikanklänge - am ehesten im Stile, der zwischen Axel Vollenweider und Carolin No angesiedelt ist.

Die Sängerin mit dem extravaganten Federnkopfschmuck und einer chinesischen Winke-Katze als Talisman auf dem Digitalpiano, bot mit schöner klarer Stimme ihre Lieder dar und beherrschte auch optisch die große Bühnengeste. Mit dem Lied "Letter" forderte sie die Besucher auf, doch wieder mal einen Brief zu schreiben - es sei ein schönes Gefühl, dies zu tun. Selbst an einen alten Beatles-Song kleidete sie mit ihrer Band in ein neues Gewand und keiner im Publikum erkannte ihn.

Musikalisches "Coming Out"

Nach einer Pause traten dann Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu mit ihrem "Gefolge" auf die Bühne - das da bestand aus Dominique "Gaga" Ehlert, dem Bassisten Jacob Müller und dem jungen Gitarristen Bertram Burkert. Moderator Ryo Takeda brachte sich als Rezitierender in den Abend ein und mit Charley Ann Schmutzler, der Siegerin der letzten "Voice of Germany"-Staffel, und dem Erfurter Rapper Norman Sinn hatte man auch noch zwei richtig starke "Special Guests" mit dabei.

Auf die Bühne stellten die Musiker ein Feuerwerk von hochkarätigen Klängen - Stiehler an den Tasten der Pianos, Lucaciu am Saxophon und als Entdecker der eigenen Stimmkraft. Bekanntes Soundmaterial war zu hören und kaum einer im voll besetzten Auditorium konnte die Beine oder die Finger still halten. Die Bühne war in verschiedenste Farben getaucht - mal in kaltes blau-grün, mal in herbstliche Orange-Töne, mal in knalliges Rot. Einer der Höhepunkte des Konzertabends waren ohne Zweifel die beiden Lieder, die Charley Ann Schmutzler darbot - für sie bilden einige der sonntäglichen Bühnenakteure den gekonnten Klangbett- Background.

Zu lachen gab es auch einiges - beispielsweise wenn Stiehler aus Musiker-Persönlichkeitsproblemen heraus seine Ambitionen als "Künstlerischer Leiter" zu arbeiten, in launige Geschichten packte oder in bewährter Weise die Tonschnipsel seiner Großmutter ins Programm einfließen ließ. Immer wieder sorgten die Trommel-Soli von "Gaga" Ehlert für fulminante und lautstarke Momente. Am späteren Abend folgte dann das musikalische "Coming Out" der Band, die künftig unter dem Namen des von ihren Protagonisten initiierten Festivals als "Egolaut" unterwegs sein wird.

Dabei soll Antonio Lucaciu am Mikrofon und weniger am Saxophon zu erleben sein - seine Stimme soll die der Band sein. Dass dieser Weg durchaus ebenfalls erfolgreich werden kann, zeigte sich an der ersten Zugabe des Abends, als Lucaciu Hildegard Knefs "Ich bin zu müde, um schlafen zu gehen" mit seinen Bandkollegen hörenswert mit einer zwischen Fragilität und Urkraft schwankenden Stimme interpretierte. Dann aber griff er doch noch einmal zum Saxophon - sehr zur Freude seiner Fans, die gleich mehrfach mit Standing Ovations die jungen Musiker feierten.