"Effie Briest" im Vogtlandtheater vorgestellt

"Der Nebel hockte in den Zweigen, als an jenem 27. November der Rittmeister Baron Ardenne den Amtsrichter Emil Hartwich niederschoß. Doch was da im Morgengrauen geschah, dass hieß im Jahre 1886 nicht etwa Mord; man nannte es Duell und es war die übliche Form, in der ein preußischer Offizier seine Konflikte löste.

 

Hartwich hatte sich mit Elisabeth von Ardenne befreundet, mit der er die Neigung zur Malerei und zum Theaterspiel teilte..." ist im Nachwort von Theodor Fontanes Roman "Effi Briest" zu lesen. Der wenig charmante rheinländische Ehemann Elisabeths durchsuchte argwöhnisch den Raum seiner Gattin, fand in einer Kassette intime Briefe, damit einen Grund zur Scheidung, Rechtfertigung im Duell mit dem ehemaligen Freund und letzten Endes - als angemessenes Strafmaß für die Mutter - den Entzug der Kinder. Die Ehre des Herrn von Ardenne war damit wieder hergestellt! Ein Schicksal, das vergessen wäre, hätte nicht eben der - neben Heinrich Heine - bedeutendste deutsche Erzähler Theodor Fontane in dieser Geschichte den Stoff für einen seiner schönsten Romane gefunden: "Effi Briest".

Der 1819 in Neuruppin geborene Fontane stammte aus einer Hugenottenfamilie (französische Protestanten). Zunächst war er ein Apotheker, später Kriegsberichterstatter und von 1870 bis 1889 Theaterkritiker bei der "Vossischen Zeitung" in Berlin. In seinen großen realistischen Gesellschaftsromanen, "Der Stechlin" oder "Effi Briest", greift er als Sozialkritiker vehement die Dekadenz und den fragwürdigen Sitten- und Ehrenkodex innerhalb der Standeshierarchie an. Selbst sagt er über sein Werk: "Effi Briest ist im besten Sinne eine Geschichte nach dem Leben." Heinrich Mann bezeichnet es als "das gültige, bleibende Dokument einer Gesellschaft, eines Zeitalters..."

Fontane verlegte den Schauplatz seines Romans ins Märkische und Pommersche, änderte die Namen und Charaktere seiner Protagonisten in Baron von Instetten, Effi Briest und Major von Crampas und befürchtete trotzdem auf einer "Indiskretion ertappt zu werden", so nahe ist seine Geschichte den realen Ereignissen. "Effi Briest", ein Stoff, der schon mehrfach als Drama und als Verfilmung (DDR 1968, mit der grandiosen Angelika Domröse, zuletzt mit Julia Jentsch (Sophie Scholl) und Sebastian Koch) zu sehen war, wird in der Fassung von Tim Heilmann am Samstag, 21. November, Premiere haben.

Wie gewohnt, wurde in einer Martinee am gestrigen Sonntag im Großen Haus des Theaters Plauen das Stück vorgestellt. Angelina Häntsch (Effi Briest) und Johannes Lang (Baron von Instetten) beschrieben anhand diverser Texte die Charaktere, Gedanken und Gemütszustände der Personen, die sie darstellen werden. Tim Heilmann, dem auch die Regie der Inszenierung obliegt, und Marion Hauer, die für die Ausstattung verantwortlich zeichnet, stellten ihrem Publikum die Interpretation des Stückes vor.