Edle Seife ist Verkaufshit

Drogerie Prohaska in Klingenthal ist auch in den Zeiten der Corona-Krise für die Kunden da. Verkaufsschlager ist die Designseife, hergestellt auf natürlicher Basis, und Klopapier.

Von Helmut Schlangstedt

Klingenthal "Da kommt gleich noch ein Stoß!", ruft Oliver Grimm am Donnerstagnachmittag, als er die neueste Ausgabe des Klingenthaler Amtsblattes im Geschäft von O. M. Prohaska abliefert. Gefühlt mindestens einen halben Zentner Zeitungen sind das, denn die meisten anderen seiner sonstigen Auslagestellen sind geschlossen.
Das Prohaska-Geschäft ist eines der ganz wenigen, die geöffnet haben dürfen, denn mit Drogerieartikeln, das heißt Reinigungsmitteln, Körperpflegeartikeln, Kosmetik und mehr sowie einem Vollsortiment an Zeitungen und Zeitschriften führt es ein Grundbedarfssortiment. Freuen über dieses "Privileg" kann sich Inhaberin Rosemarie Steinel aber überhaupt nicht so recht. Trotz Öffnung und guter Geschäftslage im Zentrum habe sich die Kundschaft etwa halbiert. Vor allem ältere Leute blieben zu Hause, wofür sie volles Verständnis hat.
Gewissermaßen als Beweis zeigt sie am späten Samstagvormittag auf den immer noch beachtlichen Stapel Amtsblätter: "Normalerweise ist mein Kontingent um diese Zeit weg. Und sogar die Bild-Zeitung ist heute noch übrig!"
Während sie erzählt, kommt ein versprengter Kunde und kauft einige Zeitschriften, einer von der Handvoll, die sich an diesem Samstag blicken lassen.
Auch der Umsatz habe sich drastisch reduziert, denn das ganze Frühjahrsgeschäft falle aus. Üblicherweise würde um diese Zeit alles zum Renovieren gekauft und selbstredend alles Mögliche rund um Ostern. Doch wirklich mit allem sei in diesem Jahr Sabbat.
Eigentlich könnte sie zusperren, sagt Rosemarie Steinel, doch das will sie vor allem wegen ihrer treuen Verkäuferin Carmen nicht. Die könnte sie natürlich in Kurzarbeit schicken, doch was bekäme die dann noch für Geld? "Das will ich ihr trotz des Umsatzrückgangs wirklich nicht antun, da trete ich lieber mal ein bisschen kürzer", meint Rosemarie, die sich selbstredend schon mal über mögliche Unterstützungen kundig gemacht hat, sowohl bei ihrem Steuerberater als auch sich selbst.
"Die einzige Förderung, die ich bekommen könnte, wäre ein Sofortkredit, doch was nützt der und von welchem Geld, das man nicht hat, soll man den denn bitteschön zurückzahlen?", konstatiert die gelernte Drogistin und denkt auch an die anderen kleinen Selbstständigen im Ort.
"Dieses sogenannte Hilfsprogramm soll sich die selbstbeweihräuchernde Regierung ans Knie nageln. Geschenktes Geld, was jetzt dringend gebraucht wird, kriegen wie immer nur die Großen, wie etwa die Lufthansa. Ein Schelm, der etwas anderes gedacht hat. Ich bin stinksauer auf diese Regierung!", ereifert sich Rosemarie wie Rumpelstilzchen wortwörtlich, die trotz allen Unmuts ihren Humor aber noch nicht verloren hat.
So hätte ihre Carmen jüngst zwölf Pack Toilettenpapier bestellt, dabei allerdings übersehen, dass ein solcher Pack wiederum zwölf Packungen Papier enthält, in der Summe also 144 Packungen. Normalerweise reiche so eine Menge bis in die Steinzeit. "Siehst du da oben auf dem Regal? Das ist die letzte Packung!", lacht sie wieder. Die Leute sitzen wahrscheinlich nur vor dem Fernseher und essen oder kochen und backen, meint sie mit Blick auf die menschenleere Hauptstraße. Und das müsse ja alles wieder mal raus, zeigt sie vielsagend wieder auf die Packung Papier oben auf dem Regal.
Ganz neu im Angebot hat Rosemarie derzeit übrigens handgemachte Designseife in verschiedensten Ausführungen, nur aus natürlichen Zutaten, mit ätherischen Ölen als Duftstoffen und obendrein rein vegan und sehr gut auch als hübsches Geschenk geeignet. Gewissermaßen als Testballon zunächst in begrenztem Umfang bestellt hätte sich diese Seife gegenwärtig zum Verkaufsschlager entwickelt, von dem sie gar nicht mehr so viel hätte. Außerdem sei feste Seife besser als flüssige, da diese länger brauche, bis sich auflöst und man sich so ganz automatisch die Hände länger wäscht. Spricht's und sperrt ihren Laden wie immer um zwölf zu. Ein Stück Normalität in unnormalen Zeiten.