Edle Scherenschnitte im Vogtlandkonservatorium

Plauen - Esther Shilo aus Haifa präsentiert derzeit im Vogtlandkonservatorium Plauen zwei Dutzend jüdische Scherenschnitte, eine Kunstform, die ihren Ursprung in China hat.

 

Man mag es kaum glauben, dass so fein und zart Stück für Stück aus einem Blatt Papier geschnitten werden kann, ohne dass dieses auseinanderfällt. Der jüdischen Scherenschnitt-Künstlerin Esther Shilo gelingt dies dank einer ausgesprochen ruhigen Hand, mit viel Geduld und einem großen schöpferischen Talent. Das Blatt Papier entfaltet nach einem sorgsamen Schöpfungsprozess ein Bild voller Grazie, schlicht in Schwarz auf weißem Untergrund.

Eine imposante Auswahl ihrer Arbeiten zeigt Esther Shilo nun in Plauen im Vogtlandkonservatorium über zwei Etagen. Es ist ihre erste Ausstellung in Deutschland, zustande gekommen auf Einladung durch die Stadt Plauen, erläuterte Rafael Wertheim, der Laudator zur Vernissage und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Chemnitz. "Im vergangenen Jahr zur Gedenkfeier anlässlich der Kristallnacht 1938 am alten Standort der Plauener Synagoge nahe der Friedensstraße wurde die Einladung ausgesprochen", sagte Wertheim. "Dass Frau Shilo hier ist, ist wunderbar. Kaum dass wir darüber gesprochen haben und schon stellt sie in Plauen aus", meinte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer erfreut und zudem sehr beeindruckt von der feinen Schnittkunst der israelischen Künstlerin: "So was Schönes!"

 

In der Tat. Motive aus der jüdischen Geschichte und die Verarbeitung von Symbolen wie dem Baum oder den Leuchter Menora sind ebenso zu sehen wie die Klagemauer in Bethlehem - fast zerbrechlich wirkend und schützend eingerahmt. "Ich nehme für meine Arbeiten stets oxydationsfreies Spezialpapier, welches ich in schwarze Tusche tauche und getrocknet mit einer schlichten Fingernagelschere bearbeite", verriet die Künstlerin im Gespräch. Auf die Frage, ob sie schon mal "daneben geschnitten" sprich Ausschuss produziert habe, lächelt die Künstlerin: "Ich habe noch kein einziges Blatt verloren." Seit 2003 widmet sich Shilo speziell dieser Kunst, vorher waren die Malerei, das Töpfern, die Bildhauerei und keramische Werke Steckenpferd der Israelin.

 

Beruflich ist die Künstlerin als Technische Sekretärin tätig gewesen. Inzwischen gilt sie als eine Art Scherenschnitt-Genie, die sogar in China, dem Scherenschnittgeburtsland, ausstellte. Ihre Kunst, ihr Können und ihre sanfte Geduld und Ruhe vermittelt sie in ihrer Heimat besonders gern in Kursen für Kinder und Jugendliche. Und auch in Plauen wird sie dies vermitteln. Am Sonntag 16 Uhr findet im Vogtland-Konservatorium ein Workshop statt. Anmeldungen sind erbeten. F. Blenz