e.o. plauen-Förderpreis für Renate Wacker

Renate Wacker erhielt am Freitag den e.o.plauen-Förderpreis. Im Plauener Vogtlandmuseum, wo auch die Ausstellung der 1977 in Neubrandenburg geborenen Preisträgerin eröffnet wurde. Der Preis, zu dem auch eine silberne Zeichenfeder gehört, ist mit 2500 Euro dotiert. Zudem trug sich Renate Wacker ins Gästebuch der Stadt Plauen ein.

Plauen - Sehr ernsthaft, eigenwillig und auf sympathische Weise bemüht, stellte Renate Wacker ihre große Plauener Ausstellung vor. "Furcht ist ein schlechter Begleiter", so der mehrfach programmatische Titel. Damit drückte sie das bekannte, laute Pfeifen im Wald in Worten aus. Setzen doch ihre buchkünstlerischen Arbeiten "universelle menschliche Erfahrungen wie Angst, Bedrohung und Gewalt" ins Bild, wie es im Text der Preisträgerurkunde formuliert wird. Also durchaus Fürchterliches, Bedrohliches, Unheimliches. Sich davor zu grausen, ist verständlich, aber ein schlechter Begleiter.

Die Meisterschülerin für Illustration ließ das Publikum einen Blick in die sehr intimen Bereiche ihres künstlerischen Schaffens werfen. "Kunst ist kein Spaß", so ihre Erkenntnis. Sie grenzte sich damit ab gegen die allgegenwärtige Spaßgesellschaft und deren allein seligmachenden, grinsenden Dauerzustand. Meist im abgedroschenen Satz gipfelnd: Das hat mir viel Spaß gemacht. Doch so einfach ist die Sache nicht. Vor allem Kunst, die es ernst meint mit den Bedrohungen unserer Existenz, sei es im Individuellen oder Allgemeinen, sei durchaus nicht immer lustig. Sie sei nicht zuletzt harte, einsame Arbeit. Renate Wacker formulierte das bündig und nüchtern statistisch: "Bei 100 Versuchen ist ein gutes Blatt dabei." Da schnappt manch Fließbandkunstproduzent nach Luft. Nicht zuletzt bedarf der Künstler des Mutes, um immer wieder den Wettkampf mit dem schlimmsten Gegner, den Kampf mit sich selbst aufzunehmen und zu bestehen.

"Furcht ist ein schlechter Begleiter"

Renate Wacker sagte solche durchaus auch theatralisch wirkenden Sätze mit großer Schlichtheit und Glaubwürdigkeit. Und auch der Dank, den sie an die e.o.plauen-Gesellschaft, die Stadt Plauen, die Jurymitglieder und nicht zuletzt ihre anwesenden Eltern richtete, war keine Floskel. Dies kam aus tiefstem Herzen. Der Preis sei "wie ein Stoß neuer Energie" für sie gewesen. Es ist gut zu wissen, dass diese Würdigung einer jungen Frau zuteil wurde, deren künstlerische Weiterentwicklung so große Hoffnungen weckt.

Der Titel der Ausstellung nimmt nicht nur Bezug auf die von Dämonen oder grausamen Bären bevölkerten Märchenwelten und Mysterien, die Renate Wacker im Bild zu bannen versucht. Der Satz versteht sich auch als Selbstzuspruch. Heines Doktrin fordert auf: "Schlage die Trommel und fürchte dich nicht!" Bei Renate Wacker ist, nach eigenem Bekunden, "Furcht auch ein schlechter Begleiter", wenn sie vor dem noch weißen Blatt sitzt.

Tapfer stellt sie sich ihren Bedrängnissen, aus denen sich ihre Themen speisen. Illustriert, noch als Diplomarbeit, Undine, das romantische Märchen von la Motte Fouqué. Wo zum traurigen Schluss Undine ihren Huldbrand weinend zu Tode küsst. Immer wieder ist es auch die Hilflosen gegenüber ausgeübte Gewalt, die sie ins Bild zu bannen (und damit zu bewältigen?) sucht. So in Das Meretlein, einer Episode aus Gottfried Kellers Grünem Heinrich. Dem Kind soll der Eigensinn ausgetrieben werden; dies macht Renate Wacker hellhörig und fordert sie heraus. Oder Mascha und der Bär. Die Künstlerin interpretiert das Märchen neu, thematisiert die Gewalt gegen ein Kind und befreit die Geschichte von jeglicher Idylle.

Laudatio und Geräusche von Vögeln

Ihre zeichnerisch-grafische Gestaltung zeigt Parallelen zur Kinderzeichnung, was nicht täuschen sollte. Höchste Verknappung, bewusst gewählte Bildausschnitte, genau kalkulierte Farbgebung und das Beherrschen des grafischen Instrumentariums machen ihre Kunst unverwechselbar. Ein Besuch der Ausstellung (Vogtlandmuseum Plauen; bis 27. Oktober, Dienstag bis Sonntag: elf bis 17 Uhr) ist sehr zu empfehlen. Als Laudatorin hörten wir Yvonne Kuschel, gebürtig aus Danzig und Dozentin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Sensibel ging sie auf Renate Wacker ein, erzählte zum Beispiel, dass diese schon früh am Morgen in der Hochschule am Klavier improvisierte.

Ralf Oberdorfer, Plauens Oberbürgermeister, führte durch das Programm. Er begrüßte zahlreiche Ehrengäste. Dabei versicherte er kurz vor der Wahl einem der anwesenden Bundestagskandidaten, ihm "die Daumen zu drücken"; was - zumal bei der Konkurrenz - nicht nur Zustimmung fand. Für ungeteilte Heiterkeit hingegen sorgten drei junge Männer: Moritz Spranger, Lukas Heckers und Sven Lerchenberger. Improvisiertes Trommeln steuerten sie bei, dazu Geräusche von Vögeln und anderem Getier. Amüsant.