e. o. plauen als Kinderfreund & Zeichenmeister

Stets Neues beisteuernd, Überraschendes präsentierend und das Haus in den Mittelpunkt lohnender Betrachtung stellend - so geriet auch die neue Ausstellung im Plauener Erich-Ohser Haus zum Ereignis. Ihr Thema: Erich Ohser alias e. o. plauen als "Kinderfreund & Zeichenmeister".

Von Lutz Behrens

Plauen Fast 90 Minuten widmete das mdr-Fernsehen unlängst dem Vogtland. Viele werden es gern gesehen haben. Schwelgerische Aufnahmen aus der Luft, eine Landschaft zeigend, von der man nur ahnte, dass sie so einladend und traumhaft sein kann. Dann Plauen; im engen Framo immer wieder den Altmarkt umkreisend, auch vorbei am Erich-Ohser-Haus. Axel Bulthaupt kommentiert: "Hier in Plauen verfasste Erich Ohser seine legendären Vater-und-Sohn-Geschichten." Wer hat ihm das wohl in seinen Text geschrieben? Stimmen tut‘s jedenfalls nicht.
Die Fakten: 1909 zieht die Familie Ohser aus Untergettengrün (bei Adorf) nach Plauen. Erich war gerade mal sechs Jahre alt. Nach der Volksschule machte er in Plauen eine Schlosserlehre. Danach Studium in Leipzig, später Berlin, wo er sich ab 1934 drei Jahre lang jede Woche seine Vater-und-Sohn-Geschichten für die Berliner Illustrirte Zeitung ausdenkt und in schlanke Bilder setzt. Unter dem Pseudonym e. o. plauen, was die Nazis dem einstigen Vorwärts-Karikaturisten abverlangten.
Nicht ahnend, dass die Bildergeschichten Erich Ohser zu deutschlandweitem und nach seinem Freitod in Gestapo-Haft (1944) zu Weltruhm verhelfen sollten, als: Kinderfreund und Zeichenmeister. So auch der Titel der aktuellen Ausstellung im Ohser-Haus, die am Freitag eröffnet wurde (und bis zum 30. März des nächsten Jahres zu sehen sein wird).
Es sind nicht nur die Bildergeschichten von Vater und Sohn, die uns den Kinderfreund Ohser erkennen lassen. Die geradezu mit Händen zu greifende Kinderfreundlichkeit spricht aus jedem Foto, das uns von einem stolzen Vater Erich und seinem Sohn Christian überliefert ist. Wir freuen uns mit dem blonden Knaben Christian, der strahlend und begeistert zu seinem Vater aufschaut, und den wir, viele Jahre später, soigniert, elegant und den Menschen zugewandt, noch haben kennenlernen können.
Da sehen wir die kraftvollen Akte, aussagekräftigen Porträts und das Wesen einer Landschaft erfassenden Darstellungen, die den Zeichenmeister Ohser repräsentieren.
Hinzu kommen Vitrinen, deren Ausstellungsobjekte uns Unglaubliches erzählen. So offerierte ein Museum in Nottingham dem Ohser-Haus das Foto zweier Vater-und-Sohn-Puppen. Die Puppen gehörten Sigmar Berenzweig, einem jüdischen Jungen, im selben Jahr geboren wie Christian Ohser. Sigmar gehörte zu den rund 10 000 jüdischen Kindern, die ab 1938 in Kindertransporten das lebensrettende Großbritannien erreichten. Ihre Eltern sahen die meisten nicht wieder, da diese von deutschen Herrenmenschen in Konzentrations- und Vernichtungslagern vergast, erschlagen, erschossen, durch medizinische Experimente zu Tode gebracht oder auf mannigfache andere Weise viehisch ermordet wurden. Sigmar hatte die Puppen in seinem Gepäck, obwohl Spielzeug mitzunehmen nicht erlaubt war.
Kuratorin Dr. Elke Schulze führte in die Ausstellung ein. Sie hatte ihre Rede in zwei Abschnitte gegliedert. Den Auftakt dazu bildete, wie so oft, ein Musikstück. Dafür zuständig Frank Gareis. Soloklarinettist am Philharmonischen Orchester am Theater Plauen-Zwickau (das ab 18. Oktober den Namen Clara-Schumann-Philharmoniker Plauen-Zwickau tragen wird). Er eröffnete mit dem Kinderlied "Schlaf, Kindlein, schlaf" auf der Klarinette und verfremdete es zu einer Klezmer-Melodie.
Zwischen den Redetexten hörten die Gäste auf dem Saxophon "Zauberland", einen Song von Rio Reiser; extra für die Ausstellungseröffnung vorbereitet. Und am Schluss gab's dann noch das Pink-Panther-Thema auf der Klarinette.