"Dynamite" im Testbetrieb

Kein Kreischen. Kein Rattern. Nur ein sanftes Surren. In Nullkommanix saust der Wagen durch das Looping und verschwindet aus dem Gesichtsfeld. Die Passagiere: Acht blaue Plastik-Kameraden testen die neue Fahrattraktion im Freizeitpark Plohn - den "Dynamite". Eine Investition von fast 6,5 Millionen Euro.

Von Cornelia Henze

Plohn - Fast mutet dem Testlauf, der am Mittwoch begann, etwas Geisterhaftes an. Keine lauten Fahrgeräusche, wie man sie etwa von der Holzachterbahn El Toro kennt, durchdringen den Park. Auch fehlen die hysterischen Schreie derer, die gerade in 40 Meter Höhe, 45 Sekunden kurz und mit Tempo 100 einen einzigartigen Adrenalinkick erleben. Die 500 Meter lange Bahn, auf deren Gelände bis voriges Jahr noch die Silvermine stand, wird von einem Bauzaun aus Draht umgeben. Die Wege sind noch voller Schlamm. Der Aufgang zur neuen Plohnpark-Attraktion steht noch voller Baumaterial. Eine Baustelle. Zur Parkeröffnung am 18. April (Gründonnerstag) soll alles weg, alles schick sein. "Mit Dynamite gehen wir erst im Mai an den Start. Die Einweihung parallel zur Saisoneröffnung ist nicht zu schaffen", sagt Jan Völkel, Juniorchef im Freizeitpark Plohn. Seit Januar setzt die Truppe von Mack Rides die Elemente, die zuvor am Mack-Rides-Stammsitz im badischen Waldkirch gebaut wurden, nun vor Ort zusammen. 250 Tonnen Stahl stecken in den 54 Schienenelementen und 75 Stützen, die vom Fundament - gebaut vom VSTR Rodewisch - getragen werden. 
Supervisor Thomas Nopper lächelt, als die Sprache auf den vogtländischen Winter kommt, der schon mal für ein paar unwirtliche Bautage und etwas Bauverzug sorgen kann. Aber schließlich sind die sonnenverwöhnten Badener diese Winter schon bekannt: Mack Riders baute in Plohn schon die Familienachterbahn Miniwah, die Wildwasserbahn und Floßfahrt. Diesmal geht es einen ganzen Zacken wilder zu. Gleich zu Beginn zieht der Acht-Sitz-Wagen einen steilen Lift 36 Meter hoch, um dann mit 100 Sachen 40 Meter in die Tiefe zu rauschen - dort liegt der tiefste Punkt der Bahn. Nun folgen Effekte, wie ein halber und der ganze Looping, es geht durch die Helix und der Fahrgast wird im "Zero Groll" in 360 Grad durch die Schraube gedreht. Ein Gefühl von "Jetzt-heb-ich-gleich-ab", man nennt es auch Schwerelosigkeit, spüren die Passagiere in der Twisted Airtime.
Viele Male hat Jan Völkel den fast identischen Coaster, der in Holland steht, getestet. "Der in Holland ist länger, unserer höher und schneller", sagt Völkel, der das Fahrgeschäft auf die Bedingungen in Plohn abgestimmt hat. Optisch erhalten geblieben ist der alte Silvermine-Bahnhof - auch einige Bahnen der Vorläufer-Bahn hat man als Erinnerung an diese zur Deko stehen lassen. Völkel hofft, dass Dynamit Coasterfans aus ganz Deutschland und Europa nach Plohn zieht und die Besucherzahl von den gängigen 300 000 pro Jahr um noch 50 000 Gäste mehr nach oben geht. Die müssen - voraussichtlich ab Start von Dynamite im Mai - ein höheres Eintrittsgeld in Kauf nehmen. Von 27 Euro steigt der Preis auf 29 Euro (Erwachsene) und für Kinder von 24,50 auf 26 Euro.