Durststrecke bedroht Existenz

Es geht ums Geschäft: Margitta Voigt und Kathrin Schaarschmidt haben Sorgen. Die Sanierung der Möschwitzer Straße lässt die Kundschaft in den Geschäften der beiden fern bleiben.

Plauen - "Die Sperrung der Straße nach Möschwitz in Richtung Talsperre Pöhl macht uns als Gewerbetreibende hier merklich zu schaffen", sind sich Kathrin Schaarschmidt und Margitta Voigt einig. Die beiden Frauen betreiben das "Eiscafé Orchidee" und den "Tante Emma Laden" an der Schrödelstraße.

Kathrin Schaarschmidt spricht von bis zu einem Drittel Umsatzeinbußen durch die Straßensanierung. "Das hat schon voriges Jahr im September begonnen. Doch in diesem Jahr betrifft es die komplette Saison. Gerade im Sommer wird nun mal das meiste Eis gegessen." Es fehlten tagsüber die Kunden, die hier vorbei an die Pöhl gefahren sind. Die, die einen spontanen Abstecher ins Eiscafé gemacht haben, aber auch diejenigen, die sich regelmäßig am Wochenende Eisbecher für die Familie geholt haben und beispielsweise in Jocketa wohnen. Sie alle blieben aus, denn die Umleitung sei für den Eistransport nach Hause zu lang, und die spontanen Kunden fahren die Straße ja nicht mehr. Noch schlimmer werde es dann in den Ferien. "Für viele gehörte das Eis auf dem Weg zur Talsperre dazu", weiß die Eiscafé-Besitzerin. Zwar versucht sie mit aller Kraft und Ideenreichtum weiter zu machen, doch auch sie musste sich über Einsparungen Gedanken machen und die betrafen das Personal. Eine Kellnerin wurde entlassen. Nun packen alle anderen, vor allem ihre Mutter, umso mehr mit an.

Ähnliche Probleme hat Margitta Voigt vom benachbarten Geschäft. Ein kleiner Laden mit allen möglichen Artikeln, von Drogeriewaren bis zu Pflanzen führt sie hier seit Jahren. Sie spürte bereits im Winter den Rückgang, doch auch das Ausbleiben der Sommergäste geht nicht spurlos an ihr vorbei. "Die Urlauber von der Pöhl kauften bei mir immer alle möglichen Schwimm-Utensilien, vom Schwimmreifen über Wasserball bis hin zu großen aufblasbaren Tieren oder einem Paddelboot. Das alles habe ich mir dieses Jahr gar nicht erst ins Lager gelegt, weil ich weiß, dass ich es nicht verkauft bekomme. Bereits im vergangenen Jahr war das zu spüren. Wie wir kleinen Geschäfte so lange Bauphasen überleben sollen, interessiert leider niemand von den Verantwortlichen. Hier geht es wirklich um die Existenz", so die Inhaberin.

Die Sperrung ist in diesem Jahr bis November geplant. Doch haben beide Geschäftsfrauen die Befürchtung, es könne im nächsten Jahr weiter gehen. Kathrin Schaarschmidt fasste zu Ostern den Entschluss, ein Schild an der Kreuzung Ecke Dresdner Straße mit der Aufschrift "Eiscafé geöffnet" aufzustellen. "Ich hatte die Hoffnung, dann würde der eine oder andere Eishungrige doch kurz abbiegen. Ich habe ein Dutzend Leute angerufen. Vom Straßenbauamt bis zur Verkehrsbehörde. Keiner fühlte sich zuständig. Ich wollte lediglich eine Genehmigung für mein Schild, denn das Aufstellen ohne eine offizielle Zustimmung kann eine Geldstrafe nach sich ziehen. Keiner wusste in wessen Zuständigkeitsbereich das fällt. Bis heute habe ich keine Genehmigung bekommen, noch erfahren, wer genau dafür Ansprechpartner ist." Lediglich die Antwort: "Die Baustelle betrifft sie doch gar nicht" habe sie mehrmals gehört, erzählt die junge Frau verärgert. "Uns sind hier einfach die Hände gebunden. Wir können einfach nur zuschauen und müssen das Aussitzen. Kein schönes Gefühl, vor allem wenn es um die Zukunft geht", sagen beide Ladeninhaberinnen und wundern sich auch darüber, dass der Talsperrenverband das alles so hin nimmt.