Durchatmen und nähen

Eigentlich könnten sie zu Hause sitzen und mehr oder weniger gelangweilt darauf warten, dass sich Virus und Krisenmodus wieder aus dem Alltag verabschieden. Stattdessen hatten die Frauen eine in diesen Tagen sehr nützliche Idee - sie nähen Atemschutzmasken.

Plauen/Zwickau Dorit Naumann war am Montag mal kurz an ihrem Arbeitsplatz, von dem sie eigentlich seit Tagen verbannt ist. Die Leiterin der Schneiderwerkstatt am Theater Plauen-Zwickau holte sich kostenlos Stoffe für ihre und die anderer Frauen momentan eher ungewöhnliche Heimarbeit. Per Facebook lernte Frau Naumann ihre Mitstreiterinnen kennen, die nun mit ihr gemeinsam Atemschutzmasken nähen. "Am Samstag wurde ich in die Facebook-Gruppe aufgenommen", lächelt Frau Naumann.
Initiiert wurde das Ganze von der 25-jährigen Stephanie Thieme, die auch gleich die geeigneten Räumlichkeiten "sponserte" - das kleine Lädchen "Wundervoll" in Zwickau-Eckersbach. Hier produzieren derzeit fünf Frauen in separaten Räumen Atemschutzmasken. Weitere lassen die Nähmaschinen zu Hause rattern und decken sich ebenfalls mit Stoffen aus dem kleinen Laden ein.
Wichtig, so Dorit Naumann sei, dass es sich um Baumwollstoff handelt. Entsprechendes "Rohmaterial", ist sie sicher, sei beispielsweise auch bei Stoff-Haase in Plauen am Oberen Steinweg erhältlich. Dass die Farbe des Materials keine Rolle spielt, liegt auf der Hand. Und so entstehen derzeit einfarbige, gestreifte und gepunktete Masken ebenso wie gepunktete und karierte, leuchtend gelbe und auch mal eher dunkle.
Die "Privatinitiative" der Frauen wurde erst vor wenigen Tagen ins Leben gerufen und doch können sie sich vor Aufträgen kaum noch retten. "Pflegedienste und Altersheime wurden auf uns aufmerksam", freut sich Frau Naumann, die aber ausdrücklich darauf aufmerksam macht, dass ihre "Produkte" nicht den strengen Hygienestandards, beispielsweise für Risiko- und Krebspatienten genügt. Anfragen habe es inzwischen aus dem Raum Leipzig und Berlin gegeben, fügt sie an, weshalb "ich mittlerweile auch meine Damen in der Schneiderei des Theaters angeschrieben" habe, von denen einige ebenfalls schon privat am Nähen sind. Eine ihrer Freundinnen, so Dorit Naumann, arbeite selbst im Pflegedienst und wurde natürlich ebenso schnell auf das im Wortsinne lebenswichtige Tun der Frauen um Stephanie Thieme aufmerksam. Bis Montag Abend haben die Frauen nach eigenem Bekunden bereits 100 Atemschutzmasken "geschneidert". Und wenn bei dem einen oder anderen trotz besten Willens am Ende der Nähmaschine eher Ausschuss rauskommt? "Man sollte zumindest Hobbyschneiderin oder Hobbyschneider sein. Allerdings werden auch Hilfskräfte gebraucht, für das Zuschneiden oder das in Falten legen der Stoffteile", macht Naumann auch jenen Mut, die helfen wollen, ohne Hand ans Endprodukt legen zu wollen oder zu können. "Ein Kollege von der Bühnentechnik unseres Hauses schneidet beispielsweise zu", freut sich Frau Naumann. Und was die Rohstoffe betrifft - viele haben so was ja auch zu Hause oder kaufen sich Stoffe. Wichtig sei, dass der Stoff heiß waschbar sein muss. Und bevor es an anderen Stellen von Facebook vielleicht wieder blöde Kommentare gibt: Natürlich nähen die Frauen kostenlos. "Wir wollen damit kein Geld verdienen", ergänzt frau Naumann. Einzige Bedingung für Besteller: Die Masken müssen abgeholt werden, und ja, es gibt bereits Wartezeiten. Und schließlich zitiert Frau Naumann noch den Spruch eines jungen Mannes, der die Gruppe "managt": "Sei ein Buntstift unter vielen Bleistiften." top