Durch die Wirklichkeit segeln

Eine besondere Unterrichtsstunde erlebten gestern die Schüler der 9. und 10. Klassen der Hufeland Oberschule. Zu Gast war Stephan Krawczyk.

Von Gabi Kertscher

Plauen Vom Kultusministerium wurde der gestrige Tag als "Tag der Demokratie" ausgerufen. Bereits im Frühjahr sollte im Rahmen der Woche gegen Rassismus Stephan Krawczyk vor den jungen Leuten auftreten, was allerdings der Corona-Pandemie zum Opfer fiel. Der Liedermacher, Autor und ehemalige DDR-Dissident sprach über die Ideologie in der DDR und heute. 1955 in der DDR geboren, durfte Krawczyk das Bildungssystem jener Zeit in vollen Zügen genießen. "Man wusste genau, was die hören wollten und hat so gelernt, durch die Wirklichkeit zu segeln." Er berichtete über 80 Spitzel, die seine Wohnung mit Abhöreinrichtungen ausgestattet hatten und über seine Abschiebung in die BRD im Dezember 1988. Er nannte die heutige Ideologie eine "Maskerade", und Corona eine Ideologie und keine Pandemie. Luca aus der 10. Klasse widersprach dem Berliner. Er halte es für wichtig, sich zu schützen und er stehe zu seiner Meinung. Stephan Krawczyk las aus seinem Buch "Mensch Nazi" eine ausführliche Zusammenfassung vor. Dabei ging es um ein Gespräch mit einem ehemaligen Nazi aus Berlin, der nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen war und dort seine Gesinnung öffentlich auslebte. Heute lebt jener Klemens in Thailand und hat sich von den braunen Gedanken abgewandt. Mit seinen Vorträgen in Schulen will Krawczyk die jungen Leute zum Nachdenken anregen. Heute bräuchten wir keine Parolen, die Zeiten seien von Harmonie gekennzeichnet.
"Ich möchte keinen Blödsinn erzählen und singen. Ich möchte helfen, den jungen Leuten die richtige Richtung ihres Denkens zu weisen." Stephan Krawczyk sang schließlich auch einige seiner Lieder. Unter anderem das "Lied vom Clown". Mit diesem Titel wurde er für "hervorragende künstlerische Leistungen" geehrt und erhielt 1981 den Hauptpreis beim DDR-Chansonwettbewerb. Nur wenige Jahre später erhielt er wegen seiner kritischen Texte Berufsverbot.