Dürrehilfe war dürre Hilfe

Bürgernähe bewiesen am Freitag Mitglieder der Landunion, als sie in landwirtschaftliche Betriebe des Vogtlandes fuhren und sich deren die Sorgen und Nöte anhörten. Neben dem Pferdehof Schricker in Oberlosa und dem Oelsnitzer Gartenbaubetrieb Tröltzsch besuchten sie die Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz.

Von Gabi Kertscher

Theuma - In den Theumar Ställen des Betriebes stehen 500 Milchkühe und 350 Schweine für die Direktvermarktung. Zusätzlich leben in den Stallungen des Neuensalzer Betriebsteils nochmals 500 Nachzuchtrinder. Die Genossenschaft zählt mit 75 Beschäftigten und rund 2000 Hektar landwirtschaftliche Fläche zu den mittelgroßen Betrieben.
Es gehe ihnen gut. Trotz Dürreperiode 2018 haben die Tiere ausreichend Futter und man müsse nichts hinzukaufen. "Aber noch so ein Jahr darf es nicht geben", ließ Geschäftsführer Udo Weymann wissen. Man habe sich mit der Direktvermarktung von Wurst und Fleisch sowie einer großen Biogasanlage weitere Produktionsbereiche geschaffen. Und genau diese seien es, die eine Zahlung von Dürrebeihilfen verhindern. Direktvermarktung und Biogas werden als Handel gesehen. "Erst haben wir Fördermittel erhalten, um das alles aufzubauen und jetzt verhindert es die Beihilfen", stellte Weymann fest. Dr. Peter Jahr, Mitglied des Europäischen Parlamentes und Vorsitzender der Landunion Sachsen äußerte: "Die Dürrehilfe war eine dürre Hilfe" und erklärte, dass es besser wäre, eine Mehrgefahrenversicherung für solche Fälle einzurichten. Die Landunion ist eine Sonderinstitution der CDU Sachsen, die sich um die Belange der Landwirtschaft kümmert. Dabei sei eine Mitgliedschaft völlig frei von einer politischen Bindung in der CDU, so Landunion-Geschäftsführer Günter Andrä. Es wurde weiter über den Fachkräftemangen in den landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben und über das Imageproblem gesprochen.
Sven Strobel gehört zu den jüngsten Beschäftigten in Theuma. Er hat Landwirtschaftsmechatroniker gelernt und erst vor wenigen Wochen in die Agrargenossenschaft gewechselt. Er sei überrascht gewesen, welche Vielfalt der Beruf hier biete. Strobel sagt, er habe den Wechsel nicht bereut, auch wenn "die Landwirtschaft leider nicht so gut angesehen ist."
Die Gäste konnten sich bei einem Rundgang über das Gelände in Theuma von der artgerechten Tierhaltung überzeugen. Helle und gutdurchlüftete Kuhställe überzeugten. "Wir haben Duschen für unsere Milchkühe eingebaut und wenn die Hitze zu groß ist, rieselt kühles Wasser." Schon seit Jahrzehnten werden die Tiere hier nicht mehr angebunden, ließ der Genossenschaftschef weiter wissen. Für die Kälber gibt es überdachte Standplätze im Freien mit ausreichend Auslauf. "Jeder, der ein Stück Fleisch und Wurst kauft, denkt er muss etwas zu Tierhaltung sagen und weiß es besser", war von den Landwirten zu hören. Man solle sich doch informieren. Es gibt ausreichend Möglichkeiten, wie beispielsweise zum Tag der offenen Tür oder auch bei Führungen angemeldeter Besucher.