"Dritter Weg" führt zurück zur NSDAP

Mit Gründung der neuen Partei "Der Dritte Weg" wollen Neonazis der Region das Verbot des Freien Netzes Süd "abfedern". Ein vogtländischer Ableger hat sich bereits etabliert.

Oberprex/Plauen - Der am Mittwoch von der bayerischen Polizei geschlossene ehemalige Gasthof in Oberprex diente sowohl oberfränkischen als auch vogtländischen Neonazis lange Zeit als Versammlungs- und Schulungsstätte. Aber nicht als irgendeine. Der Polizei bekannte Neonazi Tony Gentsch, dessen Mutter der Gasthof gehört, sah darin das "Nationale Zentrum Hochfranken" und die Zentrale des "Freien Netzes Süd" (FNS), die am Mittwoch vom bayerischen Innenministerium ebenfalls verboten wurde. Doch deren Führung sah dies wohl voraus - Insider sehen die Gründung der Partei "Der Dritte Weg" als Versuch, auch nach dem Verbot nahtlos weiter agieren zu können.

Und so verwundert es kaum, dass sich hier auch viele Mitglieder der so genannten "Revolutionären Nationalen Jugend" (RNJ) wiederfinden - eines Ablegers des FNS, der sich 2010 im Vogtland gründete. Dass es sich beim "Geburtstag" um den 20. April handelte, dürfte dabei kaum ein Zufall sein. Offiziell verkündete man zwar im September 2012 die Auflösung, doch bereits im November zeigte die RNJ in Wunsiedel wieder buchstäblich Flagge.

Auch bei der Kundgebung vor dem Plauener Arbeitsamt im Januar vorigen Jahres waren RNJ-Mitglieder zugange. Für überregionale Schlagzeilen hatte die RNJ bereits während der Kirmes 2011 in Rodewisch gesorgt, als sie maskiert, Flugblätter verteilend und Losungen skandierend über das Festgelände zog. Stefan Postier, Sprecher des Aktionsbündnisses Vogtland gegen Rechts, bestätigt, dass der im September 2013 neu gegründeten Partei "Dritter Weg" auch vogtländische Gesinnungsgenossen angehören. Der harte Kern beschränke sich zwar nur auf eine Handvoll Leute, allerdings warnt er eindringlich vor der ideologischen Aggressivität der Partei.

"Deren Punkteprogramm zur Umstrukturierung des Staates ist teilweise direkt von Dokumenten der NSDAP übernommen." Während für das Verbot des FNS der bayerische Staat zuständig war, weil die Gruppierung von da aus agierte, ist der "Dritte Weg" länderübergreifend strukturiert. Ein Verbot fiele daher in die Zuständigkeit des Bundesverfassungsgerichtes.

Auch Sachsen hatte in der Vergangenheit bereits mehrere Neonazi-Gruppierungen verboten - die "Skinheads Sächsische Schweiz", den "Sturm 34", die "Nationalen Sozialisten Döbeln" und jüngst die "Nationalen Sozialisten Chemnitz". va