Dreifelderhalle: Erst bauen, dann reden?

"Wir haben uns heute schon genug gefetzt, aber bitte nicht noch an dem Thema, bitte net." Eine typische OB-Bemerkung, um den Stress aus einem Tagesordnungspunkt zu nehmen, der auf den ersten Blick nur wenig Zündstoff zu bergen schien. Auf Antrag der CDU-Fraktion stand der Sporthallenbau am Lessing-Gymnasium auf der Tagesordnung, genauer gesagt ein Betreiberkonzept.

Von Torsten Piontkowski

Plauen Der SV 04 Oberlosa sei als Betreiber prädestiniert und habe bewiesen, dass er Sporthallen betreiben könne. Daher sei es wichtig, ihn frühzeitig in die Planungen einzubeziehen, so CDU-Fraktionschef Jörg Schmidt in der Begründung des Antrages seiner Partei.
SV 04 Oberlosa
in der "Warteschleife"?

In der Tat ist einer der leistungsfähigsten Plauener Sportvereine - Oberdorfer sprach von einem 700.000 Euro umfassenden Jahresetat - schon lange als "potentieller" Betreiber im Gespräch. Man könnte es aber auch profaner Hängepartie nennen, denn diese Bezeichnung impliziert, dass am Ende auch eine ganz andere Entscheidung fällt. Oder um noch mal Jörg Schmidt zu zitieren: "Wir können nicht erst bauen und was hinsetzen und der Betreiber kann am Ende gar nicht rentabel wirtschaften." Ein unmissverständliches Plädoyer also, Vertreter des SV 04 Oberlosa bereits frühzeitig in die Planungen einzubeziehen. Dass dem so sei, bestätigte der OB. In der Tat gab es bereits mehrere Beratungen - an den beiden letzten, so der Vereinsvorsitzende Prof. Dr. Bernd Märtner, habe man teilgenommen. Vorher müsse es eine Auftragserteilung hinsichtlich der Planungen an die Arge des Architekturbüros Fugmann und Fugmann sowie die Bauplanung Plauen gegeben haben. Den konkreten Planungsstand, so Märtner, kenne er nicht. Er wisse nur, dass der ursprünglich geplante Bau deutlich teurer geworden und nun wohl "abgemagert" worden sei, wie aus drei ihm bekannten Skizzen ersichtlich sei, sagt er auf Nachfrage.
"Eine unbefriedigende
Situation"

Aus Märtners Sicht, der den derzeitigen Zustand als "unbefriedigend" bezeichnet, müsse man gemeinsam mit einem künftigen Betreiber, also dem SV 04, vorher überlegen, wie sich kostengünstig und reibungslos bauen lasse - und dafür sind die Bedürfnisse und Vorstellungen des Betreibers sehr wichtig. "Bauen, aufschließen und dann dem Betreiber übergeben - das kann nicht funktionieren", sagt der Vereinsvorsitzende und nennt unter anderem Fragen der Raumanordnung und eines geschulten Personals.
Um Fehler zu vermeiden und Erfahrungen zu sammeln, habe man sich bereits in die Spur begeben, um mit Betreibern vergleichbarer Hallen in Coburg und Dresden zu sprechen, fügt er an. "Das aber macht alles wenig Sinn, wenn wir nicht definitiv wissen, ob wir auch die Betreiber sein werden." Erfreulich ist, dass die Halle kommt, weniger erfreulich ist, dass eher so vor sich hingeplant wird und niemand mit uns spricht, was wir als wichtig ansehen." Märtner nennt in diesem zusammenhang den möglichen Aufstieg "seiner" Handballer in die 3. Liga, spricht vom Leistungszentrum Handball im Vogtland.
Der "Riss", sich nun endlich auf den SV 04 als künftigen Betreiber der Dreifelderhalle festzulegen, ging im Stadtrat denn auch quer durch die Fraktionen.
"Beteiligung aktuell
nicht sinnvoll"

"Wir wissen noch gar nicht, für wie viel das Geld reicht." Deshalb müsse es doch erst mal einen Plan geben, bevor ein Betreiberkonzept existiere. Dafür ist es einfach zu früh", versuchte Oberdorfer die Richtung vorzugeben und spielte zwischenzeitlich mit der Idee, den Antrag zur Befassung in den Kulturausschuss zurückzuverweisen.
Rückenwind erhielt er von GAV-Chef Peter vom Hagen. Es seien "deutliche Veränderungen" in der Planung erforderlich, deshalb müsse man erst mal die vorantreiben und wenn das erfolgt sei über einen Betreiber reden. Generell sei die Beteiligung eines potentiellen Betreibers sinnvoll, in der aktuellen Situation aber nicht.
Zudem wandte sich CDU-Stadtrat Prof. Lutz Kowalzick gegen eine "Rücküberweisung" des Themas an den Kulturausschuss, da dieser der Notwendigkeit eines Betreiberkonzept bereits mehrheitlich zugestimmt habe.
Laufen die Kosten
aus dem Ruder?

Für die Diskussion verschiedener Varianten sprach sich Linken-Stadträtin Petra Rank aus und äußerte Bedenken, dass sich ein Verein auch mal "übernehmen" könne. Dass der SV 04 den Bau notfalls auch allein stemmen könne, entgegnete Neu-Stadtrat Gerd Steffen und bezog sich dabei auf ein Protokoll aus dem Jahre 2016. Und dann war man auch schon beim Geld. 15,6 Millionen Euro wurden für die Dreifelderhalle als eines der Modellvorhaben beschlossen - der größte Einzelposten. Die Architekturbüros hätten im Sommer mitgeteilt, dass es bei dieser Summe nicht bleiben werde, so OB Oberdorfer. Das aber - Oberdorfer sprach von 20 Millionen -gehe nicht, weshalb man um kostengünstigere Varianten gebeten habe. "Am Ende fliegt uns das ganze Modellvorhaben um die Ohren", orakelte er.
Mehrheit für
Betreiberkonzept

Der Verein, der sich von Anbeginn für die Dreifelderhalle stark machte, sollte nun auch einbezogen werden, so die Überzeugung von CDU-Stadtrat Ingo Eckardt. Das Fehlen finanzieller und planerischer Klarheit kritisierte auch SPD-Stadträtin Juliane Pfeil. So könne man Ende des Jahres nicht in die Haushalts-Diskussion gehen. "Seit drei Jahren sei der SV 04 im Gespräch, aber einen Beschluss gäbe es bis heute nicht.
Auf die Frage von Linken-Fraktions-Chefin Claudia Hänsel, inwieweit eigentlich das Lessing-Gymnasium einbezogen sei, konnte Sportbürgermeister Steffen Zenner eine befriedigende Antwort geben. Die künftige Halle werden im Verhältnis 60:40 für den Schulsport genutzt, daher stehe man in engem Kontakt zum Schulleiter. Nach kontrovers geführter Diskussion entschied sich die Mehrheit der Stadträte für die Erstellung eines Betreiberkonzeptes bis Jahresende.