Drei von vier Frauen arbeiten in Mini-Jobs

Im Vogtland haben Frauen die schlechteren und die schlechter bezahlten Jobs. Nach Angaben des Pestel-Instituts sind lediglich 40 Prozent aller Vollzeitstellen mit Frauen besetzt.

Plauen - Ganz anders bei den Teilzeit- und Mini-Jobs: Hier beträgt der Frauenanteil 75 Prozent. "Frauen machen immerhin rund 7770 Mini-Jobs im Vogtlandkreis. Gerade hier ist das Niedriglohn-Risiko am höchsten: Zwei von drei der Mini-Jobs werden mit weniger als 8,50 Euro pro Stunde bezahlt. Oft liegen sie sogar weit darunter", sagt Kerstin Eger von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft. Die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Vogtland/Zwickau spricht von einer "Niedriglohn-Schicht", die vom "fair bezahlten und damit anständigen Arbeitsmarkt" mehr und mehr abgekoppelt werde. "Gerade Frauen werden als billige Arbeitskräfte von Teilen der heimischen Wirtschaft regelrecht ausgenutzt", so Eger. Gemeinsam mit Verdi übt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) heftige Kritik an der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im Vogtlandkreis: "Arbeitsplätze, von denen man leben kann, werden systematisch abgebaut.

Mini-Jobber übernehmen die Arbeit von Vollzeitkräften. Jobs werden zerschlagen, Löhne gedrückt", sagt Michael Brunner. Der Geschäftsführer der NGG-Ortsstelle Chemnitz belegt dies mit Zahlen vom Pestel-Institut aus Hannover. Demnach hat die Zahl der Mini-Jobs in den vergangenen zehn Jahren um 41 Prozent zugenommen. "Mini-Jobber sind moderne Tagelöhner - mies bezahlt mit wenig Schutz", so Brunner. Die Bundesregierung habe hier "auf ganzer Linie versagt". Seit Jahren stemme sie sich gegen einen gesetzlichen Mindestlohn. "Dabei wird es höchste Zeit, diese Notbremse zu ziehen. Arbeit ist keine Dumpingware. Sie darf nicht länger nach dem Geiz-ist-geil-Prinzip auf den Wühltischen der Arbeitsvermittler angeboten werden", so Eger. va