Drei Schulen im Vogtland auf Kippe

Im Vogtland drohen weitere Schulschließungen: Für die Grundschule Hauptmannsgrün gibt es kaum Hoffnung, die Mittelschulen Falkenstein und Pausa-Mühltroff bangen.

Plauen - Nach einem Bescheid des Kultusministeriums von Mitte Juni wurden die Grundschule Hauptmannsgrün (Gemeinde Heinsdorfergrund) sowie die Mittelschulen Falkenstein und Pausa-Mühltroff nicht genehmigt und sollen aus der Schulnetzplanung des Vogtlandkreises verschwinden. Kritisch zu prüfen sei die Lernförderschule Oelsnitz.

Gegen das Aus dieser Schulen hat der Vogtlandkreis gleich nach Erhalt des Schreibens Klage eingereicht. Dies vorrangig, um die Frist zu wahren und Zeit zur Überlegung zu gewinnen. Am Donnerstag nun entschloss sich der kreisliche Ausschuss Bildung, Kultur, Sport (BKS), die Klage zurückzuziehen. Fünf Abgeordnete stimmten dafür, sechs enthielten sich. Man ziehe die Klage zurück, um nicht noch andere Schulstandorte zu gefährden, begründete Dezernent Lars Beck diplomatisch. "Positiv ist das nicht, was die da in Dresden vom Stapel lassen. Aber wir können das vermutlich nicht ändern", erklärt resigniert der SPD-Abgeordnete Uwe Kukutsch.

Laut Geburtenstatistik wurde mit diesem Schuljahr an der Grundschule Hauptmannsgrün letztmalig die geforderte Mindestschülerzahl von 15 erreicht. Ab nächstem Jahr bis 2022 geht es von 13 Erstklässlern immer mehr abwärts bis zu nur noch neun Abc-Schützen. Nur im Jahr 2017/18 gibt es nochmals 16 Kinder. Das reiche aber für einen dauerhaften Bestand nicht aus, weshalb Heinsdorfergrund nicht mehr als Grundschulstandort ausgewiesen werden könne. Das Ministerium verweist auf die Grundschulen Reichenbach und Neumark, auf die dann die Heinsdorfer ausweichen könnten.

Vorerst ausgesetzt ist eine Entscheidung bei den Mittelschulen. Aber dennoch teilt das Ministerium mit, dass über den Schulen in Falkenstein und Pausa-Mühltroff das Damoklesschwert hängt. Würde Falkenstein wegfallen, müssten diese Mittelschüler die beiden Auerbacher Schulen besuchen. Doch diese platzten schon aus allen Nähten, teilt der Vogtlandkreis dem Ministerium mit.

Zudem sei die MS Falkenstein wichtiger Einzugsbereich für Kinder aus Schöneck und Klingenthal, wo es keine staatlichen Mittelschulen gibt. Was die Mittelschule Pausa-Mühltroff betreffe, so sei diese über Jahre zweizügig geführt worden. Einzig im Schuljahr 2012/13 seien von der Grundschule Mühltroff 75 Prozent der Kinder ans Gymnasium weiter geleitet worden, weshalb die Mittelschule fast leer ausging - eine Ausnahme, wie die Kreisverwaltung meint.

Zudem wolle man künftig keine Kinder an nahe Thüringer Schulen verlieren. Diese Meinung vertritt auch Ausschussmitglied Klaus Schumann: "Wer einmal in Thüringen zur Schule geht, macht dort später seine Lehre. Weg ist weg." Von 1993 bis 2012 wurden im Vogtland 22 Grund- und 20 Mittelschulen, drei Gymnasien und je zwei Förderschulen und Berufliche Schulzentren geschlossen. Dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange war, daraus macht das Ministerium keinen Hehl: "Die pauschale Aussage, dass alle derzeit bestehenden allgemein bildenden Schulen im Vogtland mittel- und langfristig erhalten werden sollen, korrespondiert zumindest im Grund- und Mittelschulbereich nicht mit der in diesem Zeitraum zu erwartenden Schülerentwicklung", heißt es.

So rechnet man 2020 nur noch mit 1308 Geburten. Das sei ein Minus von 24 Prozent gegenüber der Geburtenzahl aus dem Jahr 2008 (1721). Grundschulen mit einer Gesamtschülerzahl von bereits jetzt weniger als 80 Schülern würden dann mit hoher Wahrscheinlichkeit gefährdet sein.