Drehbuch schrieb das Leben

Kaum ein Kinosessel blieb gestern leer als der Film "Gesicht zur Wand" anlässlich der 5. Deutsch- Deutschen Filmtage im Plauener Capitol gezeigt wurde. Eine bewegende Dokumentation von DDR-Zeitzeugen über deren Ängste und seelischen Wunden.

Plauen - Nachdem Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer die 5. Deutsch-Deutschen Filmtage auch für Plauen offiziell eröffnet hatte, wurde es still in den Reihen des Kinosaales 3 im Capitol. Gezeigt wurde der Film "Gesicht zur Wand", der von ehrlicher und starker Emotionalität geprägt ist. "Ich hätte hinterher eigentlich eine Therapie machen müssen. Das nächste Mal hole ich mir Hilfe. Ich war überfordert", so der charismatische Filmregisseur Stefan Weinert auf eine Publikumsfrage zum Eindruck beim Filmen.

Bildhaft und detailliert schildern fünf Zeitzeugen ihre Erlebnisse. Das Drehbuch dieses Filmes, der in über 30 Ländern gelaufen ist, war das Leben. Erschütternd das Martyrium der Dargestellten, die Schicksale der Erzählenden. Die Fünf stehen für 72.000 Republikflüchtlinge und insgesamt eine Viertelmillion weggeschlossener DDR-Bürger.

"Dieser Film ist anders als Dokumentationen, die man aus dem Fernsehen kennt. Bewusst habe ich auf Lieder die Emotionen erzeugen, verzichtet. Gesichter sind mir wichtig. Diese lügen nicht sondern spiegeln das Gefühl wider." Weiter verrät der Wahl-Berliner Stefan Weinert, dass es ein langer Prozess gewesen sei, eine entsprechende Basis zwischen den Darstellern und ihm zu schaffen.

"Ich hatte ein großes Zeitfenster vorgegeben und so kam man nicht in Bedrängnis. Die Darsteller hatten von meiner Seite aus keinen Druck und konnten jederzeit abbrechen." An der Gesprächsrunde im Anschluss an den Film beteiligten sich auch einige jüngere Zuschauer, die das Leben in der DDR nur von Erzählungen kennen. Nichts wissend und von der Wende sowie Ost und West keine Ahnung, so erging es aber auch Regisseur Weinert.

Wie er den Zuschauern und dem moderierenden Kultureferenten der Stadt, Dirk Heinze, verriet, wurde sein Interesse in Spanien geweckt. Dort lebte er zehn Jahre und wurde öfters von Freunden und Bekannten zu Deutschland befragt. Dies war der Auslöser, sich intensiver mit der deutsch-deutschen Geschichte zu befassen. In seiner Wahlheimat Berlin fasste er dann den Entschluss, die Geschichten die man ihm erzählte, zu verfilmen.

Und das ist ihm gelungen. Sogar als Schulfilm in Tschechien diente die im Jahr 2009 gedrehte Dokumentation. Dieser Film vermittelt Geschichte und hinterlässt Spuren beim Zuschauer. Deutlich und nachhaltig dokumentiert er einmal mehr den Unrechtsstaat DDR.