Drängler kommt glimpflich davon

Möglicherweise gehört der Angeklagte Jörn (heute 30, Namen aller Betroffenen geändert) zu jener Kategorie an Autofahrern, die keinerlei Probleme mit anderen motorisierten Verkehrsteilnehmern haben. Das Ganze freilich mit zwei Ausnahmen: Denen, die hinten zu dicht auf-, und jenen, die vorn zu knapp vor ihnen her fahren. Am Amtsgericht Plauen musste sich der ledige Fensterbauer und Glaser jetzt wegen Nötigung in sieben Fällen und in einem weiteren Fall sogar in Tateinheit mit Körperverletzung verantworten.

Dem nüchternen Juristendeutsch lag eine weder freundliche noch rücksichtsvolle Fahrweise des Angeklagten am zweiten Weihnachtsfeiertag 2008 zu Grunde. Seinerzeit war der in der Gemeinde Pöhl wohnhafte Jörn mit seinem alten Opel von Möschwitz aus in Richtung Plauen-Chrieschwitz unterwegs. Mindestens vier Mal fuhr er - zum Teil auf der unübersichtlichen Gefällestrecke kurz vorm Ortseingang - auf den vor ihm befindlichen Mazda des Geschädigten Benjamin ganz dicht auf.

 

Diese verkehrsgefährdende Fahrweise soll er dann noch einmal auf Plauener Stadtgebiet wiederholt haben. Auf der Lessingstraße überholte er schließlich Benjamins Auto, setzte sich vor das Fahrzeug und stellte sein Gegenüber wegen dessen aus seiner Sicht viel zu langsamen Fahrweise zur Rede. Unvermittelt versetzte er ihm schließlich durch das offene Fenster der Fahrertür einen Schlag auf den Hinterkopf. Wenig später setzte er seinen Wagen bei einem zweiten Halt auf der gleichen Straße noch einmal ganz eng vor den des Geschädigten und hinderte diesen damit faktisch an der Weiterfahrt.

Den Schlag gegen Benjamins Hinterkopf räumte Jörn im Gerichtssaal ein. "Darüber habe ich mich schon fünf Minuten danach geärgert. Eigentlich wollte ich ihn ja bloß zur Rede stellen", gab der Beschuldigte zu Protokoll. Außerdem sei er mit angemessenem Abstand hinter dem anderen Auto her gefahren. Benjamin habe jedoch ständig die Nebel-Schlussleuchte ein- und ausgeschalten:

 

"Da bin ich einmal relativ dicht ran und habe ein einziges Mal die Lichthupe betätigt." Benjamin und seine Begleiterin bestätigten dagegen die Vorwürfe der Anklage. "Ihnen fehlt es in erheblichem Maße an der Fähigkeit zur Selbstkritik", hielt Richter Michael Rüsing dem Angeklagten vor. Möglicherweise sei Jörn charakterlich ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen, dachte der Vorsitzende laut nach. Am Ende kam der Beschuldigte mit einer vorläufigen Einstellung des Verfahrens davon. Er muss unter Mithilfe des Sozialen Dienstes der Justiz um einen Täter-Opfer-Ausgleich mit dem Geschädigten Benjamin zu bemühen. Sven Gerbeth