Dornröschenschlaf wird beendet

Die Jößnitzer bezeichnen es stolz als Schloss, genau genommen handelt es sich um das sogenannte Jägerhaus. Am Dienstag hatten die Stadträte darüber zu befinden, ob es verkauft werden soll.

Von Torsten Piontkowski

Jößnitz Nein, rauschende Feste wurden hier nie gefeiert. Nach dem Krieg diente das Gebäude als Schule, später blieb es für viele Jößnitzer und Plauener als Restaurant in Erinnerung, in dem im Wortsinne der Chef noch selbst kochte. Nach der Eingemeindung von Jößnitz übernahm die Stadt das Gebäude und verpachtete es. Nun, nach 25 Jahren, kündigte der Pächter im Dezember 2020 den Vertrag, die Suche nach einem Nachfolger begann. "Damit sind wir zunächst erst mal grandios gescheitert", merkte Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer an. Man habe den wirklichen Bauzustand des Gebäudes einfach nicht auf dem Schirm gehabt. "Da muss ganz ordentlich saniert werden, das Wasser lief im Winter von innen nach außen durch." Trotz allem hatte man Glück in Gestalt des Ehepaares Schmidt, alteingesessene Jößnitzer, dich erfolgreich als Pächter bewarben.
Investoren mit
fragwürdigen Plänen

Dann kam es zu einigen Irritationen, resultierend aus schlechten Erfahrungen, die die Jößnitzer, damals noch eigenständige Gemeinde, mit Investoren gemacht hatten, die das Gebäude "für‘n Äppel und‘n Ei" gern erworben hätten. "Damals war ein Casino im Gespräch und noch etliches anderes", erinnert sich Ortschaftsrat Michael Findeisen. Aus diesen Erfahrungen heraus, habe sich nach der Wende ein Förderverein gegründet - auch um eine Fremdnutzung durch Investoren zu verhindern. Ein vor Monaten im nichtöffentlichen Teil des Ortschaftsrates gefasster Beschluss, das Schloss solle verkauft werden, fand zu schnell seinen Weg in die Öffentlichkeit", beschreibt Findeisen die etwas vertrackte Situation. Ein mit der GAV gebildeter Arbeitskreis sei schließlich zu der Überzeugung gelangt, dass eine Betreibung ohne Verkauf kaum möglich sein werde, zumal das Gebäude auch künftig ein Restaurant beherbergen sollte. Kurzum, der Widerstand gegen einen Verkauf wurde aufgegeben. Das Ehepaar Jörg und Constanze Schmidt untermauerte als neue Kurz-Pächter seine Absicht, das Gebäude zu erwerben. Zwar sei der Erhalt der Gaststätte nicht im Kaufvertrag enthalten, aber man sei guter Dinge, so Ortschaftsrat Findeisen. Berechtigter Optimismus, denn auch das Ehepaar Jörg und Constanze Schmidt haben mit ihrem neuen Eigentum viel vor.
Schloss-Charakter ein
Stück weit zurückholen

Jörg Schmidt nutzte vor den Stadträten die Möglichkeit, seine Pläne vorzustellen. Der Bauunternehmer, der in unmittelbarer Nähe des Schlosses wohnt und eine Bau- und Transportfirma betreibt, möchte beispielsweise die acht Hotelzimmer in Ferienwohnungen verwandeln und auch den Schlosscharakter ein Stück weit "zurückholen". Ob der gastronomische Bereich verpachtet werde, stehe noch nicht fest, in jedem Falle kämen einheimische Produkte vom eigenen Hof auf den Tisch, so Schmidt. Als "Lieferantin" agiert dabei Constanze Schmidt, die biologische Landwirtschaft samt Hofladen betreibt, sowie eine Reitanlage mit Pensionspferden. Insgesamt wolle man ein touristisches Paket knüpfen, einschließlich Angeboten mit Urlaub auf dem Bauernhof. Um Platz zu schaffen, zieht Schmidt mit seinem Bauunternehmen demnächst auf eine Fläche an der Schöpsdrehe.
Was den Jößnitzern vor allem auch am Herzen liegt: Das Anwesen möge seinen öffentlichen Charakter beibehalten - ein Ansinnen, das Schmidt ebenso sieht.
Großes Vertrauen
in die neuen Besitzer

Namensvetter Jörg Schmidt, CDU-Fraktionsvorsitzender, sprach von einer sehr "emotionalen" Immobilie für die Jößnitzer und kritisierte gleichermaßen die GAV, den baulichen Zustand des Schlosses nicht wirklich auf dem Schirm gehabt zu haben. CDU-Stadtrat Tobias Kämpf, der kürzlich an einer Vor-Ort-Besichtigung teilnahm, räumte ein, dass ihm der Kaufpreis von 140.000 Euro für das insgesamt 1080 Quadratmeter große Anwesen zunächst zu niedrig schien. "125.000 Euro Investitionen dürften aber wohl eher erst der Anfang sein", so Kämpf. Möglicherweise hätte eine Immobilienfirma mehr auf den Tisch gelegt, so Kämpf, aber andererseits genieße das Ehepaar Schmidt im Ort ein tiefes Vertrauen.
Kleiner Weihnachtsmarkt
am Jahresende

Kämpfs Parteikollege Dirk Brückner trieb die Frage um, ob es noch weitere Interessenten mit anderen Kaufangeboten gegeben hätte. Da ein Ausschreibungsvertrag vom Ortschaftsrat ausgeschlossen worden sei - was rechtlich möglich ist - habe man die Form des Verkaufs mit dem Landratsamt abgestimmt, so Oberdorfer. Und ja - es lag das Kaufangebot einer Immobilienfirma vor, aber das sei ja gerade nicht gewollt gewesen. Dem Vernehmen nach handelt es sich um das auch in Plauen aktive Unternehmen Biri-Immobilien.
SPD-Stadtrat Bernd Stubenrauch hatte zudem die Möglichkeit kultureller Veranstaltungen im Blick - immerhin sei Jößnitz ja Luftkurort. Schmidt avisierte schon mal einen kleinen Weihnachtsmarkt in diesem Jahr.