Dorit Gäbler singt fürs Leubnitzer Schloss

Es war schon ein außergewöhnlicher Abend, den gut 50 Gäste am Samstag im Weißen Saal des Schlosses Leubnitz erlebten. Die in Plauen gebürtige Schauspielerin, Sängerin, Moderatorin und Entertainerin Dorit Gäbler gastierte dort auf Einladung des Schlossfördervereins mit ihrem "Porträt über Hildegard Knef".

 

Als Grundlage ihrer musikalischen, lyrischen und prosaischen Betrachtungen diente der Knefsche autobiografische Roman und internationale Bestseller "Der geschenkte Gaul". In dem in 17 Sprachen übersetzten literarischen Werk zeichnete Hildegard Knef prägnante Porträts ihrer Weggefährten und Schauspielkollegen. Dorit Gäbler verstand es sowohl stimmlich als auch mimisch hervorragend, ein ausdrucksstarkes Bild dieser willensstarken Frau zu zeichnen. Knef musste bis zu ihrem Tod im Jahre 2002 zahlreiche Rückschläge einstecken, ließ sich jedoch nie vollends aus dem Sattel werfen.

 

"Irgendwie hat diese optimistische Einstellung auch mein Leben beeinflusst", so die Gäbler. Man nahm es ihr ab. Trotz ihrer Erfolge als Schauspielerin, Sängerin und Entertainerin ist die aus einfachem Hause stammende Gäbler bodenständig geblieben. Wenngleich Vieles zum Gleichnis geriet, Gäbler imitierte die Knef nicht. Mit ihrer Alt-Stimme brachte sie selbstgetextete Lieder der Knef zu Gehör, die längst zum Evergreen geworden sind, gab ihnen aber die Gäbler-eigene Note. So unter anderem "Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen", "Aber schön war es doch", "Eins und Eins", "Du bist mein Salz in der Suppe" und natürlich den Ohrwurm "Für mich soll's rote Rosen regnen". Was am Ende fehlte, war der Koffer, der noch in Berlin steht. Allerdings: Hätten die Schlossförderer noch etwas mit dem Überreichen der Blumen gewartet, das Publikum noch etwas applaudieren lassen, wäre dieser Evergreen noch erklungen. Vielleicht war der erste Programmteil etwas zu textlastig geraten. Doch waren es eben genau die Prosateile, die zur Charakteristik der Knef und ihrer Lebensbegleiter unabdingbar sind. So traf das Publikum vor seinem geistigen Auge die Marilyn Monroe, die Marlene Dietrich und Paul von Schell, Carroll Righter, Eric Pommer und David Cameron. Was die Zuhörer im Auditorium auch nicht wissen konnten: Viele der zum Halbplayback eingespielten Instrumentalstücke stammten von ihrem Bruder Rainer, der sich autodidaktisch Klarinette, Saxophon und Flöte beibrachte und als Rainer "Macky" Gäbler einen Namen gemacht hat.

"Ich brauch Tapetenwechsel", hatte die Hilde einst verkündet und die Dorit erinnerte am Samstag musikalisch daran. Ja, auch das Leubnitzer Schloss braucht Tapetenwechsel. Und nicht nur das. Es braucht viel Geld zum Sanieren, Rekonstruieren und Erhalten. Dieses Konzert war zumindest ein Baustein auf diesem Weg. Denn: Dorit Gäbler sang und las zum Nulltarif für das Leubnitzer Schloss in ihrer alten Heimat.  mam