Doppelkopf-Salamander aus Plauen

Ein Feuersalamander mit zwei Köpfen ist der jüngste Neuzugang der Naturwissenschaftlicher Sammlungen der Universität Halle. Eine Züchterin aus Plauen hat das Tier der Institution vermacht.

Plauen-Kauschwitz - Doppelbildungen von Gliedmaßen bei Schafen oder mehrere Hörner bei Ziegen - einige dieser zoologischen Besonderheiten beherbergen die Sammlungen der Martin-Luther-Universität als Präparate schon seit mehr als 200 Jahren. Nun gibt es im Zentralmagazin Naturwissenschaftlicher Sammlungen (ZNS) einen Neuzugang zu bestaunen: einen doppelköpfigen Feuersalamander. Catrin Grollich, eine Züchterin aus Plauen-Kauschwitz, hat das Tier, das neunzehn Monate überlebte, der Uni Halle vermacht.

Was als Kuriosität gilt, sei nach Aussage von Frank Steinmeier, Leiter der ZNS, in der Natur gar nicht so selten. Nur überlebten diese Tiere meist nicht lang genug, oder blieben unentdeckt. Es sei erstaunlich, dass der Salamander so lange überlebt und das Kaulquappenstadium mit zwei Köpfen überstanden habe. Bei der Entstehung des zweiköpfigen Salamanders kam es zu einem Fehler bei der Bildung eineiiger Zwillinge. Die embryonale Teilung fand bei der Entwicklung im Ei nur teilweise statt.

Geboren wurde die zweiköpfige Larve am 9. Mai 2011 in einem Terrarium. Zur besseren Beobachtung und zum Schutz vor etwaigen Verbissen wurde dieses Tier von den anderen Larven von Catrin Grollich separiert aufgezogen.

"Von Anfang an fraß die Larve mit beiden Köpfen, war agil und vom Verhalten unauffällig. Auch das Wachstum war gleich dem seiner Geschwister. Diese gingen nach etwa acht bis neun Wochen an Land. Das zweiköpfige Tier begann sich erst mit neun Wochen umzufärben, blieb dann aber trotz gleicher Haltungsbedingungen deutlich länger im Wasser und verließ es erst nach 15 Wochen mit sechs Zentimeter Gesamtlänge", schildert die Kauschwitzer Züchterin.

Die Fortbewegung an Land habe sich für den Feuersalamander recht schwierig gestaltet. "Es hatte den Anschein, dass jeder Kopf seinen eigenen Willen, bedingt durch die verschiedenen Blickrichtungen, durchzusetzen versuchte. Nach einigen Wochen wurde das Gangbild koordinierter, wobei der Salamander meist nur einige Schritte nacheinander setzte und die Richtung häufig änderte", so Frau Grollich weiter.

Das Tier erreichte ein Alter von 19 Monaten und eine Körperlänge von 7,5 Zentimeter. Der Salamander starb während der Winterruhe. Gleich darauf kam das Tier als Schenkung in die Zoologische Sammlung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und ist dadurch für weitere wissenschaftliche Untersuchungen zugänglich. Der schwarz-gelbe Lurch hat einen Ehrenplatz neben andern Amphibien bekommen.

Für Wissenschaftler, Studenten und Institute sind die Naturwissenschaftlichen Sammlungen wichtige Anlaufstellen bei Forschungsfragen und eine richtige Schatzkammer. In Ethanol und Wasser eingelegte seltene Frösche lagern in riesigen Schaukästen unweit von ausgestopften Schildkröten, ausgestorbenen Tieren und wertvollen Fossilien. Ungewöhnliche Objekte wie missgebildete Tiere machen nur einen sehr geringen Teil der Sammlungen aus.

Der Großteil des Fundus bestehe aus Insekten und Muscheln sowie den 20 000 bis 30 000 Wirbeltieren. Einige Präparate seien nach Aussage Steinheimer von enormen Wert - zum Beispiel 40 bis 50 Millionen Jahre alten Fossilien, letzte Nachweise aus Lebensräumen, die es heute nicht mehr gibt. Für die Öffentlichkeit sind die Naturwissenschaftlichen Sammlungen nur selten zugänglich. Doch wenigstens ein Mal im Jahr öffnen sich die heiligen Hallen. M. T.