Doping-Experte mit Body-Guards

Wenn etwas dreimal stattfindet, darf man es traditionell nenn, meint der Volksmund. Insofern ist man mit den Deutsch-deutschen Filmtagen längst über diesen Punkt hinaus gekommen. Zum zehnten Mal finden die Filmtage in Plauen und Hof statt - mit zehn Filmen, die von hohem Interesse sein dürften. Das Programm stellten Bürgermeister Steffen Zenner und Kulturreferentin Steffi Behncke gestern vor.

Von Ingo Eckardt

Plauen Wie in den vergangenen Jahren brilliert auch die Jubiläumsauflage der Filmtage wieder mit spannenden Filmen zur jüngeren deutschen Geschichte und mit namhaften Zeitzeugen und Experten, die im Anschluss an die Filme mit dem Publikum diskutieren. Unterstützt wird das diesjährige Filmfest, das vom 15. bis 19. November im Capitol Plauen und dem Hofer Central-Kino über die Leinwand geht, vom Freistaat Sachsen, der eine Förderung von 4.000 Euro bereitgestellt hat. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und sein bayerischer Amtskollege Markus Söder haben die Schirmherrschaft übernommen. So können auch heuer alle Veranstaltungen - immerhin sind zehn Filme geplant - bei freiem Eintritt genossen werden. Eine Anmeldung sollten allerdings Gruppen und Schulklassen vornehmen, um besser planen zu können.
"Wir greifen auch dieses Jahr in unserem facettenreichen und anspruchsvollen Programm wieder schwierige Themen auf und haben passende Experten eingeladen", sagt Zenner und verweist auf den Film "Staatsgeheimnis Kinderdoping", bei dem der Doping-Experte der ARD, Hajo Seppelt, Regie führte und auch als Gesprächspartner zur Verfügung stehen wird (16. November, 14 Uhr im Capitol). "Das war ziemlich kompliziert. Wir mussten hier spezielle Sicherheitsvorkehrungen beachten. Herr Seppelt gilt als latent gefährdet und hat eigene Bodyguards", verdeutlicht Steffi Behncke.
Zenner erklärt, dass in Ost wie West gedopt wurde. Mit System wurde dies jedoch schon an den Kinder- und Jugendsportschulen (KJS) praktiziert. "Wenn dir 14-jährige Schwimmerinnen mit tiefer Stimme und Damenbart begegnet sind, fragte man sich natürlich schon, ob das wohl nur vom Chlorwasser kam", erinnert sich der Kulturbürgermeister an seine Zeit an der KJS.
Eröffnet werden die Filmtage schon tags zuvor, am 15. November, um 19.30 Uhr im Capitol-Kino, wo die Doku "Vom Einläuten der friedlichen Revolution 1989 in der DDR" gezeigt wird. Als Experten sind Bürgerrechtlerin Ulrike Poppe, Regisseur Holger Kulick und Dr. Michael Schröder von der Akademie für politische Bildung in Tutzing eingeladen.
Nach dem erwähnten Doping-Streifen, kann man am Samstag, um 17 Uhr, "Nach drüben - Oststars wechseln die Seiten" erleben. Als Gäste sind Dr. Sabine Kuder von der Bundesstiftung Aufarbeitung und der Liedermacher und Bürgerrechtler Stefan Krawczyk eingeladen. Nach dem Film und der Gesprächsrunde wird Krawczyk dem Vernehmen nach auch zur Gitarre greifen und ein kleines Konzert geben.
Am Sonntag, dem 17. November können Interessierte gleich drei Filme anschauen. Start ist um 11 Uhr mit einer Doku zum legendären "Paneuropäischen Picknick" an der ungarisch-österreichischen Grenze im Sommer 1989. "Jetzt oder nie - die Grenzgänger von Sopron" lautet der Titel. Ex-Europaparlamentarier Bernd Posselt, Schauspieler und Zeitzeuge Tilo Acksel und Wolfgang Wagner, einst Leiter des Malteser-Lagers in Budapest, werden danach mit dem Publikum debattieren. Um 14 Uhr widmet sich eine Dokumentation dem "Duft des Westpakets". Die beiden Regisseurinnen Maja Stieghorst und Brit-J. Grundel sind in Plauen zu Gast. Den Abschluss bildet an diesem Tag um 17 Uhr der Film "Zug in die Freiheit", der sich mit den Botschaftszügen aus Prag beschäftigt. Als Gast wird Jens Hase erwartet, der als Botschaftsflüchtling einem von drei Reichenbachern half, in den Zug zu gelangen.
Am Montag um 15 Uhr wird "Ein gerechtes Urteil?" gezeigt, eine Doku über den ersten Mauerschützenprozesst. "Das ist in diesem Jahr unsere auf Schülergruppen zugeschnittene Filmveranstaltung. Als Gäste konnten wir Regisseur Klaus Salge und Karin Gueffroy, die Mutter des letzten Mauertoten Chris Gueffroy gewinnen", erzählt Steffi Behncke.
Sie ist vor allem der Berlinerin sehr dankbar. Denn diese wollte eigentlich die Öffentlichkeit meiden. "Nachdem sie im Vorjahr aber von den interessierten Jugendlichen in Plauen so begeistert war, hat sie sich entschlossen, noch einmal zu unseren Filmtagen zu kommen", so die Kulturreferentin. Um 19.30 Uhr wird am Montag "Der Ost-Komplex" gezeigt, der die Repressionen der Stasi gegen den homosexuellen Mario Röllig zeigt. Der Protagonist wird selbst vor Ort sein und mit Dr. Andreas H. Appelt von der Deutschen Gesellschaft sprechen.
Den Abschluss der 10. Deutsch-deutschen Filmtage bildet am Dienstag, dem 19. November, ab 19.30 Uhr, ein Filmklassiker der DDR. Gezeigt wird der von Konrad Wolf gedrehte Streifen "Der geteilte Himmel".
Die Filmtage in Plauen und Hof werden federführend von Steffi Behncke und ihrem Hofer Kollegen Jürgen Stader zusammengestellt. "Mittlerweile haben wir ein großes Netzwerk aus Unterstützern und ideellen Trägern, was uns die Arbeit etwas leichter macht.
Teilweise kommen bereits Regisseure auf uns zu und bieten uns ihre Filme an, die sich um die Geschichten aus der DDR und der alten BRD drehen, um das Zusammenwachsen Deutschlands und die Aufarbeitung der jüngeren deutschen Geschichte. Wir haben auch einige regionale Unterstützer gefunden, die unsere Filmtage ebenfalls fördern", freut sich Steffi Behncke.