Disco-Überfall: War es ein Racheakt?

Die Wogen schlagen hoch nach den Krawallen vor der Diskothek "N1", die vergangenen Freitag von Asylbewerbern vom Zaune gebrochen worden sein sollen.

Plauen - Haben Ausländer seit dem gewalttätigen Überfall am letzten Freitag keinen Zutritt mehr in die Diskothek "N1" im Plauener Stadtzentrum? Nein, sagt Inhaber Uwe Seidel dem Vogtland-Anzeiger auf Anfrage. Derartige Behauptungen weise er zurück. Vielmehr handele es sich konkret um eine Gruppe von etwa 25 Asylbewerbern, die "seit längerem immer Ärger gemacht haben und von der Security keinen Zutritt mehr bekommen hat", so Seidel. Die Männer hätten wohl Drogen angeboten und die Mädels angemacht, heißt es und deswegen hätten sie Hausverbot. "Es ist nicht so, dass wir alle Ausländer in einen Topf werfen. Es gibt viele wunderbare Ausländer die in Ordnung sind, da haben wir null Probleme."

Uwe Seidel vermutet hinter der Tat Freitagnacht einen Racheakt, "weil sie nicht reinkamen". Die Gruppe wollte in die Disco und alles zerstören. Als die Sicherheitsleute dies verhinderten, bewarfen sie den Eingangsbereich und die Fensterscheiben in der ersten Etage mit Steinen. Viele Glasscheiben gingen zu Bruch. Der angerichtete Sachschaden wird inzwischen auf mindestens 15 000 Euro geschätzt.

Die Polizei sucht unterdessen dringend Zeugen zu einer Auseinandersetzung Freitagnachmittag in der Innenstadt, die eventuell in Zusammenhang mit dem Überfall stehen könnte. Hier hat es eine Schlägerei zwischen bisher Unbekannten und drei Asylbewerbern gegeben, die leicht verletzt wurden. Wie Polizeisprecher Oliver Wurdak gestern mitteilte, gab es zwei Schauplätze bei dem Zwischenfall. Nach Pöbeleien am Postplatz hätten die Unbekannten die Drei durch die Stadt-Galerie und bis zum Ausgang zum Klostermarkt verfolgt. Hier sei dann das Gestühl vom McDonalds geschwungen worden, so Wurdak. Die drei Asylbewerber hätten daraufhin die Flucht ergriffen. Laut Aussage der Geschädigten soll es sich bei den Angreifern um Securitys handeln, sagt Wurdak. Zwei der bisher unbekannten Personen seien ermittelt. Ob es sich aber um Sicherheitsleute handelt, könne noch nicht bestätigt werden.

Einen Zusammenhang könnte es eventuell auch mit einem Raub geben, der sich in der Nacht des 25. Septembers in der Nähe der Kaffeerösterei abgespielt haben soll. Hier sei von Unbekannten ein 21-jähriger Tunesier überfallen und verletzt worden. Ein Asylbewerber, der unbekannt bleiben will (Name der Redaktion bekannt), sagte: "Die Freunde von ihm werden sich das nicht gefallen lassen. Die Polizei hat nichts unternommen, so werden die was machen. Das ist schlimm."

Wie es weiter heißt, hätte die Schlägerei Freitagnachmittag mit dem Disko-Überfall nichts zu tun. Der Plauener wirft den Sicherheitskräften, die als Einlass- und Ordnungskräften und in hiesigen Diskotheken tätig sind, vor, sich gegenüber Ausländern und solchen, die als Asylbewerber vermutet werden, rassistisch und herabwürdigend zu verhalten. Dazu gehöre auch die systematische Verweigerung, die Diskothek zu besuchen. "Ich weiß, dass sich nicht jeder anständig in einer Disko verhält. Da sind auch schon Frauen angemacht worden. Aber nicht jeder Ausländer verhält sich so. Deshalb kann man kein Asylbewerber-Verbot aussprechen." Er selbst sei ebenfalls schon bei kulturellen Veranstaltungen "abgewiesen" worden und dies mit bösen Kommentaren.