Dirk Heinze - Plauens neuer Kulturreferent

Dirk Heinze hat Sinn für Symbolik. Aus dem blauen Anzug des neuen Kulturreferenten der Stadt Plauen lugt eine Krawatte mit Noten. Sinnbild für Harmonie oder einen forschen Ton?

Plauen - Die Möbel für sein Arbeitszimmer im Ohser-Haus wurden soeben angeliefert. Fast hätte er mit einer Übergangslösung in einer Kemenate hinter den Räumen der Rechnungsprüfer vorlieb nehmen müssem, lächelt Bürgermeister Uwe Täschner, als er am Dienstag den "Neuen" in der Stadtverwaltung vorstellte. Gerade mal zwei Tage im Amt ist Kulturreferent Dirk Heinze und so spricht er naturgemäß vor allem über Dinge, die er in seiner neuen Funktion ausbauen, vertiefen und ja, auch ein wenig neu erfinden möchte. Heinze scheint den Spagat zwischen Schöngeist und Manager in Sachen Kultur mühelos hinzubekommen. An der örtlichen Musikschule erlernte der gebürtige Leipziger Klavier, studierte später an der Hochschule Schulmusikerziehung, absolvierte ein Aufbaustudium in Kulturmanagement und gründete schließlich das erste deutsche Onlineportal für Kulturmanager.

Als Sänger des Kammerchores Michaelstein führten ihn Konzertreisen quer durch Deutschland, nach Israel und Japan. Nun also Plauen. In Abwandlung des Adenauer-Spruches könnte für Heinze gelten "Was kümmert mich mein Erfolg von gestern?" Bislang arbeitete er in Weimar. Näher an Kunst und Kultur geht kaum, wahrscheinlich auch nicht näher an finanz- und spendefreudigen Privatleuten und Unternehmen. Doch Heinze sagt Verblüffendes: Auch dort habe er nicht unbedingt mehr "Kultur" besucht, ein Überangebot müsse nicht immer hilfreich sein. Vor diesem Problem steht er ab sofort nicht mehr. Befragt nach den selbst gestellten Aufgaben und denen, die ihm per Amt zukommen, setzt er zu einer langen Auflistung an. Später mailt er sie nochmals - und in der Tat, er hat im Gespräch etliche vergessen.

Um das Erstellen eines Kulturentwicklungsplanes geht es ihm, das werde eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. Und: So ein Papier dürfe nicht zum Prosatext werden. Welche Akzente will Plauen in kultureller Hinsicht setzen? Wo gibt es Schnittpunkte zu anderen Konzepten? Schlummern Potentiale, die noch nicht gehoben sind? Heinze will das Fahrrad nicht neu erfinden. Ideen, sagt der 43-Jährige, habe er viele, man könne aber auch nichts von außen reintragen. Deshalb steht in den nächsten Tagen und Wochen erst mal Reden, Sondieren an. Mit möglichst allen Vertretern des kulturellen Lebens der Stadt. Wo sehen die sich selbst in fünf Jahren? Wo finden deren spezifische Interessen Schnittpunkte mit denen der Stadt? Es gelte, die finanziellen Spielräume zu erweitern, bei geringer werdenden Mitteln. Wieder so ein Spagat. Heinze spricht von Stiftungen, Mitteln des Freistaates und der EU, von privaten und gewerblichen Sponsoren.

Eine mündliche Zusage im vierstelligen Bereich konnte er quasi vor Amtsantritt bereits generieren. Und klar nennt er keine Namen, noch ist die Zusage mündlich. Womit die Stadt kulturell glänzen könne? Die besondere Rolle Plauens zur Wende sei ein Alleinstellungsmerkmal, da könne man nachjustieren, sagt der Kulturmanager. Da ließen sich weitere Formate entwickeln, sagt der Schöngeist, der als 19-Jähriger die Wende in Leipzig hautnah erlebte, selbst kritische Lieder schrieb und damit auftrat. Weiteres Stichwort: Auf dem in Sachen e.o.plauen Erreichtem gelte es aufzubauen, vor allem aber müsse man die Thematik in Bezug bringen zu den Interessen der Jugendlichen.

Die Industriekultur ist ihm wichtig - auch da bringt er Erfahrungen aus Leipzig mit - er kann sich Workshops, Rahmenprogramme und vieles mehr vorstellen. "Ein Kulturreferat muss Dienstleister sein", sagt Heinze und meint damit, den vielen Vereinen der Stadt mit Informationen und Know How zur Seite zu stehen. Und schließlich noch ein klares Bekenntnis: "Ich möchte mir kein Plauen ohne Theater vorstellen." Einen festen Platz hat er sich immerhin schon gesichert, indem er Stuhlpate wurde. "Die Erwartungen an mich sind ziemlich hoch", sagt der Neue am Schluss und sein Chef, der Sozialbürgermeister Täschner, lächelt still in sich hinein.