Diplom der Weltgesundheitsorganisation

Dr. Ralf-Achim Scheffel ist Mediziner in Bad Elster - seit 50 Jahren. Als Einziger im Vogtland darf er gegen Gelbfieber impfen - seit vergangenem Jahr. Der Facharzt für Allgemeinmedizin könnte nun als Schiffsarzt arbeiten. Davon hatte der 75-Jährige im Studium geträumt.

Bad Elster - Gelbfieber ist eine lebensbedrohliche Virusinfektion, die durch Mücken übertragen wird. Sie tritt fast ausschließlich im tropischen Afrika und Südamerika auf. Aber nur zertifizierte Ärzte dürfen gegen Gelbfieber impfen - wegen der nötigen Spezialkenntnisse, erklärt Dr. Scheffel.
Wer wird geimpft? "Einer meiner Patienten will nach Afrika, zu den Berggorillas nach Uganda. Ein anderer plant eine Reise nach Südamerika, um seinen Schulfreund in Paraguay zu besuchen."
Dr. Scheffel stammt aus Mylau, wo sein Vater 55 Jahre als Allgemeinmediziner praktizierte. "Ich habe in Leipzig Human- und Zahnmedizin studiert sowie einen Tropenkurs belegt, weil ich Schiffsarzt werden wollte. Aber die DDR gab mir keinen Reisepass."
So begann Dr. Scheffel 1971 in Bad Elster eine Facharztausbildung für Allgemeinmedizin - und ist im Kurort geblieben. Heute praktiziert er in eigener Niederlassung.
Seit 17 Monaten ist seine Praxis in der Lindenstraße als einzige Gelbfieber-Impfstelle des Vogtlandes ausgewiesen - genehmigt vom Sozialministerium in Dresden und zertifiziert von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). "In Sachsen gibt es zwölf Impfstellen. Mein Impfsiegel trägt Nr. 20 - so bin ich weltweit zu identifizieren."
Im März 2020, im ersten Monat der Zertifizierung, hat Dr. Scheffel nach eigenen Worten fünf Leute gegen Gelbfieber geimpft. Dann folgten 15 Monate Pause wegen Corona, aber jetzt würden die Impfungen wieder nachgefragt.
Sechs Jahre lang hatte es keine Gelbfieber-Impfstelle im Vogtland gegeben - die in Plauen war 2014 geschlossen worden. "Patienten mussten nach Chemnitz fahren."
Nach 160 Stunden Ausbildung in Tropen- und Reisemedizin ist Dr. Scheffel jetzt Ansprechpartner - nicht nur in Sachen Gelbfieber. "Ich biete umfassende Reiseberatung: Wer zum Beispiel nach Tansania will, um den Kilimandscharo zu besteigen, dem erkläre ich, was zu beachten ist bei Pauschal- oder Individualreisen, welche Krankheiten wo wahrscheinlich sind - und wie man sich schützen kann: durch Cremes, Sprühemulsionen, Netze. Oder durch Impfungen." Jede von insgesamt 60 möglichen Impfungen könne er verabreichen.
Am wichtigsten sei kluges Verhalten am Urlaubsort. Dazu - um ein Beispiel zu nennen - gehöre auch das Wissen, dass Gelbfieber am Tage übertragen werde, Malaria nachts.
Dr. Scheffel nimmt nach eigenem Bekunden bei Bedarf alle Tauglichkeitseinschätzungen vor - fürs Bergsteigen, Tauchen, den Motorsport, Flugreisen... Auch das gehöre zum Angebot einer Gelbfieber-Impfstelle, erklärt der Mediziner im Gespräch mit dem Vogtland-Anzeiger. ufa