"Diese Keller haben viele Leben gerettet"

PlauenBei Baumaßnahmen an der Stützmauer gegenüber dem Dormero-Hotel, ist am Montag auch der Eingang eines Luftschutzkellers freigelegt worden. Gert Müller, Chef des Bergknappenvereins und anerkannter Fachmann für die unterkellerten Bereiche der Plauener Innenstadt, befuhr in Absprache mit dem Freiberger Oberbergamt den Keller und begutachtete den Zustand des Kellers unter dem Hang. "Ich habe dem Oberbergamt empfohlen, den Keller zu erhalten. Dieser Empfehlung ist man gefolgt. Der Luftschutzkeller wird erhalten und es wurde festgelegt, den Eingang am Donnerstag zu verschließen", erzählt Müller.
Die Erkenntnisse seiner Befahrung decken sich mit den vorliegenden, vorhandenen Plänen. In den Nachkriegsjahren war an diesem Keller noch eine Tür vorhanden, die dann auf ungeklärte Weise verschwand. Danach wurde der Eingang dauerhaft verschlossen. "Der Keller war weitgehend leer, es gab kaum noch Utensilien. Aber bissel was Interessantes war schon drin. Wir planen zur Nacht der Museen ohnehin interessante neue Einblicke zu geben, werden dementsprechend auch mal die Pläne, Bilder und einige Fundstücke der vergangenen Monate präsentieren", macht Müller neugierig auf den Sommer dieses Jahres.
Er sieht in dem frei gelegten Keller eine Besonderheit. "Ganz anders als an der Syrastraße oder in der Sternquell-Brauerei handelt es sich hier nicht um einen Bierkeller. Dieser Keller ist als Luftschutzkeller konzipiert. Er wurde extra im Jahr 1944 angelegt und geht bis weit unter die Weststraße. Das sind locker 150 bis 200 Meter Stollen und Keller aus rund 400 Millionen Jahren altem Schiefergestein. Es ist aber nicht wie man vermuten könnte, Alaun zu sehen. Der Luftschutzkeller war für bis zu tausend Schutzsuchende ausgelegt", berichtet Gert Müller.
Der "Oberknappe" betont, dass er mit seinen Mitstreitern derzeit mit dem Alaunbergwerk und den wunderbaren Kellern im Bereich Syrastraße ausreichend zu tun hätte, so dass man sich dem neuen Keller nicht auch noch widmen könne. Zum neuen Keller gäbe es bereits eine sehr umfangreiche Akte, Müller habe ihn bereits seit fast zwanzig Jahren auf dem Schirm.
"Der bauliche Zustand ist absolut in Ordnung, es gibt keinen Grund, den Keller zu verfüllen. Durch das Verschließen des Einganges kann man ihn theoretisch bei Bedarf später wieder zusätzlich öffnen und in irgendeiner Form nutzen. Auch der Eingang ist überaus stabil", so Müller, der es als eines der edelstes Ziele seines Vereins benennt, die 21 offiziellen Luftschutzkeller Plauens weitgehend zu erhalten.
"Diese Keller haben vielen Plauenern, deren Heimatstadt zu drei Vierteln zerstört wurde, das Leben gerettet. Man muss nicht alle öffnen, aber alle dokumentieren und erhalten, ein Verfüllen sollte nur die allerletzte Lösung sein", wirbt Müller für das Anliegen seines Vereines. ecki