Die Zuschauer sind begeistert

Mit der Freiluftaufführung von "Hello, Dolly" zeigt das Theater Plauen Zwickau wieder großartiges Theater auf der Bühne im Plauener Parktheater.

Plauen - "Ich war immer eine Frau, die gern was arrangiert." ("I put my hand in") - eine Art subtile Selbstanpreisung der munteren Witwe eines Kurzwarenhändlers, Dolly Levi, die sich auf den Pfad nach Yonkers begibt, um so zu tun, als leite sie die zweite Verehelichung des Halbmillionärs (einer, der "nur" 500 000 Dollar sein eigen nennt) Horace Vandergelder in die Wege.

In Wirklichkeit schießt sie gut gespitzte Pfeile für ihre eigenen Wünsche ab, sie will diesen Herrn selbst unter ihre Fittiche locken und unterlässt keine Gelegenheit, potenzielle Mitstreiterinnen aus dem Rennen zu kicken. Er, der Besitzer der halben Million, hält - außer sich selbst - alle zweibeinigen Wesen für Dummköpfe und doch oder gerade deshalb fasst er den Entschluss, sich ein weiteres Mal, durch Vermittlung von Dolly Levi, zu verehelichen.

"Man braucht ein Frauchen ..." ("It takes a woman ...") - man braucht es zum Kehren der Kellertreppe, zum Essenkochen und zu manch anderem, was so an notwendigem anfällt. Damit ist der Konflikt geboren und es dauert ein Weilchen, bis sich die Knoten lösen und das Chaos in geordnete Bahnen fließt.

 Ein heiteres Stück ergibt sich aus einer Menge verzwickter Konstellationen, aus Wahrheit und Schwindelei, aus Irrtümern und Liebe, aus Armut und Reichtum, aus Chic und Koketterie, aus den Problemen eines überspitzten, musical-gemäßen Geschehens und dem Charme dieser einzigartigen Musik von Jerry Herman.

Die Premiere von "Hello, Dolly " am Freitag im Parktheater erfüllte alle Bedürfnisse dieses munteren Stückes. Dafür sorgte, wie stets unter freiem Himmel, der Regisseur Rainer Wenke. Auf dem Theatergelände empfangen wird der Zuschauer von Fahnenschwingern, Stelzenläufern, von flotter Dixieland- und anderer Musik, vom Duft gebratener Steaks und Würstchen. Von allen Seiten, vorbei an den Zuschauerreihen, strömen die Akteure auf die Bühne. Mehr als 200 Mitwirkende - Ballettsolisten, der Opernchor des Theaters, die Singakademien von Plauen und Zwickau und eine umfangreiche Statisterie bevölkern die Arena.

Uta Simone glänzt als Titelfigur mit Anmut, Raffinement und einer Stimme, die vorzugsweise ins Musical passt und adäquate Mitstreiter (unter anderem Alexander Kerbst, Raphael Wittmer oder die grandiose Juliane Schenk) halten mit Humor und Können die Balance.

Gelungene Ballett-Einlagen, choreografierte Massenszenen (Choreografie: Katja Erfurth ) und fulminante Chöre (Chorleitung: Friedemann Schulz ) tun ihr Bestes und provozieren zu offenem Szenenapplaus. Leicht veränderbar ist die Gestaltung der Bühne. Ein mächtiger statischer Häuser-Rahmen überdeckt drehbare Einzelgebäude zur Veränderung der diversen Handlungsorte (Ausstattung: Andrea Eisensee). Über allem thront im riesigen Videobild - als Korrespondenz mit der Bühne - der musikalische Leiter Tobias Engeli, der Mann, der diese wunderschöne Musik mit seinem Orchester zum Klingen bringt, ihren Schwung betont, ihren Reiz offenbart.

Letzte Sonnenstrahlen, geheimnisvolles, fast bedrohliches Licht am Himmel, pittoreske Wolkenbilder und einige, wenige Regentropfen dokumentieren das Glück, das diese Premiere mit dem Wetter hat. Dagegen sprühen am Schluss gigantische Wunderkerzen ihre Funken in den Äther und tosende Zustimmung des Publikums bestätigt den Erfolg dieses Sommertheaters.