Die umfangreichste Schau von Manfred Feiler

Plauen - Wie bereits erwähnt, Manfred Feilers Präsentation anlässlich seines 85. Geburtstage ist eine Retrospektive, die umfassendste und umfangreichste Werkschau, die der Meister je zeigte.

 

Noch nie veröffentlichte Zeichnungen aus seiner überaus fruchtbaren Lehrzeit in der Plauener Kunstschule sind zu sehen, eindrucksvolle Bilder, die seine Lehrer Geipel und Löbering überzeugten, Pädagogen, die er bis heute zutiefst verehrt. Manfred Feiler durchlebte mit seiner Kunst schlimme Zeiten, von Krankheit und politischer Ächtung geprägt. Gleichwohl, nichts, keine Repressalie konnte ihm das Arbeiten an der Staffelei verwehren.

Ganz im Gegenteil, seine Erfahrungen als Soldat, das Trauma seiner Verletzungen, das ihm noch heute schwere Nächte bereitet, verarbeitet er in seiner Kunst. Die "sozialistische" Reglementierung, über die ihm Freunde und die riesige Anerkennung im Ausland hinweg halfen, ist für ihn nur insofern noch ein Thema, als er sich kritisch und mutig verbal und in seinem Werk zu Wort meldet. Er malt Bilder, die manche Veranstalter für ihre Ausstellungen mit der Begründung ablehnen, es gäbe kein Publikum dafür - Grund genug für Manfred Feiler gerade deshalb unbequeme Themen aufzugreifen, zu provozieren, aufzurütteln.

 

Die Exposition im Schalander beansprucht - großzügig und sinnvoll angeordnet - viele Räume. Der Organisator dieser Gesamtfeierlichkeiten - "ad astra" - scheut sich nicht, auch gemalte Sujets zu zeigen, die nicht jedermanns Wohlgefallen ansprechen, die keine Waldidylle darstellen, die nichts mit dem Zauber von Feilers Lichteffekten zu tun haben. Manfred Feiler verarbeitet Themen aus seinen Träumen, die beim Betrachten Schmerzen bereiten, die man regelrecht aushalten muss - Kriegserlebnisse, die ihn nicht loslassen, Lazaretterfahrungen, wie sie schlimmer nicht sein konnten, die Trümmer seiner Heimatstadt Plauen, die er schwerst verwundet verlassen musste.

 

Mit Pinsel und Farbe fokussiert er den Blick auf gesellschaftliche Missstände ("Auf dem Buckel des Volkes"), überladene, scheinbar übel riechende Müllkippen, die den Überfluss der Wegwerfmentalität anprangern. Dieser malende Poet, der die Liebe zu seiner Heimat in unbeschreiblichen Impressionen von Wald und Feld, von Eis und Schnee und wie kein anderer von stehenden und fließenden Gewässern malt - Dietrich Kelterer nannte ihn in seiner Laudatio mit großer Verehrung einen "Landschaftsflüsterer" -, der zauberhafte Blüten, Blumenwiesen und Landschaften in berückend heiterer, lebensfroher Leichtigkeit aquarelliert, dieser Künstler malt gleichermaßen ausdrucksstarke Portraits, pittoreske Stadtansichten (den durch Feilers Farben veredelten, untergehenden, maroden Charme Venedigs, dessen heilige Stätten, Orte des Gedenkens oder illustre Karnevalsszenen), reizvolle weibliche Akte, Menschen am Rande sozialer Normen.

 

Jürgen Lenk von "ad astra" ist die fabelhafte Konzeption dieser Präsentation zu verdanken. Seine Intention war, keine wie bisher gewohnte Ausstellung zu präsentieren, er wollte das Gesamtkunstwerk Feiler zeigen, sozusagen sein Leben in Bildern, zu dem auch die Kunst seiner Frau Erika gehört. Sie ist mit aparten Portrait-Zeichnungen vertreten, die ihr als Bewerbungsarbeiten den Weg in die Kunstschule ebneten.