Die Szene-Läden von Plauen

Die jungen Läden heißen Toxic Style, Street Jungle, Skatebox oder Desaster, bereichern als kleine Geschäfte den Branchenmix im Zentrum Plauens und ihre Macher kämpfen täglich mit unterschiedlichem Erfolg gegen eine wenig belebte Innenstadt fern der Einkaufscenter an.

 

In den vergangenen Jahren haben sich zunehmend junge Selbstständige mit Modeläden für junge Leute in der Innenstadt Plauens niedergelassen. Noch kann man die kleinen Boutiquen und Szenegeschäftchen an einer Hand abzählen und es scheint auch, so erfuhren wir im Gespräch mit manchen der Mutigen, dass die Altstadt bei weitem kein florierender Standort ist. Doch mit Engagement und Durchhaltevermögen gelang es dem kleinen Kreis dieser Unternehmer ein bekanntes, eigenständiges Angebot zu installieren.

Im "Street Jungle" am Klostermarkt duftet neuerdings an einer Stehbar gleich am Eingang Kaffee. "Den kann man trinken, wenn man beim Einkaufen von Jeans und anderen Sachen ist, als Entspannung", meint Verkäuferin Elisabeth Schmidt augenzwinkernd. Seit zwölf Jahren gibt es den Laden, man sei in der Szene etabliert und habe ein stabiles Publikum. "Wir nennen das Zielkundschaft, die kommen extra zu uns.

 

Laufkundschaft gibt es in der Innenstadt nur in der Stadtgalerie", berichtet die Einzelhändlerin. Dennoch sind die Street-Jungle-Betreiber zufrieden, 80 Prozent Jungen und 20 Prozent Mädchen ab 12 und Jugendliche bis weit über 20 sind ihre Kunden. Klamotten von Hosen, Jacken, Schuhen bis Mützen würden gekauft, wobei nicht der letzte Schrei wichtig sei, sondern der praktische und schicke Aspekt. "Und es kommen bei den Jüngsten oft auch die Eltern mit, die bei ihren Kindern als Letztes sparen", erzählt Elisabeth Schmidt, denn die Ware ist nicht gerade billig, die Kunden dafür aber umso markenbewusster.

 

Auf dem Altmarkt hat ein weiteres, über lange Jahre florierendes Geschäft für eben solche Kundschaft sein Domizil: das Store. "Wir können nicht klagen, wobei die Leute von sonst woher und ganz konkret zu uns kommen, Zufallskunden, Laufkundschaft gibt es eher kaum", berichtet Verkäuferin Melanie Sarfert. Ihr Kollege Leo Martinez findet den Standort in der City ganz gut, vor allem, weil Plauen die größte Stadt im Vogtland ist. "Plauen hat ein gutes Einzugsgebiet, die Kids kommen zu uns vom Umland her, die wissen, was es bei uns so für Klamotten für sie gibt", sagt Martinez. Gefragt sei alles: T-Shirts, Capes, Hosen. Sein Blick über den Marktplatz zeige ihm indes tatsächlich: Auf Passanten warten, wäre nicht ergiebig. Demnächst zieht nun das Store um: An die Marktstraße.

Auch nachmittags wirkt die Marktstraße oberhalb des Plauener Rathauses nicht wie eine Meile mit so einem Namen. Es gibt kein Gedränge in diesem Teil der Fußgängerzone. Ein paar Geschäftsleute stehen vor ihren kleinen Läden, warten, hoffen, zählen binnen einer Stunde ein Dutzend Passanten, manche dieser kehren in die Geschäfte ein.

Im Modeladen Mojo an der Marktstraße, der früher mal ein Fleischerladen war, schaut sich Kerstin Fleischer nach Kundschaft um, die junge Frau versucht seit einem Jahr an dem Standort mit ihrem kleinen Modeladen "Mojo" über die Runden zu kommen. Doch außer dem Verkauf eines Kleides und einer Mütze gelingt ihr heute kein Geschäft. "Mir fehlt die Laufkundschaft und Stammkunden habe ich als Neuling noch nicht viele", sagt die Plauenerin. 2008 gründete sie nahe der Johanniskirche in einer Seitenstraße ihr kleines Unternehmen, schicke Klamotten namhafter Marken in lässiger Umgebung für junge Leute lautet ihr Credo. "Die Leute haben aber echt wenig Geld, es gibt eine große Konkurrenz, das Internet und so weiter, und in so einer leeren Innenstadt lockt man eben die Leute nicht an. Die finden, Plauen besteht aus der Galerie und etwas Drumherum - das ist aber zu wenig", erklärt sich die Plauenerin die Situation.

 

Sie ziehe nun die Reißleine: "Ich mache Ende März dicht, weil ich nicht genug verdiene, um über die Runden zu kommen." Für ihre Mitbewerber wünscht sich Kerstin Fleischer Durchhaltevermögen und städtische Unterstützung. "Dass man ein Konzept für die Altstadt entwickelt, einen Mix, der junge und alte Leute zum Flanieren und Verweilen einlädt."  Ihren Beitrag für Vielfalt haben junge Anbieter schon investiert, man dürfe sie nun nicht allein lassen, so die junge Frau. F. Blenz