"Die Sucht ist ein Monster"

Eine Woche lang wurden Siebt- und Achtklässler der Dittes Oberschule auf die Gefahren durch die Einnahme von Drogen aller Art hingewiesen. Melanie Hechler ist täglich in der Plauener Oberschule, kennt die Probleme der jungen Leute und versucht ihnen mit Rat und Tat zu helfen.

Von Gabi Kertscher

Plauen - Gemeinsam mit der ambulanten Jugendgerichtshilfe vom Verein "Brücke", der Familienhebamme der Stadt Plauen, Martina Schulze, der Suchtberatung des Diakonischen Werkes und der Mobilen Jugendarbeit Plauen wird das Problem angegangen. Am letzten Tag der Präventionswoche stand am Donnerstag ein Gespräch mit Psychologin Annelie Flügel und einer ehemaligen Crystalabhängigen sowie die Erarbeitung eines kleinen Theaterstückes unter der Leitung von Jette Glatter, Anja Merkel und Daniel Escherich. Jette Glatter arbeitet im Jobact Ensemble des Theaterprojektes Projektfabrik. Merkel und Escherisch erzählten von ihrer Arbeit als Streetworker und die Teenies erfuhren, dass alle Gespräche mit ihnen vertraulich behandelt werden. 
Es wurden vier Gruppen gebildet. Die Themen reichten von legalen Drogen, wie Alkohol und Zigaretten, über Cannabiskonsum, die Gefahren von Badesalz bis zu den harten Drogen Crystal und Heroin. Es wurden Jugendgruppen nachgestellt, in denen ein Teil Drogen nimmt und die anderen über die Gefahren aufklären. Es entstanden sehr emotionale Theaterstücke. Die Oberschüler scheuten auch nicht davor, das Ende der Drogensucht, den Tod, darzustellen. 
In der gleichen Zeit sprach Psychologin Annelie Flügel über die Drogensicht aus medizinischer Sicht. Mit deutlichen Worten erklärte sie die Symptome und die Entstehung von Sucht. Als Beispiel nannte sie die Veränderungen in der Genetik. So haben Söhne von Alkoholikern keinen Brechreiz. Grundsätzlich verlieren die Betroffenen die Kontrolle über sämtliche Fähigkeiten im Alltag. "Bedenkt, Crystal macht bereits bei der ersten Einnahme abhängig", warnte Flügel. Sie sprach über die schwere Zeit der stationären Entgiftung und der langwierigen Anschlusstherapie. Weiter warnte sie: "Die Sucht ist ein Monster, das immer gefüttert werden will." Auch nach der Therapie schlafen die Zellen und die Rückfallgefahr sei riesig.
Über dieses Monster "Drogen" berichtete Maria S. Die heute 38-Jährige war über 15 Jahre von Crystal abhängig. Mit 21 Jahren ist sie mit ihrem einjährigen Sohn ins Vogtland gezogen und in den falschen Freundeskreis geraten. Drogenkonsum, Handel mit Crystal und Spielsucht waren die Folgen. Sie sprach von ihren vielen negativen Erlebnissen und beantwortete ehrlich die Fragen der Schüler. Als ihr Dealer verhaftet wurde, kam auch sie in Haft. Maria wurde zu 2 Jahren und 7 Monaten verurteilt, von denen sie über vier Monate in Haft saß. Die junge Frau erhielt eine neue Chance. Heute hat sie eine geregelte Arbeit und hilft in der Drogenprävention, andere Menschen vor diesem Teufelszeug zu warnen. "Dank des Projektes habe ich ein neues Leben." Am Ende der viertägigen intensiven Aufklärung äußerten die Oberschüler, dass Drogen für sie ein Tabu seien. 
Einige wollen Freunde aufhalten und mit ihnen sprechen. "Bei manchen gehören Bier und alkoholische Mixgetränke schon zum Alltag", erzählten sie. Sie haben sich vorgenommen, sie zu warnen und mit ihnen zu reden.