Die Station 41 im Vogtland Klinikum Plauen

 

Plauen - Wer auf Station 41 des Vogtlandklinikums eingeliefert wird, den hat es besonders schlimm erwischt. Nicht wegen der zu erwartenden Behandlung - die könnte kompetenter und moderner nicht sein - sondern wegen seines lebensbedrohlichen Gesundheitszustandes.

 

Die 16 Betten der Interdisziplinären Intensivstation sind schwerst kranken Patienten vorbehalten und ein Blick in die hier befindlichen Räume äußerst selten. Ende der Woche war dies möglich, denn Chefarzt Dr Frank Hendrich und Oberarzt Dr. Torsten Reinhöfer stellten vor Ort ein neues Behandlungsverfahren für Patienten mit akutem Lungenversagen vor. Ein Verfahren, das in Sachsen außer an der Uni-Klinik Leipzig nur noch in Plauen beherrscht wird.

 

Worum geht es? Es handelt sich im Prinzip um eine Technik, mit der sich ohne herkömmliche Pumpen Kohlendioxid aus dem Blut entfernen und Sauerstoff zuführen lässt. Sie kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Lunge nicht mal mehr imstande ist, die mechanische Beanspruchung durch eine Pumpe auszuhalten. Die erste Patientin, so der Chefarzt, die auf diese Weise behandelt wurde, befinde sich bereits auf dem Weg der Besserung. Die junge Frau litt an einer schweren Pilzlungenentzündung, die zu behandeln mit herkömmlichen Methoden kaum möglich gewesen wäre. Noch muss das Gerät, das glücklicherweise nicht täglich zum Einsatz kommen muss, im Ernstfall angefordert werden - die "Lieferzeit" beträgt fünf Stunden, was insofern ein ausreichendes Zeitfenster darstellt, weil die Mediziner über die Verlegung oder Einlieferung eines Patienten entsprechend früh informiert werden.

Künftig aber werde man über ein eigenes Gerät verfügen, avisiert Dr. Reinhöfer. Bei der Pumpenlosen extrakorporalen Membranoxygenierung (PECLA), so der Fachbegriff, handelt es sich um Einwegmaterial, das für Patienten jeden Alters, ausgenommen jüngere Kinder, geeignet ist. In diesem Zusammenhang verweisen die beiden Ärzte auf die Vorteile einer Interdisziplinären Intensivstation, denn besagte Behandlung bei Lungenversagen erfordert nicht nur hoch spezialisierte Internisten, sondern auch Gefäßchirurgen. "Wir befinden uns nun auf dem aktuellsten Stand der Technik, mehr geht fast nicht", fassen die Mediziner ihre Freude über die neue Behandlungsmethode zusammen.

 

Auf der 2007 in Betrieb genommenen Station kann notfalls auch operiert werden, ohne dass der Patient sein Bett verlassen muss. Ein eigener kleiner OP steht dafür zur Verfügung. Um die schwerst kranken Patienten, die auf der "Interdisziplinären" in aller Regel künstlich beatmet werden müssen, und die Patienten auf der "normalen" Intensivstation gegenüber des Ganges, kümmern sich 14 Ärzte und 51 Pflegekräfte rund um die Uhr.

 

Von Torsten Piontkowski