Die Schatzsucher des Vogtlandes

Plauen/Rodewisch - Allein und voller Jagdeifer nach verborgenen Schätzen durchstreifen sie Felder, Wälder und Wiesen im Vogtland: Die Schatzsucher mit der Metallsonde.

 

Die Sondengängerszene im Vogtland beschäftigt sich hauptsächlich mit der Suche nach Artefakten des zweiten Weltkrieges. Nilo aus Plauen und Tino aus Rodewisch sind seit Jahren Sondengänger. Es sei das Interesse an der Geschichte, das die meisten Sucher antreibe, sagen die beiden Männer. Dazu wird viel Recherchearbeit, wie der Besuch von Archiven und Museen, geleistet. Wo befanden sich Flakstellungen, Kriegsgefangenenlager, wo ist ein Flugzeug abgestürzt, gibt es Bunkeranlagen, wie gestaltete sich das Leben der Bevölkerung und der Soldaten. Diese Fragen bewegen die meisten Sondengänger. Oft stehen die Schatzjäger in Verbindung mit Heimatforschern, aus der sich eine fruchtbare Zusammenarbeit bei der Aufbereitung der Geschichte ergibt.

Das Vogtland und das angrenzende Erzgebirge sind das Revier von Nilo und Tino. Das Kriegsende in dieser Region hat es den beiden besonders angetan. So erforschen sie intensiv die ehemaligen deutschen Kriegsgefangenenlager in Muldenberg, Tannenbergsthal und Straßberg.

"In diesen Lagern waren rund 40 000 deutsche Soldaten interniert. Sie gehörten vorwiegend der Heeresgruppe Mitte an, die sich im April und Mai 1945 aus Böhmen nach Sachsen zurückzogen. Hier gingen sie in amerikanische Gefangenschaft", erzählt Nilo. "Sie hausten in Zelten, in Erdlöchern oder auf dem nackten Boden." Gefunden haben die zwei Sondengänger neben Orden und Ehrenzeichen auch einfache Ausrüstungsgegenstände wie Feldflaschen, Kochgeschirre und Rasierzeug. Ab und zu kommen auch einige Münzen zum Vorschein. "Erkennungsmarken haben wir noch keine, sollten welche auftauchen, werden sie der Wehrmachtsauskunftstelle in Berlin gemeldet. Das ist wichtig, um eventuell das Schicksal von vermissten Soldaten zu klären."

Tino machte im Frühjahr 2010 seinen spektakulärsten Fund bei Lengenfeld: eine Panzergranate. "Da blieb mir das Herz erst einmal stehen. Dann habe ich sofort die Polizei informiert. Die Fundstelle wurde abgesichert und die Granate vom Kampfmittelräumdienst entsorgt. An dieser Stelle kommen viele Familien mit Kindern vorbei, kaum auszudenken, was hätte alles passieren können."

Nebenbei tun die zwei Sondengänger auch etwas für die Umwelt. Beide haben einen Müllsack bei sich, in dem Büchsen, Kronverschlüsse und ähnliches landen. Nach einer Grabung werden die entstandenen Löcher natürlich wieder verfüllt. Das gehöre zur Ehre eines Sondengängers. "Leider ist der Ruf der Sondengänger nicht besonders gut. Es liegt an den schwarzen Schafen, die es überall gibt, die mit wertvollen Funden Geschäfte machen. Diese Leute stehen durch die Medien im Mittelpunkt und das ist schade", meint Tino.

Erinnert sei da an den Fund der Himmelsscheibe von Nebra in Sachsen-Anhalt. Henry Westphal und Mario Renner fanden dort eine runde Bronzescheibe, die älteste weltweit bekannte Darstellung eines konkreten Sternenhimmels. Dieser als Jahrtausendfund bezeichnete Gegenstand schaffte es auf mehrere Titelseiten und erregte große Aufmerksamkeit. Die Finder rechneten bei Meldung des Fundes mit der ersatzlosen Konfiszierung und witterten gleichzeitig ein gutes Geschäft. Noch am Fundtag wurde die Scheibe für 31 000 DM auf dem Schwarzmarkt verkauft. Der Fund wechselte mehrmals den Besitzer, bis die Sache 2002 aufflog. Die Finder wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt - die Himmelsscheibe wird heute auf mehrere Millionen Euro geschätzt.

"Die Mehrzahl der Sondengänger benimmt sich anständig, meldet wertvolle Funde, dokumentiert die Fundstellen, verlässt das Suchgebiet so, wie es vorgefunden wurde", räumt Tino mit Vorurteilen auf. Viele Sondengänger wünschten sich eine bessere Zusammenarbeit mit Denkmalämtern und Archäolgogen. Doch das Verhältnis sei schwierig. Die Suche per Sonde sei legal, so lange der Grundstückseigentümer einverstanden ist. Verboten ist lediglich die Suche auf Bodendenkmälern - wie beispielsweise an einer Burganlage.

Auch wenn nicht jedem das Glück hold ist, einen wirklichen Schatz zu heben, so verleitet die bloße Vorstellung vom Fund des Lebens zu diesem Hobby. "Für mich ist es ein interessantes Hobby und ein Ausgleich für meinen Job als Lehrer", so Tino.