Die Schatten der Vögel

Frei nach der Kurzgeschichte "Die Vögel" der Schriftstellerin Daphne du Maurier und dem Film-Klassiker von Alfred Hitchcock sowie einer Bühnenadaption des gleichnamigen Thrillers von Conor McPherson präsentierte das Berliner Kriminaltheater das Gruseldrama im König Albert Theater.

Von Steffen Adler

Bad Elster - Statt des bekannten Horrors des Films standen in dem Stück die Charaktere der mit Schuldgefühlen beladenen Schriftstellerin Diane (Susanne Meyer) - die ihre Gedanken in einem Tagebuch niederschreibt - und des scheinbar mit tiefen psychischen Problemen behafteten Fremden Nat (Jean Maesér) im Vordergrund. 
Beide suchen in einem einsamen, halb zerfallen Haus vor dem apokalyptischen Ansturm der Vögel Schutz, die das Land verwüstet haben. Nat kann sich gerade noch vor einer der Vogel-Attacken in das Haus retten. Beide müssen sich so gut es geht arrangieren, ohne zu wissen, ob es draußen noch Überlebende gibt und sie das Haus überhaupt noch einmal verlassen können. Diane und Nat haben alles hinter sich gelassen - Familie und Besitz - während das Grauen des Gesehenen sie bis in ihre Träume verfolgt. "Sie sagen, die Vögel wären eine Art Rachenegel. Sie nehmen Rache für den Umgang der Menschen mit den Tieren, rächen sich für die Massentierhaltung und die grausamen Tierversuche", berichtet Diane ihrem fremden Mitbewohner, was sie aus dem Radio gehört hat. Noch glaubt Nat, der seit der blutigen Attacke einen Kopfverband trägt und stark schockiert ist, dass es irgendwo Rettung gibt. 
Ohne einen vernünftigen Plan für das Überleben entwickeln zu können, harren sie aus, während die Vögel, immer wenn die Flut kommt, zurückkehren und wieder für Panik sorgen. Die Furcht vor der Außenwelt ist fruchtbarer Nährboden für Paranoia und Angst und gemeinsam beginnen Diane und Nat über das eigene Leben nachzudenken. In der Angst vor der Außenwelt kommen sie sich etwas näher. Nat verbarrikadiert Tür und Fenster. Bald wissen Diane und er, dass sie im Haus nur vorübergehend sicher sind, nachdem der Strom ausfällt und die Lebensmittel knapp werden. Die langsam gewachsene Einmütigkeit nimmt bald ein Ende, als die junge selbstsichere Julia (Claudia Rippe) auftaucht. Sie hat Lebensmittel in einem Haus gefunden. Doch sie kann sich nicht mehr erinnern wo es war. Als sie sich gemeinsam mit Nat auf den Weg macht, um es zu suchen, bleibt Diane allein im Haus. Kurz darauf taucht der seltsame Nachbar Tierney ( Mario Krüger) auf, der das Haus am anderen Ende der Bucht bewohnt. Er versichert Diane, sie retten zu können und über so viel Lebensmittel zu verfügen, um überleben zu können. Als Gegenleistung, erwartet er, dass Diane zu ihm zieht und verfolgt offensichtlich insgeheim auch andere Absichten. Zudem macht er Diane Angst, Nat und Julia würden nicht mehr zurückkommen. "Hier bist du verloren", suggeriert er Diane, die sich jedoch entschließt zu bleiben. In der Nacht als Nat und Julia zurückkehren folgt der nächst Konflikt: Julia berichtet Diane, dass sie schwanger und überzeugt sei, dass Nat der Vater ist. Während sie ohne Zweifel ist, so die menschliche Art erhalten zu können, widerspricht Diane mit dem Argument, dies wäre an einem Ort, wo der Tod regiert, nicht möglich. Im heftigen Disput gesteht Julia heimlich in Dianes Tagebuch gelesen zu haben und zu wissen, dass Diane in Nat verliebt ist. Nach dem Streit verlässt Julia das Haus. Indessen tritt eine unheimliche Ruhe ein, es scheint, als würden die Vögel nicht mehr kommen. Doch Nat hat Vogeleier zwischen den morschen Dachbalken entdeckt. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis das Haus keinen Schutz mehr bietet. Das Stück endet, als sich Diane und Nat entschließen, das Haus zu verlassen. Als sie die Tür hinter sich schließen, ist das Kreischen der Vögel wieder zu hören und ihre Schatten hinter den Fenstern zu sehen.