Die Prinzen in der Vogtland Arena vor 3000 Fans

Klingenthal - Sie touren seit März wieder durch Deutschland und versuchen uns Deutschen wieder Deutsch beizubringen. Be Cool, Speak Deutsch - einer ihrer neuen Hits aus dem Album "Neue Männer".

 

Sie sind keine neuen Männer, sie sind schon älter und bereits ein Urgestein deutscher Pop-Kultur. Die Prinzen. Am Samstag machten sie im Vogtland halt. "Das wievielte Konzert das ist auf der Tour? Keine Ahnung. Auf alle Fälle das erste vor so einer gigantischen Kulisse. Die Schanze ist imposant. Wir stehen zum Glück hier unten auf der Bühne und müssen nicht springen", sagte Blaublüter Sebastian Krumbiegel vor dem Konzert. Die Prinzen versprühten Spaß, wenn auch nur vor 3000 Leuten, von der ersten bis zur letzten Sekunden. Auf Deutsch versteht sich - und auf Klingenthaler Instrumenten wie sie stolz erklärten.

Mit "Monster" und "Frauen sind die neuen Männer" von der neuen Platte geht es los, und die fünf Jungs - mittlerweile Familienväter und Mitte 40 - haben ihr Publikum von den ersten Tönen an voll im Griff. Die Prinzen zeigen ihr gesamtes Repertoire: Leise und nachdenklich ("Ich will zurück ins Paradies"), aber auch in bester Rockmanier, etwa bei Klassikern wie "Bombe". Textsicher singen die Fans alle Stücke mit, die neuen wie "Immer anderer Meinung" oder eben "Be Cool, Speak Deutsch", in dem die Band Anglizismen aufs Korn nimmt. Sie spielen auch mit dem Publikum. Während etwa 1500 Leute vor der Bühne stehen, hat es sich der Rest auf den Traversen gemütlich gemacht. "Wir spielen nur für euch hier unten, die da brauchen wir nicht", lästerte Krumbiegel. "An euch ist die Wirtschaftskrise aber spurlos vorbeigegangenen, ihr konntet euch ja Sitzplatzkarten leisten", ruft ihnen Tobias Künzel entgegen. Die Sprüche wirken. So Mitte des Konzertes sind viele von oben nach unten gekommen, um mitzusingen.

Den größten Beifall bekommen die Prinzen natürlich für die Hits, die sie in den frühen 1990ern bekanntgemacht haben, wie "Millionär", "(Du musst ein) Schwein sein" oder "Alles mit'm Mund". Als umjubelten Abschluss gibt es "Küssen verboten".

Zum Schluss sind alle glücklich. "Wir hatten unheimlich Spaß. Ich musste mich auch richtig ins Zeug legen, meine Familie war ja da", so Krumbiegel nach den 120 "lustigen Minuten". Da war es zu verschmerzen, dass Schlagzeuger Ali Zieme und Bassist Mathias Dietrich die fünf Sänger häufig übertönen. Die Prinzen bewiesen einmal mehr, was für großartige Sänger sie sind. Ganz deutlich wurde das, wenn Krumbiegel, die Baritone Künzel und Henri Schmidt (der heute übrigens 42 Jahre alt wird), Tenor Wolfgang Lenk - laut Krumbiegel "der Einzige, der wirklich was versteht von Musik in unserer Band" - sowie Bass Jens Sembdner a cappella sangen.  

Bereits seit mehr als 20 Jahren begeistern die Musiker und so besuchen Menschen aller Altersgruppen ihre Konzerte; in Klingenthal sind vor allem zahlreiche Familien mit Kind und Kegel im Publikum wie die 43-jährige Renate, die mit Mann und Sohn extra aus Bamberg angereist ist. "Das ist tolle Musik, die hören wir alle gern", erzählt sie. In der Mehrheit sind an diesem Abend aber die Frauen, oft in kleinen Grüppchen. Unklar bleibt, ob sie der Titel der Single "Frauen sind die neuen Männer" angelockt hat - oder doch eher die feschen Prinzen. T.Nahrendorf