Die Olsenbande fährt nach Weischlitz

Weischlitz - Die beiden Angeklagten aus Oelsnitz sehen aus wie Mitglieder der legendären Olsenbande: einer klein und dick, der andere groß und schlacksig.

 

Beide machen sie einen pfiffigen und sympathischen Eindruck - nennen wir sie Kjeld und Benni. Zur Verhandlung vor dem Plauener Amtsgericht sind sie ohne Anwalt erschienen. Der Staatsanwalt wirft ihnen vor, sie hätten Tore in Weischlitz gestohlen. Schweigen die Angeklagten, wie die beiden Oelsnitzer (33 und 43 Jahre alt), so hat es das Gericht nicht leicht. Aber es ist das Recht der Angeklagen, nichts zu sagen. Doch die polizeilichen Angaben sind nicht zu verwenden, wenn die zwei Oelsnitzer nichts vor Gericht sagen. So muss das Amtsgericht Plauen unter Richter Oppermann die Verhandlung unterbrechen - am Mittwoch geht es weiter: Dann sind fünf Zeugen geladen.

 

Bei dem Verfahren geht es um einen Diebstahl in Weischlitz: Von einem Firmengelände sind zwei alte schrottreife Tore entwendet worden. Diese lagen dort schon seit 40 Jahren, der Wert beträgt nicht einmal 40 Euro. Die zwei Oelsnitzer werden nun verdächtigt, etwas von dem Firmengelände mitgenommen zu haben. Aber handelten diese auch als Diebe? Kann es sogar ein Missverständnis sein, wie man zwischen den Zeilen aus der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft verstehen kann? Mehr Licht in das Dunkel können nur die Zeugen bringen, die nun geladen werden. Die schwarze Robe von Richter Oppermann hat die Angeklagten anscheinend nicht beunruhigt - sie machten einen ruhigen und sehr sachlichen Eindruck.

Später haben sie dann doch etwas erzählt: Benni meinte, es sei unklar, wem dieses Firmengelände überhaupt gehöre und dass dort seit Jahren zahlreiche Sachen einfach so rumliegen. Es ist nicht klar, ob es da überhaupt noch einen Besitzer gebe. Benni und Kjeld - beide gehen einer geregelten Arbeit nach und leben nicht von Hartz 4, wie so viele Angeklagte in der heutigen Zeit. Auch für das Gericht ist es in einer solchen Situation nicht einfach, den richtigen Ton zu treffen. Wie redet man mit den Angeklagten? Ist der Richter kumpelhaft oder gibt er eher den strengen Sitzungsführer?

Gegenüber dem Berichterstatter des Verfahrens sagte der Gerichtsvorsitzende: "Heute scheint nicht Ihr Tag zu sein, da nicht viel passiert." Es kann auch mit einem Freispruch der beiden Angeklagten gerechnet werden. Wenn nämlich rauskommt, dass die beiden Bandenmitglieder gar nicht als Tordiebe angesehen werden können. Dann zahlt die Staatskasse das Verfahren. web