Die neue Woll-Lust

24 Kalendertürchen, 24 Geschichten, 24 Gewinne: Jeden Tag fliegt eine Eule aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen zu einem Leser. Wer die Eule gewinnen will, beteiligt sich an unserem Adventsrätsel Heute ist die Eule zu Gast bei "wolllüstigen" älteren Damen.

Plauen Montags treffen sich zehn Frauen im Mehrgenerationenhaus am Albertplatz und geben sich ganz ihrer Lust hin. "WollLust" haben die Rentnerinnen ihren Kreis genannt und es dreht sich wirklich alles um die Wolle. Es wird gestrickt und gehäkelt. Vor fast sieben Jahren trafen sich Karin Seydel und Ursula Wecke-Wappler (†), um gemeinsam Handarbeiten zu machen. Im Haus am Albertplatz fanden sie Unterstützung und gründeten die Gruppe. Inzwischen sind alle einige Jahre älter geworden.
"Ruth ist mit 93 die älteste und auch die fitteste unter uns", lassen die lustigen Damen wissen. Gemeint ist Ruth Schaller. Sie strickt und häkelt und beherrscht eine Handarbeitstechnik, von der selbst einige der Seniorinnen noch nichts gehört hatten. Sie fertigt Kragen und Deckchen in Schiffchen-Technik an. Hauchdünnes Garn wird mit einem "Schiffchen" zu Spitze verarbeitet. Laut Wikipedia wird es auch Frivolité oder italienisch "Occhi", was soviel wie "Auge" heißt, bezeichnet und soll im frühen Mittelalter aus dem Orient nach Europa gekommen sein. Das mache sie aber nur zu Hause. Ganz anders ist es mit dem Stricken. Nadeln und Wolle habe sie immer dabei und wenn es einmal etwas länger dauert, holt sie ihr Strickzeug heraus und fängt an die Nadeln zu schwingen. Dann entstehen, Pullover, Jacken, Socken und alles, was strickbar ist. Die Wolle kaufe sie oder bekommt welche geschenkt. Erst vor wenigen Wochen hat Ruth Schaller stapelweise Kinderjacken und Pullover zu einem Markt gebracht. Die Sachen werden dann für einen guten Zweck verkauft. Geld will sie nicht haben. "Ich habe alles, was ich brauch", erzählt die rüstige Rentnerin.
Früher habe sie für ihren Sohn gestrickt, aber der sei über 60 und nicht mehr so begeistert von Strickpullovern. Socken allerdings gehen immer. Die anderen Stricklieseln stimmten ihr zu. Keiner kann so gut Fersen stricken, wie Ruth. Sie hilft, wenn es bei den anderen einmal nicht so klappt und wenn Maschen von den Nadeln rutschen, hat sie sie im Handumdrehen gefangen und wieder auf die Stricknadel verfrachtet. Der Montag nach dem 1. Advent wurde als kleine Nikolausfeier ausgestaltet. Ruth Schaller beschenkte jede der Frauen mit kleinen Handarbeiten aus Makramee, gehäkelt oder gewickelt.
Christa Ritter hatte ebenfalls für jede eine Überraschung. "Ihr könnt es selbst verwenden oder verschenken", empfahl sie. Aus den Päckchen kamen Flaschenwärmer, natürlich selbstgestrickt, hervor. Sie seien alle über 75 Jahre alt, aber den wöchentlichen Treff zur WollLust verpasst kaum eine. "Dann muss schon etwas Wichtiges sein", ließen sie sie wissen. An diesen Montagnachmittagen gibt es Kaffee und Kuchen, es wird über alles geredet, aber was das Wichtigste ist: "Wir tauschen uns über Handarbeiten aus. Wir helfen uns und finden immer neue Ideen, was wir machen können." Die Damen von der WollLust sind für das Familienzentrum eine Bereicherung. Wenn es für die Tanzgruppen oder für Kinderfeste des Spiel-Spaß-Kindertreffs etwas zu basteln gibt, werden die Handarbeiten schon auch einmal zur Seite gelegt und geholfen, wo es geht.

Kalenderblatt 9

Die heutige Rätselfrage: Womit beschenkt Christa Ritter ihre Handarbeitsdamen? Wenn Sie das wissen, schreiben Sie uns die Antwort auf eine Postkarte und senden sie an: Vogtland-Anzeiger, Postplatz 12, 08523 Plauen, senden sie uns per Mail unter redaktion@vogtland-anzeiger.de oder antworten Sie uns unter dem Beitrag auf unserer Facebook-Seite. Kennwort: Kalenderblatt 9. Einsendeschluss: 12 Dezember.
Das Lösungswort von Kalenderblatt 5 lautet: das 600. Jubiläum. Heike Hoyer aus Weischlitz hat gewonnen und kann die Eule in unserer Redaktion abholen.