Die Minderheit in der Minderheit

Plauen - Nicht zum ersten Mal führt die Organisation Jugendstil einen multilateralen Jugendaustausch für vor allem nationale Minderheiten durch. Doch in diesem Jahr ist das Projekt ein ganz besonderes, denn alle Teilnehmer sind geistig oder körperlich behindert. Kurzerhand wurde in den Titel ,,YEHMIS", der für ,,Young European Minority Members Integrated trough Sport" steht das H für handicapped eingefügt.

30 junge Menschen zwischen 18 und 25 Jahren aus Spanien, Rumänien, Ungarn und Deutschland verbringen zur Zeit eine Woche im Vogtland. Die Verantwortlichen und Organisatoren von Jugendstil, Ronald Schönknecht und Isabelle Jahn, sind ganz begeistert vom Verlauf der ersten Tage in Plauen. "Die Teilnehmer sind unglaublich diszipliniert und schnell zu begeistern. Es macht wirklich viel Spaß mit ihnen zu arbeiten",so Isabelle Jahn, die Ronald Schönknecht als Dolmetscherin zur Seite steht und dadurch versucht, auch den Kontakt der Jugendlichen untereinander zu intensivieren.

Nach einem Wochenende voller sportlicher Aktivitäten, aber auch einem Besuch der Gedenkstätte in Buchenwald konnten bereits jede Menge Erfahrungen ausgetauscht werden. Wie schon in den Jahren zuvor stellen die verschiedenen Sprachen kaum ein Hindernis dar, die Kommunikation funktioniere sehr gut.

Da immer wieder Fragen zum Thema Integration in Deutschland auftauchen, die auch von Schönknecht nicht so ausführlich beantwortet werden können, wurde diesmal eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Politik geplant. Zwar seien nicht alle Gäste, die geladen wurden gekommen oder es habe sich kein Vertreter gefunden, der den Termin in der Jugendherberge ,,Alte Feuerwache" wahrnehmen konnte, doch immerhin drei Gäste standen Rede und Antwort.

Gekommen war Stephan Pöhler, der Behindertenbeauftragte der Sächsischen Staatsregierung, der ehrenamtlich dem Land beratend zur Seite steht, in seinem täglichen Leben jedoch ein Gehörlosenzentrum in Zwickau leitet. Auskunft gab auch Anneliese Ring, die Behindertenbeauftragte des Landratsamtes sowie der Landtagsabgeordnete der CDU, Frank Heidan, der nicht nur direkt im politischen Geschehen fungiert, sondern sich immer wieder aktiv für junge Menschen, vor allem in Sachen Bildung einsetzt.

"Wie werden Behinderte in Sachsen integriert, wie wird ihnen beim Leben oder der Arbeitssuche geholfen und welche Unterstützung erhalten Familien hier?", waren die häufig gestellten Fragen der ausländischen Gäste, die selbst in ihren Ländern oft Probleme haben, da sie nicht nur behindert sind, sondern auch noch nationalen Minderheiten wie beispielsweise den Romas angehören. Unter dem Titel "Minderheit in der Minderheit schlimmer geht es nicht oder? Möglichkeiten der Integration in Europa" versuchten die drei Gesprächspartner darzulegen, wie die gesetzliche Lage speziell in Sachsen sei und wo dringend Verbesserungen nötig seien.

600 000 Menschen mit Behinderung leben im Freistaat, davon 320 000 Schwerstbehinderte. Gerade im Bildungsbereich müsse es in den nächsten Jahren einen dringenden Wandel geben. Das System für familienunterstützende Dienste hingegen sei gut ausgeprägt. Außerdem geben Gesetze schon grundsätzliche Dinge vor. So zum Beispiel, dass öffentliche Einrichtungen barrierefrei gebaut werden müssen oder ein Arbeitgeber ab 16 Angestellten einen Arbeitnehmer mit Behinderung beschäftigen solle. va